11.05.2017

Benno-Ausstellung in der Meißner Albrechtsburg

Kontrapunkt im Jubiläumsjahr

„Mit dem heiligen Benno setzen wir einen spannenden neuen Akzent im stark auf Luther und den Protestantismus fokussierten Reformationsgedenkjahr“, sagt der Schlossleiter der Meißner Albrechtsburg, Uwe Michel. Ab 12. Mai öffnet dort die Benno-Ausstellung „Ein Schatz nicht von Gold“.


Schlossleiter Uwe Michel und Kuratorin Claudia Kunde am Eingang der Benno-Ausstellung. Foto: Dorothee Wanzek


In gewisser Weise sei die Meißner Benno-Ausstellung „der Stein im Schuh des Gedenkjahres“, findet Kuratorin Claudia Kunde. Auf konfessionelle Befindlichkeiten sei man bei den Vorbereitungen für die Benno-Ausstellung immer wieder gestoßen, pflichtet ihr Uwe Michel bei, der Hausherr der Albrechtsburg. Auch wenn  die Wunden, die der Konfessionsstreit rund um die Heiligsprechung Bennos von Meißen geschlagen habe, „natürlich längst verheilt“ seien.
Martin Luthers 1524 veröffentlichte Streitschrift „Wider den neuen Abgott und alten Teufel, der zu Meißen soll erhoben werden“ richtete sich gegen die Heiligsprechung Bennos und verschärfte die Auseinandersetzung über die Anrufung von Heiligen als Fürbitter. Das mit Ablass-Geldern finanzierte Benno-Grabmahl im Meißner Dom, die Zerstörung des Grabmahls durch Protestanten, die heiligenähnliche Verehrung des Reformators Martin Luthers – keines dieser Reizthemen wird auf der 400 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche ausgespart, allerdings ohne neuen Zündstoff zu bieten. „Wir präsentieren all dies mit einem charmanten, freundlichen Lächeln, zuweilen auch mit Augenzwinkern“, sagt die Kuratorin.
Nicht nur an Christen, die mit der Reformationsgeschichte bereits mehr oder weniger vertraut sind, wendet sich die Ausstellung. Sie ist so aufbereitet, dass ein Besuch für jeden kulturhistorisch Interessierten ein Gewinn sein dürfte. Am Eingang sind die Gäste eingeladen, über ihren eigenen Zugang zum Thema nachzudenken: Was halten Sie vom Glauben? Ist Ihnen schon einmal ein Wunder begegnet? Was sind für Sie die Schätze der Kirche? Kennen Sie Heilige? In einer Video-Endlosschleife antworten darauf Passanten des jüngsten Katholikentages und eines kirchlichen Großereignisses in München.

Erstmalig seien für die Ausstellung Reliquien aus fast allen für Benno von Meißen relevanten Orte vereint worden, freut sich Uwe Michel: Die Mitra aus der Dresdner Kathedrale, Krummstab und Silberbüste aus München, ein Reliquienschrein mit Rippenpartikeln aus der Bautzner Domschatzkammer und eine Reliquie aus der Meißner St.-Benno-Kirche, dazu wertvolle Dokumente wie die Heiligsprechungsurkunde Bennos oder eine Ablassurkunde für den Besuch des Bennograbes aus dem 13. Jahrhundert. Ein Herzstück der Ausstellung ist zudem Carlo Saracenis Gemälde von Bennos Fischwunder aus der römischen Kirche Santa Maria dell‘ Anima.
Claudia Kunde, die zuvor bereits eine Ausstellung über Thilo von Trotha in Merseburg kuratiert hatte, fand es besonders faszinierend, zu Benno von Meißen so viele aktuelle Bezüge zu finden. „Benno lebt!“, sagt die Kunsthistorikerin. In der Ausstellung schlägt sie den Bogen zu Menschen von heute, die den heiligen Benno als besonderen Schatz verstehen: Katholiken aus dem Bistum Dresden-Meißen, insbesondere die Sorben, Kirchengemeinden, die Benno zum Schutzpatron gewählt haben, Institutionen, die wie das Dresdner St.-Benno-Gymnasium oder der Leipziger St.-Benno-Verlag seinen Namen tragen.
„Mir ist der heilige Benno noch sympathischer geworden, seit wir die Ausstellung hier vorbereiten“, verrät Schlossleiter Uwe Michel. Auf seinem Arbeitsweg zum Schloss kommt er häufig an einem Meißner Schaufenster vorbei, dass mit einer Benno-Holzplastik dekoriert ist. „Seit geraumer Zeit grüßen wir uns“, erzählt Michel schmunzelnd.

Öffnungszeiten täglich von 10 bis 18 Uhr. Mehr

Von Dorothee Wanzek