23.02.2017

Sozialkaufhaus der Caritas in Halle

Mittendrin im Leben

Seelsorgerin Monika Lazar versucht im Sozialkaufhaus der Caritas in Halle eine lebendige Verbindung zur Pfarrei St. Franziskus zu sein. Vor allem freitags ist die Gemeindereferentin mit Kaufhauskunden und Mitarbeitern im Gespräch.

Seelsorgerin Monika Lazar (4.v.l.), Diakon Marcel Liebing und Caritas-Sozialarbeiter Leopold Wildenauer mit Teilnehmerinnen des Offenen Treffs. Rechts im Bild der frühere Sozialarbeiter des Caritas-Sozialkaufhauses, Joachim Ernst. | Foto: E. Pohl

Jeweils freitags von 10 bis 12 Uhr bietet das Caritas-Sozialkaufhaus St. Antonius Haus in Halle im Stadtteil Silberhöhe einen Offenen Treff an. „Wir laden die Kunden, die hier Lebensmittel, Kleidung und sogar Möbel kaufen, jede Woche zu Kaffee und Kuchen und zum Gespräch ein“, erzählt Seelsorgerin Monika Lazar. „Wir möchten damit einen Ort anbieten, an dem sich die Menschen ein bisschen aufgefangen fühlen und die Möglichkeit haben, Kontakte zu knüpfen.“ Zudem gebe es immer auch einen Progammpunkt. So wurden schon Entspannungs- und Meditationsübungen probiert, gemeinsam gekocht oder über Märchen gesprochen. Heute wolle zum Beispiel Diakon Marcel Liebing mit den Treffteilnehmern eine Origami-Arbeit versuchen. Und in der nächsten Woche werde die Verbraucherzentrale zum Thema „Lüften, Heizen, Sparen“ informieren.

Außerhalb der Gemeinde Kirche präsent machen
„Vor gut drei Jahren fragte mich der Pfarrer unserer Franziskaner-Pfarrei, Franz-Leo Barden, ob ich mir vorstellen könnte, im Sozialkaufhaus tätig zu sein“, erzählt Frau Lazar. „Wir dürften uns doch als Pfarrei, noch dazu mit Franziskus im Namen, nicht selbst genügen, sondern müssten uns auch für die Menschen außerhalb der Kirche engagieren, begründete er seine Überlegungen. – Für mich bedeutete es in der Folge schon erst einmal ein Umdenken, in dieser Form außerhalb der Gemeinde unterwegs zu sein und zu versuchen, Kirche präsent zu machen“, so die Gemeindereferentin, die im Auftrag des Bistums zudem auch zehn Stunden in der Klinikseelsorge tätig ist.
Wenn Monika Lazar heute Woche für Woche freitags morgens in die Silberhöhe kommt, macht sie ganz selbstverständlich zunächst eine Runde durch das Sozialkaufhaus, begrüßt die Haupt- und die zahlreichen Ehrenamtlichen mit einem aufmunternden Wort, vereinbart mit dem einen oder anderen für den Tag noch ein persönliches Gespräch, organisiert notwendige Materialien für den Offenen Treff. „Ich versuche, Bindeglied zwischen Pfarrgemeinde und den Menschen hier zu sein“, sagt Lazar. „Firmlinge unserer Pfarrei  übernehmen hier Dienste. Ich nehme gespendete Kleidung mit hierher. Kinder unseres Schülertreffs oder unsere Südbläser (Blaskapelle) gestalten die Nikolausfeier, zu der bis zu 50 Eltern mit Kindern ins Sozialkaufhaus kommen. Jedes Jahr laden wir die Haupt- und Ehrenamtlichen zu ihrem Sommerfest auf unser Pfarrgrundstück ein.“
Christine Meding gehört zu den zehn bis 15 regelmäßigen Teilnehmern des wöchentlichen Offenen Treffs im Sozialkaufhaus. „Ich bin dankbar für dieses Angebot. Und ich bin froh darüber, dass man mit den Mitarbeitern hier auch mal was persönlich besprechen kann. Ich treffe mich hier mit meiner Freundin“, sagt Meding.
„Ich bin für die Kaufhaus-Kunden und die Haupt- und Ehrenamtlichen bei privaten Problemen ansprechbar“, erklärt Monika Lazar. „Caritas-Sozialarbeiter Leopold Wildenauer kümmert sich um praktische Anliegen wie Probleme mit Hartz-IV-Bescheiden, Schulden von Klienten oder etwa bei Depressionen.“

Angebot von Caritas und Seelsorge
Wildenauer seinerseits ist dankbar für das personelle Engagement aus dem Seelsorge-Bereich. „Es ist gut für Menschen, wenn sie die Möglichkeit haben, dem praktisch karitativen und dem seelsorglichen Element von Kirche begegnen zu können. Ich erlebe es als sehr erfüllend, zu wissen, dass mein Einsatz als Caritas-Sozialarbeiter durch die seelsorgliche Zuwendung von Frau Lazar ergänzt wird und wir so unserem kirchlichen Auftrag besser gerecht werden können.“
Auch Diakon Liebing ist von dem Projekt angetan. Wenn er künftig als Pfarrer eine Gemeinde leiten wird, will er schauen, was sich davon übernehmen lässt. Wenn der Diakon Anfang Juni zum Priester geweiht wird, will Frau Lazar für interessierte Kaufhaus-Besucher eine Fahrt zum Weihe-Gottesdienst nach Magdeburg organisieren. Denn das Seelsorge-Caritas-Team bietet den Kunden vom Sozialkaufhaus auch mal einen Kino-Besuch oder eben auch eine Fahrt an.

Zur Sache: Viele Angebote unter einem Dach
Nach Angaben der Koordinatorin des St. Antonius Hauses, Heike Angelus, kommen täglich 150 Kunden in das Sozialkaufhaus der Caritas in Halle-Silberhöhe. Sozial Schwache können montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr zu kleinen Preisen Lebensmittel, Kleidung, Möbel und Wohnzubehör erwerben. Gebrauchtmöbel werden bei den Spendern abgeholt. In einer Nähstube können Kleidung und Wohntextilien geändert werden. Täglich besteht Gelegenheit zur Allgemeinen sozialen Beratung. Interessierte sind wöchentlich zum Offenen Treff eingeladen. Hinzu kommen Angebote etwa zum Nikolaustag. Im Haus sind vier Hauptamtliche, zehn Maßnahmeteilnehmer und gut 30 Ehrenamtliche beschäftigt.

Von Eckhard Pohl