08.09.2017

Anfrage

Müssen alle Päpste in Rom bestattet werden?

Dürfen verstorbene Päpste auch in ihrem Heimatland bestattet werden oder muss das in Rom geschehen? W.K., Berlin


Die große Mehrheit der bislang 264 verstorbenen Päpste ist in Rom begraben – die meisten im Petersdom, andere etwa in St. Paul vor den Mauern, in der Lateranbasilika oder in Santa Maria Maggiore. Aber nicht alle Päpste ruhen in Rom. Schon daran erkennt man: Es gibt keine kirchenrechtliche Pflicht für einen Papst, sich in Rom oder gar in der Peterskirche beisetzen zu lassen. Aber es gibt offenbar den großen Wunsch dazu. 

Schaut man danach, wer warum nicht in Rom bestattet ist, erkennt man vor allem äußere Gründe. So starb Hadrian III. 885 auf der Reise zum Reichstag in Worms und wurde in der Abtei Nonantola bei Modena beigesetzt. Stephan IX. starb 1058 in Florenz während der Planung eines Feldzugs gegen die Normannen und ist dort bestattet. Andere wurden vertrieben oder verbannt, wie etwa die „Avignon-Päpste“ des 14. Jahrhunderts, die an verschiedenen Orten in Frankreich beigesetzt sind.

Eine Besonderheit ist Papst Clemens II., ein deutscher Papst, der zuvor Bischof von Bamberg war. Als er 1046 zum Papst gewählt wurde, behielt er als erster Papst in der Geschichte sein Bistum bei, was ihn materiell von den römischen Einkünften unabhängig machte. Auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin wurde er im Dom zu Bamberg begraben; sein Grab ist das einzige erhaltene Papstgrab nördlich der Alpen.

Eher kurios ist die Bestattung von Papst Viktor II., ebenfalls ein Deutscher. Er starb 1057 bei einer Synode in Arezzo. Als seine Anhänger den Leichnam an dessen früheren Bischofssitz Eichstätt überführen wollten, wurde er beim Rücktransport von Bewohnern der Stadt Ravenna entwendet und in Ravenna beigesetzt.

Insgesamt gilt aber: Bischöfe wollen in der Regel in ihrem Bistum beigesetzt werden, auch der Papst als Bischof von Rom. So sind seit Papst Nikolaus V. (gest. 1455) alle Päpste in Rom beerdigt, seit Papst Pius X. (gest. 1914) alle im Petersdom. Und auch das nächste Papstgrab ist dort schon vorbereitet.

Von Susanne Haverkamp