16.03.2016

Serie zur Fastenzeit: Die heilige Klara von Assisi und die Klarissen in Bautzen

Lebensprojekt Jesus

Bautzen. Danksagung ist ein wesentliches Merkmal der Spiritualität der Schwestern, die sich die heilige Klara von Assisi zum Vorbild nehmen. Ein Gespräch mit  Schwester Maria Clara vom  Klarissenkloster Bautzen.

Schwester Maria Clara leitet als Äbtissin den Konvent der Klarissen in Bautzen. Im Hintergrund ein Bild, das die heilige Klara von Asissi zeigt. Gemalt wurde es 1926 von Prinzessin Mathilde von Sachsen für das neue Anbetungskloster in Bautzen. Foto: Holger Jakobi

Die heilige Klara von Assisi ist eine Frau, die alles auf eine Karte – auf Jesus – setzt“, so Schwester Maria Clara Faltermaier, die Äbtissin des Klosters der Klarissen von der Ewigen Anbetung in Bautzen.  „Klara will das Evangelium leben, Jesus nachfolgen. Das ist bis heute aktuell. Jesus ist ihr Lebensprojekt.“ Dabei wurde Franziskus von Assisi für sie zum Vorbild. Wie Franziskus wendet sich Klara dem arm gewordenen Jesus zu. Beide verstehen die Armut nicht allein in materieller Hinsicht, sondern als eine Haltung des Empfangens und der Dankbarkeit. Arm sein, das heißt bei Klara, sich selbst zu erkennen, ihr Leben an Gott auszurichten und nicht nach dem Höher, Schneller und Weiter zu streben. Gott hat sich in Betlehem klein gemacht, um den Menschen nahe zu sein. Dies bleibt eine Anfrage an den Menschen. Schwester Maria Clara zitiert dabei den großen schlesischen Mystiker Angelus Silesius. Dieser schrieb: „Mach‘s wie Gott, werde Mensch!“

Anbetung heißt in Bautzen Dankbarkeit
Schwester Maria Clara gehörte zuerst zu den Franziskanerinnen. Nach der Jahrtausendwende wechselte sie zu den Klarissen nach Bautzen. „Es war ein Übertritt innerhalb der franziskanischen Familie. Gott wollte, dass ich hier ganz für ihn da bin“, sagt sie. Spirituell richtet sich der kleine Konvent an der Anbetung Gottes aus. Dabei ist für die Schwestern die Dankbarkeit gegenüber Gott genauso wichtig, wie  für Klara Bouilleveaux, die 1854 diesen Ordenszweig gründete. Klara Bouilleveaux hatte die zwölf Aussätzigen des Evangeliums vor Augen, die von Jesus geheilt wurden. Nur einer von ihnen war dankbar. So danken die  Klarissen stellvertretend für alle, bei denen Dankbarkeit keine Rolle spielt.

Ein Netzwerk verbindet Menschen im Gebet
„Unsere Spiritualität ist jedoch nicht in sich abgeschlossen, sie führt uns zu den Menschen. Wir leben eine grundsätzliche Offenheit, wer kommt, ist willkommen.“ Die Klausur bleibt wichtig, doch das Kloster hat genügend offene Bereiche. So beispielweise den Franziskusgarten, der 2013 angelegt wurde. Zudem gibt es das Netzwerk Eucharistie. In ihm sind zirka 600 Frauen und Männer aus zwölf Ländern mit den Bautzner Schwestern verbunden. Für Menschen, die keinen Zugang zur Eucharistie haben (die mit der Eucharistie nichts anzufangen wissen), gibt es als ökumenische Gebetsgemeinschaft das Netzwerk Danksagung.
Die heilige Klara – Chiara di Favarone – kam um das Jahr 1194 in der umbrischen Stadt Assisi (Italien) als älteste Tochter des Grafen di Favarone und seiner ebenfalls adligen Frau Ortolana zur Welt. In der Begegnung mit dem heiligen Franzikus entschloss sie sich für ein Leben für und mit Gott. Am Palmsonntag, dem 18. März 1212, gab der Bischof im Dom von Assisi Klara einen Palmzweig als Zeichen seiner Zustimmung zu ihrer Entscheidung.  Viele Frauen folgten Klara, darunter die heilige Agnes von Prag. Klara hinterließ einige Briefe, eine Regel und ein Testament für ihre Gemeinschaft. Am 11. August 1253 – im Heiligenkalender ihr Festtag – ist sie in St. Damiano gestorben. Erst kurz zuvor hatte Papst Innozenz IV. ihre Regel für die Schwestern bestätigt. Eine Anerkennung Klaras als Gründerin des Zweiten Ordens der Franziskaner erfolgte 1912 durch Papst Pius X..

Hintergrund
In dem Augenblick, als Klara von Assisi sich auf die Fußspuren des armen Jesus Christus einließ und ihm zu folgen begann, nahm der Orden der Klarissen seinen Anfang. Die in Bautzen lebenden Schwestern gehören zum Orden der Klarissen von der Ewigen Anbetung, der am 8. Dezember 1854 von  Klara Bouilleveaux (1820 bis 1871) in Paris gegründet wurde. Damals nannten sich die Frauen noch Franziskanerinnen vom Allerheiligsten Sakrament, was sich nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil änderte. Über Lemberg und Wien kamen die Schwestern 1925 nach Bautzen. 1995/96 wurde das Kloster baulich saniert. Der Außenbereich des Klosters ist mit dem Birnbaum der heiligen Klara, der San Damiano-Grotte und dem Franziskusgarten so gestaltet, dass sich einzelne und Gruppen an diesem Ort der Stille aufhalten können und mit der Spiritualität in Berührung kommen.

Übungen zur Spiritualität
Schwester Maria Clara lädt dazu ein, sich wie die heilige Klara von Asissi am Evangelium auszurichten, es zu leben. „Nehmen Sie das Wort Gottes mit in den Tag. Antworten Sie wie Klara  auf die Liebe Gottes, indem Sie ihn an die erste Stelle setzen.“ Eine Möglichkeit dazu sei die Anbetung, die vor dem ausgesetzten Allerheiligsten, aber auch sonst in jedem Augenblick geschehen kann. Anbetung als Lob Gottes, als Danksagung für seine Güte. „Anbetung“, so Schwester Maria Clara, ist ein dauerndes sich auf Gott ausrichten, sich in seiner Gegenwart zu wissen. Mit der Zeit wird diese Sicht immer klarer. Es geht um das Gegenwärtigsein, um die Präsenz Gottes. Christen können Gott so wie Mose, der ihn im brennenden Dornbusch fand, erfahren, als den Ich-bin-da. Sie können so loslassen, sich neu in die Mitte stellen, sich im Urgrund festmachen.

Von Holger Jakobi