09.11.2017

15 Jahre Katholische Theologie an der Universität Erfurt

Für die Zukunft sorgen

Vor 15 Jahren wurde die Katholische Theologie in Erfurt in die Universität integriert. Was unter schwierigen DDR-Bedingungen in kirchlicher Trägerschaft als Philosophisch-Theologisches Studium und seit 1999 als kirchliche Theologische Fakultät Erfurt bestanden hatte, wurde nun staatliche Fakultät.


Vorlesung an der Katholisch- Theologischen Fakultät in den geschichtsträchtigen Räumen am Erfurter Domberg. | Foto: Angelika Todtwalusch / Uni Erfurt

 

„Es waren aufregende Wochen und Monate“, erinnert sich Eberhard Tiefensee, Professor an der Katholisch-Theologischen Fakultät in Erfurt, und denkt dabei an Herbst und Winter 2002. Jahrelang hatten die ostdeutschen Bischöfe, die Thüringer Landesregierung und die Universität Erfurt mit dem Vatikan gerungen, um die kirchliche Hochschule in eine staatliche Fakultät zu überführen. „Es war ein permanentes Wechselbad der Gefühle“, so Tiefensee, damals Rektor der Erfurter Hochschule, „und dann plötzlich kam grünes Licht aus dem Vatikan.“ Intensive Gespräche mit der Landesregierung und komplizierte Planungen in Fakultät und Universität begannen. Das ehemalige „Philosophisch-Theologische Studium“ mit langer Geschichte sollte in eine junge Reformuniversität integriert werden. Was würde das für die Studierenden bedeuten? Welche neuen Herausforderungen würden auf die Professoren zukommen? Wohin mit den Büchern der wertvollen Bibliothek, die auf zum Teil abenteuerlichen Wegen in die DDR gebracht worden waren? „Die ostdeutschen  Bischöfe standen fest hinter Erfurt und wollten die Integration. „Da war viel Geschichtsbewusstsein im Spiel“, so Tiefensee, „Landesregierung und Universität waren entschlossen – der Weg war offen.“

Einzige Katholisch-Theologische Fakultät
Aus dem Erfurter „Studium“ wurde die einzige Katholisch-Theologische Fakultät in Ostdeutschland. Für den Kirchenhistoriker Josef Pilvousek eine schlüssige Entwicklung: „Es hat in Schlesien und insbesondere Breslau begonnen, wo es schon eine große Tradition katholischer Theologie gab. Aus ganz einfachen Anfängen ist dann in Erfurt eine Hochschule aufgebaut worden, die sich bald international großes Renommee erarbeitet hat.“ Für den Historiker wäre alles andere als der Weg in die staatliche Universität ein Affront gegen diese Leistung ostdeutscher Katholiken und der schlesischen Gründungsväter gewesen. „Man hätte kaum erklären können, wenn Priester- und Theologenausbildung, die von der SED nicht verdrängt werden konnte, an innerkirchlicher Kurzsichtigkeit gescheitert wäre.“ 
Manche gehen davon aus, dass Papst Johannes Paul II. bei der Integration in Erfurt ein Wort mitgesprochen hat. Mittlerweile gab es nämlich auch Theologische Fakultäten an staatlichen Universitäten in Polen. „Auch wenn den erfolgreichen Verhandlungen zur Integration der kirchlichen Hochschule in die Universität Erfurt ein mühsamer Weg voraus ging, auf dem Geschick, Beharrlichkeit und Geduld notwendig waren, haben sie sich gelohnt: Für die Katholische Fakultät konnten gute Rahmenbedingungen erreicht werden, die auch in Zukunft eng an die Priesterausbildung in Erfurt gebunden sind“, so der Leiter des Katholischen Büros Thüringen, Ordinariatsrat Winfried Weinrich, der die Verhandlungen zur Integration mit geführt hat.
Heute ist die Integration Geschichte. Die Fakultät ist längst an der Universität angekommen und gestaltet sie mit. Es gibt eine gute Zusammenarbeit mit den umliegenden Evangelisch-Theologischen Fakultäten und den benachbarten Instituten für katholische Theologie in Dresden und Halle. Manche sprechen heute von einer „Erfurter Theologie“, die sich insbesondere mit Katholizismus in Minderheitssituationen befasst und sich den Herausforderungen der ostdeutschen Diaspora stellt. Das prägt die Erfurter Fakultät. Auch die jüngeren Professorinnen und Professoren verstehen dies als Auftrag für Forschung und Lehre. Mit diesem Profil ist die Fakultät gefragt und vertritt mit ihren Partnern in der Region offensiv Theologie „aus dem Osten“. Eberhard Tiefensee resümiert: „Es war ein langer und harter Weg, aber er hat sich gelohnt. Egal ob man nach Berlin, Dresden, Görlitz, Magdeburg oder Erfurt schaut: Ohne diese Fakultät Erfurt würde der katholischen Kirche in Ostdeutschland heute ein theologisches Zentrum fehlen.“
Für das Gedeihen der Theologie alles tun
Und wie sieht die heutige Universitätsleitung die Fakultät? Professor Walter Bauer-Wabnegg, Präsident der Universität Erfurt, sieht die Erfurter Theologie in der Universität „angekommen“. Aber er nimmt neue Herausforderungen wahr: „Wir müssen nun achtgeben, dass ihre Geschichte nicht vergessen wird. Die Gesamtgeschichte der Universität Erfurt ist auch die Geschichte ihrer Theologie. Das dürfen wir nicht vergessen. Der Erfolg der Erfurter Theologie ist uns zugleich die Verpflichtung, alles auch für ihr weiteres und zukünftiges Gedeihen zu tun. Daran darf kein Zweifel sein.“ (tdh)

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