01.11.2017

Theologe Theo Mechtenberg erhält Lothar-Kreyssig-Preis

Neue Wege der Begegnung mit Polen

Der katholische Theologe Theo Mechtenberg erhält den diesjährigen Lothar-Kreyssig-Preis. Geehrt wird er für seine zahlreichen praktischen Schritte bei der Versöhnung zwischen Polen und Deutschen.


Der Lothar-Kreyssig-Friedenspreis 2017 geht an den katholischen Theologen, Publizisten und Übersetzer Dr. Theo Mechtenberg aus Bad Oeynhausen. Damit ehrt die gleichnamige Stiftung des Evangelischen Kirchenkreises Magdeburg einen Menschen, der sich seit über 50 Jahren beispielhaft für die deutsch-polnische Versöhnung und Verständigung einsetzt.
Der heute 89-jährige Preisträger gehörte zu den wenigen Theologen in der DDR, die den Briefwechsel zwischen den polnischen und deutschen Bischöfe zum Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils 1965 zum Anlass nahmen, neue Wege der Begegnung zwischen den beiden Völkern auszuprobieren. Der Satz der polnischen Bischöfe „Wir gewähren Vergebung und bitten um Vergebung“ verlangte nach praktischen Antworten von deutscher Seite. Als die DDR-Behörden Pilgerfahrten von „Aktion Sühnezeichen“ mit Arbeitseinsätzen in den ehemaligen Konzentrationslagern Auschwitz-Birkenau und Majdanek verboten, sprang Theo Mechtenberg (von 1965 bis 1971 Studentenpfarrer in Magdeburg)ein. Er organisierte in eigener Verantwortung „illegale“ Reisen mit Studenten der Katholischen Studentengemeinde Magdeburg nach Polen. Arbeitseinsätze fanden im Blinden-Zentrum Laski bei Warschau, im ehemaligen KZ Majdanek bei Lublin  und auf der Baustelle der Kirche von Nowa Huta bei Krakau statt. Sie öffneten den Studenten neue Horizonte von Solidarität und gelebter Versöhnung mit Menschen aus Polen und ihren Schicksalen.
Katholische Soziallehre in der DDR
Mechtenbergs Arbeit für die deutsch-polnische Versöhnung war eingebettet in ein Netz einschlägiger Aufgaben und Kontakte, die er von Magdeburg aus wahrnahm. Ab 1963 leitete er im Auftrag der Berliner Bischofskonferenz den Arbeitskreis „Pacem in terris“, der für eine situationsbezogene Rezeption der katholischen Soziallehre in der DDR eintrat. Er war ein geschätzter Gesprächspartner beim Aufbau der evangelischen Friedensarbeit in der DDR ab 1969, sowohl im „Facharbeitskreis Friedensfragen“ des DDR-Kirchenbundes als auch im Gnadauer „Gesprächskreis Friedensethik“ unter Leitung des evangelischen Magdeburger Propstes Christoph Hinz.
Theo Mechtenberg hat in Magdeburg reiche Spuren seines ökumenischen, sozialethischen und Versöhnung stiftenden Wirkens hinterlassen, die heute nur noch wenigen bekannt sind. Es ist gut, dass der Lothar-Kreyssig-Preis 2017 sie in Erinnerung ruft. Die öffentliche Preisverleihung beginnt am 11. November um 11 Uhr in der Johanniskirche zu Magdeburg.

Von Joachim Garstecki