09.11.2017

Anstoss 45/2017

Kleine Zeichen erhalten die Freundschaft

Neben der Familie, die mir lieb und wertvoll ist, habe ich auch einige sehr gute Freunde. Solche Freunde sind ein Geschenk.


Und ich kann die Aussage des Alten Testamentes aus Jesus Sirach 5, 14 nur bestätigen: „Das Leben ist geborgen bei einem treuen Freund. Wer einen solchen findet, hat einen Schatz gefunden. Für einen treuen Freund gibt es keinen Preis, nichts wiegt seinen Wert auf.“ Meinen besten Freund kenne ich seit der Schulzeit. Auch wenn wir uns nur selten sehen, ist es doch immer wieder schön, voneinander zu hören und sich gelegentlich zu treffen. Solche Begegnungen erhalten die Freundschaft.
Jede Freundschaft muss gepflegt werden. Doch weiß ich, dass es nicht um das materielle, sondern um menschliche Geschenke geht. Freundschaften brauchen kleine Zeichen der Verbundenheit und Wertschätzung. Das alles nennen wir auch Treue. Das kann ein Anruf sein, eine Karte aus dem Urlaub und vor allem das Geschenk der Zeit, womit ich deutlich mache: Du bist mir wertvoll und ich bin für dich da, mag kommen was da will – wenn du mich brauchst, bin ich für dich da, ohne großes Aufheben und große Worte. Ich pflege die Freundschaft, nicht nur am Geburtstag oder zu Weihnachten, sondern zwischendurch – kleine Zeichen der Verbundenheit halten die Freundschaft frisch und lebendig.
Was für den zwischenmenschlichen Bereich gilt, gilt auch für die Freundschaft mit Gott. Auch hier gilt für mich die Aussage: Kleine Zeichen erhalten die Freundschaft: Man kann eine Kirche besuchen, auch mal zwischendurch, oder eine Kerze entzünden oder einfach an ihn denken, ihn bitten und ihm danken. Es muss nicht immer der große Festgottesdienst sein oder das große Gebet, es kann auch die Alltagsmesse und das kleine Gebet sein oder das Stoßgebet.
Das Gebet ist eine Weise, meine Freundschaft mit Gott lebendig zu halten. So drückt es auch die heilige Teresa von Avila aus wenn sie sagt: „Das Gebet ist wie das Sprechen mit einem Freund, mit dem ich gerne zusammenkomme, um bei ihm zu sein. Dazu braucht es keine großen körperliche Kräfte  und Anstrengungen, es reicht einfach aus, da zu sein und ihn zu lieben.“

P. Josef kleine Bornhorst, Dominikanerkloster Leipzig