27.07.2017

Sommerserie 2017

Mit persönlichem Glaubenstest

Teil 3 der Tag des Herrn-Sommerserie zu Ausflugszielen ist Schloss und Dom Zeitz und vor allem der dort gezeigten Sonderausstellung „Dialog der Konfessionen. Julius Pflug und die Reformation“ gewidmet.


Das Wirken Julius Pflugs wird zunächst schlaglichtartig präsentiert. Aspekte wie Herkunft, Ausbildung, Kontakte, die Auseinandersetzung um seinen Bischofsstuhl und sein Dienst als Bischof und Landesherr werden in eigenen Räumen vertieft. | Fotos: E. Pohl

 

Ein besonderes Ausflugsziel in Mitteldeutschland ist derzeit die 1050-jährige Domstadt Zeitz. Hier und im nur 30 Kilometer entfernten Naumburg wirkte vor knapp 500 Jahren der letzte katholische Bischof des Bistums Naumburg-Zeitz, Julius Pflug (1499–1564). Im 500. Gedenkjahr der Reformation ist ihm und seinem Engagement für den Erhalt der Einheit der Kirche im Zeitzer Schloss Moritzburg, im benachbarten Dom St. Peter und Paul und weiteren Gebäuden eine Ausstellung gewidmet. Da die Schau auch den Bogen ins Heute schlägt, haben sie die Ausstellungsmacher, die Vereinigten Domstifter, „Dialog der Konfessionen. Julius Pflug und die Reformation“ überschrieben. (Tag des Herrn berichtete.)

Zwei Bildschirme bieten Wissenswertes über die Konfessionen. Zwei weitere laden mit Augenzwinkern zum Religionszugehörigkeitstest ein.

Sommer-Ausflug zur Ökumene-Ausstellung
Kürzlich hatten sich 41 katholische Christen der Pfarrei St. Bonifatius in Bernburg bei einem Sommer-Ausflug auf den Weg nach Zeitz gemacht. „Eine wirklich empfehlenswerte Ausstellung“, fanden etwa Marianne (64) und Jürgen Lödige (71) nach dem Ausstellungsbesuch. „Man hat sich viel Mühe gemacht, um die Person Julius Pflugs und sein Anliegen darzustellen und dies auch im Blick auf die heutige Situation in der Ökumene aufzubereiten. Vieles um die Person des letzten Naumburger Bischofs war für uns neu. Es lohnt sich, die Ausstellung zu besuchen!“
Vor allem in den sieben Ausstellungsräumen im Schloss geht es um Herkunft, Leben, europaweite Kontakte und Wirken Pflugs. Der zentrale Raum 7 ist dem „Dialog der Konfessionen“ gewidmet und thematisiert wichtige Aspekte der katholischen und der evangelischen Glaubenspra-
xis wie etwa den Umgang mit den Sakramenten. Im Zentrum steht ein Glaskristall, in den die Besucher hineingehen können: Hier ist per Lautsprecher eine Vision zur Ökumene von Papst Franziskus zu hören. Ehepaar Lödige fiel in dem Raum aber auch eine Tafel mit dem Text des Glaubensbekenntnisses auf: Mittels eines kleinen Hebels kann die Stelle „Ich glaube an die ,katholische‘ Kirche mit „Ich glaube an die ,christliche‘ Kirche“ getauscht werden. Auch den „Konfessiomaten“ –  ein Computer-Bildschirm in einem nachgebauten Beichtstuhl –  empfand das Paar als nette Ausstellungsbereicherung. Hier werden dem Besucher Fragen zu Vorlieben im Blick auf Tiere, Blumen, Reiseziele gestellt. Am Ende wird angezeigt, zu wieviel Prozent man katholisch, jüdisch, buddhistisch ... ist.
Für Antonie Lange (51) ist die Ausstellung der gelungene Versuch, besonders Pflugs Mühen um den Erhalt der Einheit derChristen darzustellen und damit deutlich zu machen, dass es schon damals solche Menschen gab. Frau Lange hatte sich für die Besichtigung einen Audio-Guide ausgeliehen, um per Kopfhörer Informationen zu den Ausstellungsstücken zu bekommen. „Vielleicht wäre für die Gruppe eine kurze, zehnminütige Einführung mit einem gewissen Überblick am Beginn der Ausstellung hilfreich gewesen“, so Lange. Dass besonders die vorwiegend älteren Bernburger Teilnehmer aus Kräftegründen nicht an einer 90-oder gar 120-minütigen Führung, wie sie von den Ausstellungsmachern angeboten werden, interessiert waren, kann sie gut verstehen.
Pfarrer Thomas Fichtner zeigte sich angetan von der Vielzahl der Original-Exponate und auch von der kleinen Zusammenschau zur katholischen und evangelischen Liturgie- und Frömmigkeitspraxis, wie sie in der Ausstellung im Christophorus-Gewölbe des Domes gezeigt wird, das über den Schlosshof und einige Stufen zu erreichen ist. Gegenübergestellt werden zum Beispiel das für die Messfeier und das evangelische Abendmahl notwendige liturgische Gerät. Es geht um die Heiligenverehrung, darum, dass im Gegensatz zu reformierten Territorien im lutherischen Einflussgebiet in der Regel die alten Altäre unbehelligt blieben. Im Dom selbst befindet sich eine Grabplatte und ein Epitaph für den hier bestatteten Bischof Pflug.

Bischof Pflug erhielt für sein Bistum vom Papst per Urkunde die Erlaubnis, die Kommunion in beiderlei Gestalt zu reichen, wie es die Lutheraner praktizieren.

Zahlreiche Orginale zu sehen
Auch Rainer Krziskewitz (75), kirchenhistorisch besonders interessiertes Gemeindemitglied, war von den zahlreichen Original-Exponaten in der Ausstellung und von Pflugs Originalbibliothek im Torhaus des Schlosskomplexes beeindruckt. Allerdings habe er unter den Bibelausgaben deutsche Bibelübersetzungen vor Martin Luther wie etwa die von Anton Koberger  (1483) vermisst, sagte Krziskewitz. Wie der Ausstellungsteil im Schlossgebäude, ist auch die Stiftsbibliothek über einen Fahrstuhl zu erreichen. Hier wurde eigens für die Schau die Studierstube Pflugs nachgebaut, in der der Bischof lebensgroß aus Silikon tatsächlich am Schreibtisch sitzt.
Uwe Hey (59) hatte sich bereits im Vorfeld den Ausstellungskatalog besorgt. Er hoffe, dass sich die Ausstellung besonders viele Menschen aus der Region, vor allem aber Schüler anschauen, damit im Land mehr historisches Selbstbewusstsein wächst, so der kulturhistorisch engagierte Bernburger. Hey wünscht sich, dass 2018 auch an den Beginn des 30-jährigen Krieges vor 400 Jahren als Folge der Reformation mit einer Ausstellung erinnert wird.
Im Anschluss an den Ausstellungsbesuch ließ es sich die Gruppe in der am Schloss befindlichen Gaststätte schmecken. Wer wollte, konnte danach bei einer Führung das unterirdische Zeitz, wo einst viel Bier gelagert wurde, kennenlernen oder sich in der Zeitzer Fußgängerzone ein Eis gönnen. Dort befindet sich auch die ebenfalls in die Pflug-Ausstellung integrierte, gerade erst renovierte evangelische Kirche St. Michael mit ihren wiederentdeckten und restaurierten spätmittelalterlichen Fresken. Einst bestand hier ein Frauenkloster.

Tipps 
Die Ausstellung ist täglich 10 bis 18 Uhr geöffnet. Für Kinder gibt es einen eigenen Audio-Guide-Rundgang. Zur Ausstellung gibt es ein Begleitprogramm.
Zum Schlosskomplex gehört ein schöner, zwölf Hektar großer Schlosspark. Zwischen Zeitz und Leipzig liegt in der landschaftlich schönen Elsteraue das alte Städtchen Pegau, wo Julius Pflug als Kind die Lateinschule besuchte.
2014 erschien im Mitteldeutschen Verlag Halle das kleine Lesebuch „Julius von Pflug. Bischof von Naumburg-Zeitz. Wegbereiter der Versöhnung in der Reformationszeit.“ Es ist wie der Katalog in der Ausstellung zu erwerben.
Mehr Infos: www.reformation-zeitz2017.de; www.zeitz.de

Von Eckhard Pohl