30.11.2017

Anstoss 48/2017

Mein Adventsrezept

Sind Sie schon im Vorweihnachtsstress? Diese Frage bekam ich vor 14 Tagen beim Friseur gestellt. Da ich – ganz deutsch – immer zur gleichen Zeit in den gleichen Laden gehe, kennt man sich.


Und weil man sich kennt, weiß meine Friseurin, wer ich bin und wo ich arbeite. Also konnte ich die Frage einordnen. Und es kam zu einem guten Gespräch über das, was den Advent so stressig macht und wie jeder von uns damit umgeht.
Die Frage begleitete mich den ganzen Tag. Ist es nicht verrückt, mit welcher Selbstverständlichkeit wir annehmen, dass es vor Weihnachten stressig werden muss?
Tatsächlich gibt es im Advent einiges zu tun. Schließlich geht es um die Vorbereitung eines großen Festes. Insofern würde ich sagen, führen die romantischen Bilder von brennenden Kerzen, dampfenden Glühweintassen und gemütlich drehenden Pyramiden schlicht in die Irre.
Vielleicht laufen wir einfach falschen Bildern hinterher. Und es ist kein Wunder, wenn uns nach einem langen Arbeitstag vor der sich drehenden Pyramide die Augen zufallen und der Glühwein längst kalt ist, wenn wir sie wieder aufmachen, um ihn zu trinken. Und dann ist dieses Jahr alles noch eine Woche kürzer. Können wir gar nichts dagegen tun, dass es stressig wird? Oder kann Vorbereitung auch anders aussehen? Aber wie?
Weihnachten gibt es doch nur, weil Gott die Not des Menschen gesehen hat. Der sich immer mehr verausgabt, der immer mehr um seine Vorstellungen kreist und dabei jedes Maß verliert. Gott kommt zur Welt, um allen, die sich plagen und schwere Lasten zu tragen haben, Ruhe zu verschaffen (Matthäus 11,28).
Kann man sich darauf wirklich vorbereiten, indem man noch einen Gang höher schaltet? Ich schalte runter. Gehe in dieser Zeit nicht ins Kino, nicht ins Restaurant, selten auf den Weihnachtsmarkt oder in Konzerte, nehme mir keine großen Projekte vor und lasse auch mal etwas liegen.
Was ich spare, investiere ich. Vielleicht in einen langen Spaziergang am Nachmittag, einen Abend mit der Heiligen Schrift, einen Backabend mit Freunden, ein stilles Gebet in der Kirche, einmal richtig Ausschlafen oder die eine oder andere Roratemesse in aller Frühe. Letztes Jahr hat es funktioniert. Ich glaube, das Rezept ist gut und klappt auch mit einer Woche weniger.

Pfarrer Marko Dutzschke, Cottbus