16.06.2017

Wechsel im Amt des Erfurter Diözesan-Caritasdirektors

Keine Schmuddelecke

Wechsel im Amt des Diözesan-Caritasdirektors: Domkapitular Bruno Heller geht, Wolfgang Langer aus Jena kommt. Ein Gespräch mit Bruno Heller über sein Bild von Caritas, die wesentlich zur Kirche gehört.


Der Thüringer Caritas-Verband unterstützt seit Jahren die Caritas im Bistum Novosibirsk. Bruno Heller (rechts) hier bei einem Besuch im russischen Omsk.

 

Nach 31 Jahren – zunächst als Rektor und seit 25 Jahren als Diözesan-Caritasdirektor – wird Domkapitular Bruno Heller (67) die Caritas im Bistum Erfurt am 21. Juni verlassen und in den Ruhestand gehen. Unter seiner Leitung stellte sich die Caritas in der Mitte der Gesellschaft auf. Heller betont: „Unsere Dienste gibt es zwar nicht flächendeckend, aber sie reichen von der  Wiege bis zur Bahre; von der Schwangerschaftsberatung bis zum Hospiz.“ Gemäß dem Motto: „Not sehen und handeln“ ist die Caritas für alle Menschen da, die diese Hilfe brauchen.

Eine Gotteserfahrung vermitteln
Inzwischen ist auch die Zahl der Mitarbeiter – Bruno Heller spricht gern von der „Caritasfamilie“– gestiegen. 6000 Frauen und Männer arbeiten motiviert und qualifiziert mit. Sie alle geben, so Heller, der Kirche ein Gesicht. Sie helfen, den Himmel ein Stück auf die Erde zu holen, damit Menschen vom Wort Gottes erreicht werden. „Gott den Menschen nahe bringen das  heißt, auch im sozialen Engagement den Menschen zu helfen, eine Art Gotteserfahrung wahrzunehmen. So habe ich immer Caritas verstanden und versucht, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu motivieren.“
Kraft schöpft Bruno Heller aus der Theologie, die sich in den Jahren bei der Caritas bewährt und geschärft hat. „Die Grundlagen habe ich in der Ausbildung bekommen aber die Gesichter der Theologie sind im alltäglichen Tun mit Mitarbeitern und allen Aufgabenfeldern gewachsen. Dafür war ich dankbar, dass ich auch als Theologe, als Priester diesen Dienst tun konnte.“ Und weiter: „Theologie ist für mich die absolute Zuwendung Gottes zu den Menschen. Wir können den Menschen nicht hoch genug schätzen. Die Kirche hat die Aufgabe, Gottes Liebe zu buchstabieren, den Menschen nahe zu bringen. Es ist die Liebe, die Güte und  die Barmherzigkeit Gottes, die uns  Vorbild ist, die Menschen so anzunehmen, wie sie nun einmal sind. Das habe ich persönlich bei den Sozialarbeitern, den Sozialpädagogen gelernt.”
Bruno Heller verweist an dieser Stelle auf Jesus Christus und betont, dass die Arbeit der Caritas nichts mit einer „Schmuddelecke“ zu tun hat. „Der Heiland war sich nicht zu schade, sein Gewand abzulegen, die Schürze anzulegen und die schmutzigen Füße zu waschen, sich einzulassen. Das ist in den letzten Jahren auch mehr gereift. Eines meiner Lieblingsbilder ist eigentlich der fußwaschende Christus.“
Domkapitular Bruno Heller hätte sich einen Priester oder  einen Diakon als Nachfolger gewünscht. Da dem nicht so ist, müsse die Kirche eine Form finden, dass für die geistliche Begleitung der Mitarbeiter in den Diensten und Einrichtungen ein Seelsorger weiterhin zur Verfügung steht. „Ich erachte eine seelsorgliche Begleitung als notwendig. Wir haben ja bei unserer Satzungsreform auch an das Amt eines Caritasrektors gedacht.“

Persönlichkeit junger Leute gestärkt
Allerdings gab es immer wieder auch Konflikte. Bruno Heller: „Natürlich kam ich als Priester mitunter in ein Spannungsfeld: Liebe und Güte auf der einen Seite; Personalentscheidungen auf der anderen Seite. Nur um nicht irgendwo ins Fettnäpfchen zu treten, darf man sich nicht aus allem fern halten. Es wird sicher nicht alles richtig gewesen sein in diesen vielen Jahren.
Beispiele, wie Menschen konkret geholfen wurde, gibt es viele. So in der Berufsbildenden Schule St. Elisabeth in Erfurt-Nord. „Wir haben dort bewusst den Ansatz, schwächere Schüler aufzunehmen. Auch von ihrer Persönlichkeit manchmal schwierige Schüler. Aber wenn ich sehe, wie sich die jungen Leute in ihrer Persönlickeit entwickeln, macht mich das froh. Auch wenn manche nicht Christen sind, so haben sie doch gelernt, die Kirche wertzuschätzen ob ihres Engagements. Ein anderes Beispiel ist die Suchtberatung, wo Betroffenen geholfen wird, „trocken“ zu leben und ihr Leben neu zu gestalten. Heller betont, dass die Caritas oft angehalten wird, Statistiken zu führen und möglichst mit großen Zahlen aufzuwarten. Aber Caritas, so der scheidende Direktor, muss davon geprägt sein, dass sie den Einzelnen im Blick hat. Das es Einzelschicksale immer wieder gibt, die sich zum Besseren wenden. Selbst wenn sie in ihrer Situation gehalten werden können und nicht noch mehr abrutschen, ist das auch ein Erfolg. Oder im Hospiz, im Altenheim, wo gute Pflege stattfindet, wo Menschen auf ihrer letzten Wegstrecke begleitet werden. „Unser Hauptziel ist es, Menschen zum Leben zu ermutigen und ihnen den Horizont zu erweitern; vielleicht gelingt es auch auf Gott hin, den Horizont zu erweitern. Deshalb ist es wichtig, dass Mitarbeiter nicht nur fachlich kompetent handeln, sondern dass sie auch den Mut haben, sich ins Herz schauen zu lassen und von ihrer Hoffnung Zeugnis geben. Das ist manchmal wirkungsvoller.“
Nachfolger Hellers wird Wolfgang Langer, der 1970 in Erfurt geboren wurde und der  zuletzt bei ZEISS in Jena tätig war. Langer ist verheiratet, hat drei Kinder und wohnt in Jena. Kirchliche Studien belegte er in der Reihe „Theologie im Fernkurs“ im Grund- und Aufbaukurs. Seinen Pastoraltheologischen Kursabschluss absolvierte er 2015. Wolfgang Langer ist in seiner Kirchengemeinde und darüber hinaus aktiv, machte berufsbegleitend Erfahrungen in und mit der Caritas und kann in seiner neuen Funktion modernes Management und karitatives Tun miteinander verbinden.

Von Holger Jakobi