18.05.2017

Katholikenrat im Bistum Magdeburg

Kirche verantwortlich mitgestalten

Angesichts der gegenwärtigen Veränderungen in der Kirche hat sich der Katholikenrat auf seiner Vollversammlung mit der Frage der Synodalität der Kirche beschäftigt. „Kirche ertragen oder mitgestalten?“ hieß das Thema.


Grußwort von Ministerpräsident Haseloff an den Katholikenrat.  Foto: Matthias Holluba

Dorothea Sattler hatte wohl ihre Schwierigkeiten mit dem Thema der Vollversammlung des Katholikenrates, zu dem sie das Referat halten sollte: „Kirche ertragen oder mitgestalten?“ Das ist für die Münsteraner Theologin keine Alternative. „Beides wird sein müssen.“ Wesentlich für sie ist aber, dass der einzelne Christ seine Verantwortung für die Kirche aufgrund von Taufe und Firmung wahrnimmt: „Synodalität leben – verantwortlich Kirche sein“ hatte sie deshalb ihren Vortrag überschrieben.
Synodalität bedeutet das Zusammenwirken der verschiedenen Bereiche der Kirche oder wie Johannes Chrysostomos sagt: „das gemeinsame Gehen der Herde Gottes auf den Wegen der Geschichte zur Begegnung mit Christus dem Herrn“. Der Katholikenrat hatte sich das Thema für seine Vollversammlung gegeben, weil das Zentralkomitee der deutschen Katholiken im vorigen Herbst  ein „Votum für eine synodale Kirche“ beschlossen hatte. Sattler erläuterte nun in ihrem Vortrag, warum Synodalität ein „Grundprinzip kirchlichen Handelns“ sei. Die Kirche heute sei plural und komplex. „Wir sitzen in Buntheit zusammen.“ Diese Vielfalt drücke sich beispielsweise in verschiedenen Antworten auf die Frage nach einem selbstbestimmten Lebensende, dem Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen oder dem Sonntagsschutz aus. „Die Vielfalt kann ein Reichtum sein, wenn es eine Mitte gibt“, so Sattler. In der katholischen Kirche seien synodale Beratungen seit dem letzten Konzil zu einem „bewährten Prinzip der Entscheidungsfindung“ geworden. „Es entscheiden nicht Mehrheiten, sondern die gemeinsame Beratung bringt die Erkenntnis näher.“ Allerdings werde im römisch-katholischen Verständnis von Kirche das Prinzip der Synodalität durch die Stellung des Bischofs als Letztverantwortlichem in seiner Ortskirche begrenzt. Dennoch gebe es eine Reihe von synodalen Möglichkeiten und Handlungsspielräumen.
Die Katholikenratsmitglieder diskutierten anschließend Thesen zum Thema. Zwei Thesen erwiesen sich aus ihrer Sicht dabei für das Bistum als besonders relevant: „Laien sollen Gemeinden leiten. Aber wenn es kracht? Wer entscheidet im Konfliktfall? Welche rechtlichen Normen sind notwendig?“ Und: „Synodalität bedeutet, einen Weg zusammen zu gehen. Wie passen Laien und Priester, Ehren- und Hauptamtliche zusammen?“  An diesen Themen soll mit Blick auf die Situation im Bistum weitergearbeitet werden.
Die Gemeindeentwicklung im Bistum werde Thema der nächsten Vollversammlung werden, informierte Katholikenrats-Vorsitzender Dagobert Glanz. Es zeige sich, dass es dafür keine Blaupause gibt, sondern dass immer die speziellen Bedingungen vor Ort in den Blick genommen werden müssen. Außerdem gebe es Informationsbedarf bezüglich der  im Bistum laufenden oder angedachten Modelle von Gemeindeleitung.

Von Matthias Holluba