13.04.2017

St. Marien in Ebeleben beherbergt ungewöhnlichen Kreuzweg

Kreuzweg mit Zirkusleuten

Die schlichte Kirche St. Marien in Ebeleben beherbergt einen Kreuzweg, der unter anderem an die Lebenswelt von Artisten erinnert. Geschaffen hat ihn der Maler Horst Bark, der in Bad Sulza lebte.


Die 15. Station: Die Gemeinde feiert die Auferstehung.


Maria hält ihren toten Sohn, er wird ins Grab getragen. Im Hintergrund die alte Mauer des Zisterzienserinnenklosters, das sich in der Nähe befand. Rechts im Bild ein Zirkuszelt, drinnen findet eine Aufführung, ein Fest statt. „Der Maler Horst Bark möchte damit auf das Fest im Himmel hinweisen, das wir Christen erwarten dürfen“, erklärt Pfarrer im Ruhestand Otto Thonhofer, der in Ebeleben zu Hause ist. „Wenn sie einmal erleben können, wie es aussieht, wenn ein Zirkuszelt aufgebaut wird, welches Durcheinander da herrscht, da werden Sie staunen, das da noch ein richtiges Zelt wird. So steht das festliche Zirkuszelt für die Hoffnung, dass Gott aus den Bruchstücken unseres Lebens noch etwas Großes machen kann.“

Die weinenden Frauen begegnen Jesus. Rechts ein Zirkuswagen.

Hans Bark – 1928 in Marl (Westfalen) geboren und in Ostpreußen aufgewachsen – wurde schon früh mit persönlich erfahrenem Leid konfrontiert. Ende des Zweiten Weltkrieges verlor er seine Eltern und musste sich als „Wolfskind“ durchschlagen. „Das damals Erlittene hat ihn nie losgelassen. Es schlägt sich im Kreuzweg dadurch nieder, dass die Bilder doch sehr dunkel gehalten sind.“ Später war Bark als Werbegrafiker tätig. Seine Bilder malte er ausschließlich in der kleinen Form. Dem christlichen Glauben stand er offen gegenüber, in einer Kirche war er nicht.
Pfarrer Otto Thonhofer hatte Bark über seine Zirkusbilder kennengelernt. In Gesprächen zeigte sich schnell, dass er ihm den Kreuzweg zutraute. „Damals gab ich ihm zwei Dinge mit, ein Gebetbuch mit den Kreuzwegstationen und ein Neues Testament zum Nachlesen. Und ich hatte den Wunsch nach einer 15. Station. Von da an hatte ich mich zurückgehalten und die Bilder erst gesehen, als ich sie abholte.“
Entstanden ist eine Passion, die für die katholische Gemeinde von St. Marien zu einem Glaubens- und Lebensweg geworden ist. „Unsere Menschen finden sich wieder. Schauen Sie zum Beispiel hier, die Silos der Futtermittelfabrik. In der DDR war das eine richtige Dreckschleuder. Überall der dicke Staub. Die Menschen wurden krank. Dieses Leid hat hier seinen Platz gefunden.“
Wichtig war Pfarrer Thonhofer, der am 20. Mai 1937 im mährischen Iglau geboren wurde, dass die Welt der Zirkusleute ihre Entsprechung findet. Jahrzehntelang war er ihr Seelsorger. So hat Horst Bark sich für die Station der weinenden Frauen entschieden. „Es ist die Stärke dieser Frauen, deren Wohnort ein Zirkuswagen ist, dass sie echte Anteilnahme zeigten. Nicht Mitleid, sonder gelebtes Mitgefühl. Sie stehen einander bei in Not und Leid.“  In einem Begleitheft, verfasst von Pfarrer Dieter Lang, Frieda Wohlhüter und Alexander Terre, steht dazu folgende kleine Überlegung: „Kann ich Anteil nehmen am Leid der anderen oder bin ich Gefangener meines eigenen Leides? Stehen wir einander bei, stehen wir im Leid zueinander, dann wird das Kreuz Symbol der Hoffnung und des Trostes.“
In der gewünschten 15. Station die Ebelebener katholische Kirche zu sehen. Pfarrer Otto Thonhofer zieht an der Spitze seiner Gemeinde zum Gottesdienst ein. „Es ist ein Auferstehungsbild. Feiern wir doch Ostern an jedem Sonntag im Jahr.“ Nur warum trägt der Pfarrer einen evangelischen Talar? Otto Thonhofer schmunzelt. „Der Maler kannte nur evangelische Pfarrer, wie ein katholischer im Gottesdienst bekleidet ist, wusste er nicht.“

Von Holger Jakobi