09.11.2017

Anbau des Peter-Breuer-Gymnasiums Zwickau eingeweiht

Mehr Raum, mehr Licht

Leichten Herzens verzichten Schüler und Lehrer im Peter-Breuer-Gymnasium Zwickau auf den „Charme der Enge“, der ihre Schule bisher auszeichnete. Mit Bischof Heinrich Timmerevers weihten sie am 3. November einen Anbau ein.


Den sonnigen neuen Speiseraum haben die Schüler bereits freudig in Besitz genommen. | Fotos: Gert Friedrich

 

Das Peter-Breuer-Gymnasium sei eine Hongkong-Schule, sagt ein Insider – es werde auf engstem Raum gearbeitet. Doch jetzt ist das Zwickauer Schulgebäude gewachsen, erst in die Breite, dann in die Höhe.
„Zwickau hat ein neues Wahrzeichen!“ Viele Lehrer, Schüler oder Gäste fragten sich vermutlich, ob sie richtig gehört hatten. Sie saßen am Tag nach Allerseelen im Peter-Breuer-Gymnasium, weil der Anbau eingeweiht wurde. Doch der Schulleiter lobte das Bauwerk weiter in den höchsten Tönen, bis er schließlich zugab, dass er einige Worte von Olaf Scholz aufgegriffen und abgewandelt hatte, aus dessen Rede zur Eröffnung der Hamburger Elbphilharmonie. „Dieser Vergleich sollte dazu dienen, unsere Freude und Dankbarkeit auszudrücken“, so Michael Olbrich.

Archäologie und Finanzen zögerten den Baustart hinaus
Wer das Peter-Breuer-Gymnasium schon länger kennt, kann die Begeisterung verstehen. Der frühere Bischof Heiner Koch sprach von einem „Charme der Enge“, nachdem er das Schulhaus aus der Gründerzeit kennengelernt hatte. Am Morgen und in Pausen drängten sich zum Beispiel im Erdgeschoss einige hundert Schüler durch einen schmalen Gang. Dieser „Tunnel“ ist zum großen Teil aufgebrochen worden. Nach den Eingangstreppen erwartet den Besucher ein geräumiges Foyer mit Hochtischen und Sitzgelegenheiten. Ein neuer Unterrichtsraum schließt sich an.
Auf dem Dach des Anbaus befinden sich eine Terrasse und das Labor für Bio und Chemie. Ganz unten, im Kellergeschoss, können jetzt 150 Schüler essen. „Der Speisesaal ist wesentlich größer und heller als der alte. Wir von der Oberstufe sind auch deshalb froh über den Platz, weil wir hier Freistunden überbrücken können“, sagt Zwölftklässler Markus Mokk.
Die großen Fenster lassen viel Sonnenlicht in die neuen, freundlichen Räume, aber auch ins alte Gemäuer. Mehr Raum, mehr Licht – Michael Olbrich empfindet das als befreiend.
Hinzu kommt Erleichterung, weil der Fahrplan eingehalten wurde. „Der Hochgeschwindigkeitsbau“ – unter diesem Titel zeigte bei der Einweihungsfeier ein Film im Super-Zeitraffer-Tempo, wie der Anbau innerhalb von elf Monaten anscheinend aus dem Boden geschossen ist. Bei laufendem Schulbetrieb. Trotzdem meint Jason Hiestermann: „Es hat ganz schön lange gedauert. Seit der achten Klasse konnten wir den Schulhof nicht benutzen.“ Jetzt ist er in der elften.
Tatsächlich wurde die Baugrube bereits vor drei Jahren ausgehoben. Und tatsächlich wurden zunächst bei Ausgrabungen 56 Gebeine gefunden, weil das christliche Gymnasium auf dem Gelände des früheren Margaretenfriedhofs steht. Doch der Baustart war auch noch offen, als die Archäologen längst über alle Berge waren. Er kam erst in Sicht, als die Finanzierung geklärt war: Im Frühjahr 2016 entschied der Zwickauer Stadtrat, dass die Schule zwei Millionen Euro aus dem Programm „Brücken in die Zukunft“ erhält. Das Bistum bezahlte den Eigenanteil von einer Million.

Der Anbau fügt sich an das historische Backsteingebäude an.

Schüler sollen lernen: sich einbringen macht glücklich
„Über eines bin ich froh“, begann Bischof Heinrich Timmerevers sein Grußwort, „dass es hier nicht so teuer geworden ist wie in Hamburg.“ Das Projekt, zum dem auch Umbau und Sanierung von 560 Quadratmetern Altbau gehörten, ist im Kostenrahmen geblieben. Das Geld, das in Hamburg verbaut wurde, hätte er gern für noch mehr katholische Schulen verwendet, nahm Heinrich Timmerevers den Ball nochmal auf.
Um zu erklären, warum der Kirche Schulen wichtig sind, hatte er auf ein Melanchthon-Zitat zurückgegriffen: „für die Städte sind keine Bollwerke oder Mauern zuverlässigere Schutzwälle als Bürger, die sich durch Bildung, Klugheit und andere gute Eigenschaften auszeichnen.“ Katholische Schule stehe dafür, dass sie neben Bildung und Klugheit auch gute Eigenschaften entwickeln will, sagte Heinrich Timmerevers.
Und als eine gute Eigenschaft hatte er zuvor diese genannt: „Baustelle Schule heißt auch, daran zu arbeiten, dass es glücklich macht, zu geben, sich zu schenken, sich einzubringen.“

Von Gert Friedrich