18.05.2017

Gemeinsamkeiten von Bogenschießen und christlichem Glauben

Mit Bibel und Bogen

Bogenschießen und christlicher Glaube haben mehr miteinander zu tun, als es auf den ersten Blick scheint. Das erlebten kürzlich Kinder und Jugendliche aus dem Dekanat Gera.


Einatmen beim Anspannen, Ausatmen beim Schießen – Jugendliche üben sich an Pfeil und Bogen.  Foto: Luise Binder

„Es heißt ja Bogenschießen, also fliegt da jetzt der Bogen weg?“ Die jungen Menschen stehen vor Steffen Kirtzel in einer Reihe und lächeln ihn an. „Natürlich nicht“, beantwortet Kirtzel seine Frage selbst und beginnt damit zu erklären, wie die Teilnehmenden einen Pfeil mit der traditionellen Methode abschießen können.
Jesus war zwar kein Bogenschütze und wer einen Pfeil abschießt, muss auch kein gläubiger Christ sein. Dennoch: Bogenschießen und Glaube haben mehr miteinander zu tun, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Dass wollten auch Steffen Kirtzel und Lutz Kinmayer aus Ostthüringen ihren Kursteilnehmern am ersten Maiwochenende bewusst machen. Zum zweiten Mal veranstaltete die Dekanatsjugendseelsorge Gera den Projekttag „Mit Bibel und Bogen“, dieses Mal auf dem Gelände der Maximilian-Kolbe-Gemeinde in Gera.

Dem Heiligen Ansgar auf der Spur
In diesem Jahr kamen die 13 Kinder und Jugendlichen dabei einem Heiligen auf die Spur. Denn, bevor sie sich selbst mit Pfeil und Bogen ausprobierten, erfuhren sie, wer der heilige Ansgar war. Der Name des frühen Hamburger Bischofs stammt aus dem Germanischen und bedeutet „Pfeil Gottes“. Eine Armrelique Ansgars ist daher im St. Mariendom in Hamburg in einen Köcher gefasst. Ein Foto von diesem Köcher hatte Lutz Kinmayer den Teilnehmenden mitgebracht.
„Jeder Mensch, wir alle, haben einen Auftrag, einen Lebenssinn“, erklärte Kinmayer den Teilnehmenden. Der heilige Ansgar sei so zu einem Menschenfischer geworden, wie Jesus es seinen Jüngern bereits aufgetragen hatte. Als Missionsbischof für Skandinavien verfolgte der heilige Ansgar ganz klare Ziele und traf dabei immer wieder ins Schwarze. So errichtete er zum Beispiel die erste christliche Kirche Schwedens. Das Leben des Heiligen gab den jungen Menschen schließlich Anlass, selbst Ziele ins Auge zu nehmen – ganz praktisch mit Pfeil und Bogen.

Training verändert die Haltung
Nach den ersten Schussversuchen ist schnell klar, die Tipps vom Profi helfen. „Einatmen beim Anspannen und Ausatmen beim Schießen“, sagt der 14-jährige Edward. Und noch ein anderer Hinweis hat ihm schließlich beim Treffen der Zielscheiben geholfen: „Steffen hat mir dann noch erklärt, dass ich die Schulterblätter bis zum Anschlag zurücknehmen muss, das hat sehr geholfen“, so der Jugendliche aus Friesau.
Dekanatsjugendseelsorger Lutz Kinmayer genießt zu sehen, wie sich die Haltung der jungen Leute beim Bogenschießtraining verändert: „Wenn dann selbst die Gekrümmten plötzlich gerade stehen und sich konzentrieren.“  Das Bogenschießen fördere diese innere Ruhe, findet auch Steffen Kirtzel. Der Erlebnispädagoge ist seit etwa zehn Jahren Hobbybogenschütze und gibt seine Erfahrungen gern an die Kinder weiter. „Man muss sich verschiedene Abläufe bewusst machen und um die eigenen Fähigkeiten wissen“, sagt Kirtzel. Obwohl Pfeil und Bogen ursprünglich als Waffe galten, hat das für ihn nichts mit Aggression zu tun, denn gegen Menschen solle sich der Sport schließlich nicht richten. „Dehalb“, sagt Kirtzel schmunzelnd, „deshalb sagen wir am Ende auch nie: Wir treffen uns wieder, sondern: wir sehen uns wieder.“

Von Luise Binder