13.02.2014

Anstoß 7/ 2014

Latsch sucht Bommel

Am Freitag fand in Cottbus ein Segnungsgottesdienst für Menschen, die partnerschaftlich unterwegs sind, statt. Viele Kirchen bieten solche Gottesdienste zum Valentinstag an.

Was den heiligen Valentin zum Experten in Liebesangelegenheiten macht, ist heute kaum noch auszumachen. Religionsgeschichtlich dürfte der Tag mit einem antiken Fest zu Ehren der Göttin Juno zusammenhängen. Am 14. Februar gedachte man der Schützerin von Ehe und Familie und beschenkte die Frauen mit Blumen. Offenbar wusste man bereits in der Antike, dass Ehe und Familie in besonderer Weise göttlichen Beistand brauchen.

Erwartungsgemäß lassen sich Jugendliche von solchen Gottesdiensten kaum hinter dem Ofen hervorlocken. Junge Menschen sind eher auf einer der vielen Singlepartys zum Valentinstag zu finden. Ich kann mich noch gut an ein Plakat erinnern, das unter dem verheißungsvollen Titel „Latsch sucht Bommel“ zu so einer Party eingeladen hat. Wenn zwei wie Latsch und Bommel zusammen passen, heißt das, die beiden sind unzertrennlich. Genau danach scheinen sich immer mehr Menschen, ob jung oder alt, vergeblich zu sehnen. Was läuft da eigentlich schief, warum schaffen es Latsch und Bommel nicht mehr, beieinander zu bleiben?

Sich in solchen Fragen aber an die Kirche zu wenden, kommt auch für immer mehr Christen nicht in Frage. Zum Thema „Liebe“ hat ihnen die Kirche nichts zu sagen. Im Gegenteil, viele glauben, sie mache den Menschen das Leben unnötig schwer, weil sie die Messlatte viel zu hoch anlegt. Das bestätigen auch die Ergebnisse der jüngsten Umfrage, die Papst Franziskus in Auftrag gegeben hat. Mit der Kirche verbinden die Menschen alte Männer, die, obwohl sie nicht geheiratet haben, anderen kluge Ratschläge geben wollen. Zu oft hat sie versucht, normierend in das Leben der Menschen einzugreifen. Das fällt ihr jetzt auf die Füße.

Aber Kirche ist mehr. Kirche sind Männer und Frauen, die in Beziehungen leben, in denen sie glücklich sind oder aushalten, an denen sie arbeiten und manchmal auch scheitern. Kirche sind 2000 Jahre Erfahrungen mit dem Versuch, Gemeinschaft nach dem Vorbild Jesu zu leben. Darum ist der Kirche nichts Menschliches fremd und deshalb hat sie auch heute noch etwas zum Thema zu sagen. Und sie tut es wohl am besten, indem sie immer wieder vom Beispiel Jesu ausgeht. Im Johannesevangelium stellt Jesus dem Petrus dreimal die Frage: „Liebst du mich?“ (Joh 21,15-17) Jesus hat seine Liebe am Kreuz unter Beweis gestellt. Petrus ist diesen Beweis schuldig geblieben.

Das scheint mir der wichtigste Beitrag des Glaubens zum Thema „Liebe“ zu sein. Menschen haben Angst, einen Fehler zu machen: Wie kann ich mir meiner Liebe sicher sein? Woher weiß ich, dass wir auch Morgen noch zueinander passen? Unsicherheit stellt sich wie eine Mauer zwischen Menschen. Clemens von Brentano hat einmal gesagt: „Die Liebe allein versteht das Geheimnis, andere zu beschenken und dabei selbst reich zu werden.“ Jesus hat dieses Geheimnis enthüllt. Es heißt, sich ohne Wenn und Aber zu verschenken. Ich glaube, dass so auch heute noch Latsch und Bommel zueinander finden können, um beieinander zu bleiben.

Pfarrer Marko Dutzschke, Cottbus