29.11.2011

Kicken vor dem Regen

Luise Binder (18) aus Leipzig ist seit September Freiwillige der Kolpingjugend-Gemeinschaftsdienste in Tansania. Was sie dort erlebt, darüber berichtet sie hier regelmäßig. Heute: allabendliches Fußballritual.

Ein riesiger Platz. Staubig. Uneben. Rot. Verlassen.  Doch am frühen Abend ändert sich das Bild des Bolzplatzes von Iguguno: Auf dem Platz kicken die Trikottragenden Spieler zweier Mannschaften, dass sich der Staub um ihre Körper erhebt und senkt und regelrecht zum Leben erwacht. Vor allem Kopfschüsse sind beliebt und werden häufig  zur Ballbewegung benutzt. Am Rande sitzen vor allem Männer, die zuckerrohrkauend ihre Kommentare, Tipps und Stimmungen in voller Lautstärke zum Besten geben. Und mittendrin zwei deutsche Mädchen, die ihre zarten Stimmen erst dann erheben, wenn einer ihrer Gastbrüder den Ball im Tor gehalten oder im gegnerischen Tor platziert hat.
So sitzen wir beinahe jeden Abend und genießen ein Fußballspiel, welches vom Sonnenuntergang in ein romantisches Licht getaucht wird. Von meinem ehemaligen Fußballdesinteresse ist hier bereits nach einem Monat nicht mehr viel übrig geblieben. Voller Anspannung verfolge ich die Spiele der „Small Boys“, die Mannschaft meiner drei Gastbrüder. Ich spüre, wie Panik in mir aufkommt, wenn es schlecht für sie aussieht und ärgere mich über die Gegner, welche in meinen Augen gar keine Ahnung vom Fußball haben. Dabei lieg ich vielleicht auch gar nicht so verkehrt. Oder ist es normal, ein Spiel mit einem Sitzstreik zu beenden, nur weil man die Entscheidung des Schiedsrichters nicht akzeptieren will? Auch die Verweigerung eines Elfmeterschießens, mit der Inkaufnahme der Niederlage beim Spiel um den dritten Platz erscheint mir ungewöhnlich. Der Schiedsrichter macht mit seinen Anzugschuhen allerdings auch nicht unbedingt einen kompetenten oder autoritären Eindruck. Den widerlegt er mit dem Zücken einer roten Karte.
Wir haben uns so an dieses Abendritual gewöhnt, dass die folgende Information für uns ein Schock war: Die Spiele enden nun. Für die gesamte Regenzeit wird der Bolzplatz wieder verlassen sein. Sieben Monate. Verlassen und matschig.