Kein Strom für das Ewige Licht

Luise Binder (18) aus Leipzig ist seit 20. September Freiwillige der Kolpingjugend-Gemeinschaftsdienste in Tansania. Was sie dort erlebt, darüber wird sie hier regelmäßig berichten. Heute: erste Eindrücke in neuer Umgebung.

Seit Ende September bin ich nun in Tansania, seit drei Woche in dem Dorf Iguguno und langsam entwickelt sich hier so etwas wie Alltag. Daran, dass die Regierung regelmäßig den Strom abschaltet und ich  nicht immer eine Internetverbindung habe, habe ich mich gewöhnt. Ich finde es gar nicht so schlimm, da ich gerade in diesen Zeiten immer sehr viel Aufregendes mit meiner Gastfamilie erlebe.
Bei meinem ersten Sonntagsgottesdienst fiel mir eines allerdings sofort auf, etwas, woran ich mich vielleicht nicht so schnell gewöhnen kann: Das ewige Licht der Dorfkirche leuchtete nicht. Es gab keinen Strom. Keine Elektrizität für diesen wichtigen Blickpunkt in einer Kirche. Etwas, was sich doch nie verändert.
Ich bin mir nicht sicher, aber wenn ich bereits einen Kulturschock erlebt haben sollte, dann hierbei. Beim Blick in die Gesichter der Dorfbewohner im Gotteshaus bemerke ich, dass sie das gar nicht mehr schockt. Es ist normal. Alltag. Viel wichtiger ist, alle Energie und Aufmerksamkeit in die Gestaltung der Messe zu legen. Der Chorgesang hat manchmal etwas Europäisches an sich, wären da nicht die afrikanischen Altstimmen und die Jubelrufe  aus der Mitte der Gemeinde. Die heilige Messe ist lang. Mindestens zweieinhalb Stunden, denn anschließend werden die Vermeldungen nicht nur verlesen, sondern zum Teil auch diskutiert. Dabei wird viel gelacht, geschmunzelt und getuschelt.
Ich würde so gerne mehr verstehen, aber meine Kiswahili-Kenntnisse lassen das noch nicht zu. Das „baba yetu“ (Vater unser) kann ich jedoch schon zum Teil mitsprechen und einige Lieder, wie ein einfaches „Halleluja“ lassen sich auch schon ganz gut mitsingen. Das gibt mir ein gutes Gefühl. Man spürt, dass man den Menschen viel näher kommt und nicht nur ein Besucher aus Deutschland ist. In diesen Momenten merke ich es wieder: Der Glaube verbindet!