20.04.2017

Kloster Neuzelle

Neubesiedelung bietet Chancen

Voraussichtlich ab 2018 sollen Zisterzienser aus dem Stift Heiligenkreuz das Kloster Neuzelle neu beleben. Auch die evangelischen Christen vor Ort und die Landespolitik stehen der Idee grundsätzlich positiv gegenüber.


Im vergangenen Sommer besuchten Zisterzienser aus dem Stift Heiligenkreuz in Österreich das Kloster Neuzelle, um sich über die Möglichkeiten einer Neubesiedelung zu informieren. | Foto: Raphael Schmidt

 

Die geplante Wiederbesiedlung des Klosters Neuzelle durch Mönche stößt in der evangelischen Kirchengemeinde des brandenburgischen Ortes auf Zustimmung. Es könne eine Chance zu noch engeren Beziehungen mit der katholischen Kirche bieten, sagte Neuzelles evangelischer Pfarrer Martin Groß auf Anfrage. Seine Gemeinde feiert ihre Gottesdienste in der Kirche zum Heiligen Kreuz, die zur historischen Klosteranlage gehört.
Vor 200 Jahren mussten die Zisterzienser das Kloster bei Frankfurt/Oder verlassen, nachdem Preußen ihre Besitzungen verstaatlicht hatte. Jetzt wird die Anlage von einer Stiftung des Landes Brandenburg verwaltet. Groß betonte, durch eine Rückkehr der Mönche erhielte das Kloster seine ursprüngliche Bestimmung zurück. Mit spirituellen Angeboten könnten die Ordensmänner auch auf die evangelische Kirche ausstrahlen. Zugleich sei es für die Protestanten ein Ansporn, ihr Gemeindeleben noch attraktiver zu gestalten.

Kulturministerin in Heiligenkreuz: Großes Interesse an Neustart
Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD) hat kürzlich das Stift Heiligenkreuz besucht, um offene Fragen wie die Unterbringung der acht Ordensmänner zu klären, die nach Neuzelle kommen sollen. Im Anschluss erklärte Ministeriumssprecher Stephan Breiding, die vor rund 200 Jahren von Preußen verstaatlichte Klosteranlage bei Frankfurt/Oder bleibe im Besitz der landeseigenen Stiftung Stift Neuzelle. Deshalb sei nun zu prüfen, wie das Ordensleben der Zisterzienser mit den anderen Nutzern der früheren Klosterbauten vereinbar sei.
Die Einladung zur Wiederbesiedlung kommt vom Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt, auf dessen Bistumsgebiet Neuzelle liegt. Im November entschied die Abtei, 2018 bis zu acht Mönche nach Neuzelle zu entsenden. Unklar ist vor allem, wo die Ordensmänner wohnen können, da die meisten Gebäude der barocken Klosteranlage bereits von anderen Nutzern belegt sind. Auch über die Finanzierung des Projekts laufen noch Verhandlungen.
Breiding betonte, das Interesse des Landes Brandenburg an einem „Neustart“ sei grundsätzlich groß. So sehe die Landesregierung die geplanten spirituellen Angebote als Bereicherung. Auch Münch hatte das Votum der Heiligenkreuzer Zisterzienser für eine Wiederansiedlung bereits begrüßt. Damit würde der Orden „an eine jahrhundertealte Stiftstradition anknüpfen“, so die Ministerin. So könne er beim 750-jährigen Gründungsjubiläum 2018 zur einer „weiteren nachhaltigen Belebung des Klosterstandortes“ beitragen.
Groß kündigte an, auch der evangelische Gemeindekirchenrat wolle die Abtei im Wienerwald besuchen. Der Pfarrer betonte, die Kontakte mit den Zisterziensern seien bereits sehr herzlich. Auch mit der katholischen Gemeinde in Neuzelle seien sie sehr eng. So feierten beide Gemeinden traditionell gemeinsam Gottesdienste und unternähmen Ausflüge.

Klosteranlage zieht jährlich 120 000 Besucher an
Das Kloster Neuzelle gilt als nördlichstes Beispiel süddeutschen und böhmischen Barocks in Europa. Die Klosteranlage zieht jährlich rund 120 000 Besucher an. Besondere Sehenswürdigkeiten sind zwei Barockkirchen, ein spätgotischer Kreuzgang, ein barocker Klostergarten und das 2015 eröffnete Museum „Himmlisches Theater – Die Neuzeller Passionsdarstellungen vom Heiligen Grab“. Zudem ist die Anlage im Sommer Schauplatz eines Opernfestivals. Mehrere historische Klostergebäude werden von einer Schule in freier Trägerschaft genutzt.