Letzte Worte

Luise Binder aus Leipzig war ein knappes Jahr Freiwillige der Kolpingjugend-Gemeinschaftsdienste in Tansania. Regelmäßig hat sie an dieser Stelle von dort berichtet. Heute schreibt sie über ihren Abschied:

Beinahe erquetscht von der Euphorie der Mwandu-Schüler.

Wie schnell vergehen zehn Monate? Und wie schnell vergeht eine Woche? Ich kann für meinen Fall da nur eine Antwort geben: Rasend. Im letzten Jahr flog ich in ein fremdes Land mit einer Tasche voll Zeit und nun staune ich, dass mein Leben in Tansania schon vorbei ist.
Dennoch habe ich meine letzte Woche in Iguguno genießen können. Es ließ sich nicht vermeiden, dass es Tage des Abschiedes wurden und einem dies nicht immer leicht fällt. Ich bemerkte jedoch erstaunt, wie ruhig ich war, auch wenn mir meine Schüler mit Tränen in den Augen sagten, sie würden mich vermissen oder wenn mein kleiner Gastbruder zum zigsten Mal sagte „Geh nicht!“.
Das alles berührte mich zutiefst und dennoch war für mich klar zu spüren, dass das alles jetzt so richtig war. Auch die Abschiedsfeiern in der Krankenstation und in der Schule waren so von feierlicher Freude begleitet, dass ich mehr gelacht, als geweint habe. Die Tansanier verstehen es mit Tanz und Gesang einen Menschen zu verabschieden, so dass er sich vor allem an diese Momente der Freude, des Spaßes und des Lachens erinnert. Als ich mich mit einem Lied von den Schülern verabschiedete, trafen meine Blicke immer wieder die Blicke der Mädchen und Jungen aus  Klasse 6 und 7. Da habe ich schlucken müssen. Ich weiß, ich werde irgendwann wieder mein tansanisches Dorf besuchen, doch ob ich meine Schüler dann alle wiedersehen werde? Das ist mehr als unwahrscheinlich, da viele nun mit dem Schulwechsel einen anderen Ort aufsuchen werden oder gar keine Schule weiter besuchen werden. Bei dem Gedanken wurde mir doch sehr mulmig.
Am Ende der Woche stand der Abschied von der Familie bevor und Tansanier wären nicht Tansanier, wenn sie nicht bis zuletzt einwenig ruppig und befehlsgewohnt sind. So reagierte meine Gast-„Mama“, als sie mich in den Arm nahm und mir die Tränen in die Augen stiegen. Sie sah mich an und bemerkte bestimmt: „Du weinst jetzt nicht!“ Ertappt schluckte ich meine Tränen hinunter und lachte. Schließlich hat eine afrikanische Mama immer das letzte Wort!
Luise Binder
Mehr im Internet: www.luise-in-tansania.blogspot.com