09.11.2017

Ausstellung zur Gegenreformation im Eichsfeld

Katholisch aus Überzeugung

Gegenreformation: Mit Besonnenheit und Weitsicht gewannen die Jesuiten im 16. Jahrhundert die Bewohner des Eichsfeldes für den katholischen Glauben zurück. Eine Ausstellung in Heiligenstadt informiert noch bis 31. Mai 2018 darüber.


Das ehemaligen Jesuitenkolleg in Heiligenstadt neben der Pfarrkirche St. Marien beherbergt heute das Eichsfelder Heimatmuseum, in dem die Ausstellung „Gegen-Reformation. Die Jesuiten im Eichsfeld“ zu sehen ist. | Fotos: Benedikt Vallendar


Die Reformation hat die Christenheit gespalten, gewiss. Sie hat aber auch Wege aufgezeigt, um Menschen zum katholischen Glauben zurückzuführen. Dieses Kunststück gelang im 16. Jahrhundert Angehörigen des Jesuitenordens im Eichsfeld, das sich bis heute seine katholische Prägung bewahrt hat.
Das Engagement der Jesuiten kam nicht von irgendwo her: Im Jahre 1574 hatte der Mainzer Kurfürst und Erzbischof bei einer Visite feststellen müssen, dass die von Martin Luther verbreitete „neue Lehre“ zahlreiche Anhänger fand. Nur noch wenig war vom alten Glauben und dem katholischen Ritus übrig geblieben.
Als erste Maßnahme schickte der Fürst die „Elitetruppe des Papstes“ ins Eichsfeld: die Jesuiten. In Heiligenstadt gründeten sie eine eigene Niederlassung und begannen, schon bald sehr erfolgreich, die Region für den römischen Katholizismus zurückzugewinnen. In Anlehnung an Martin Luther und seiner Lehre vom wahren Christenmenschen verzichteten die vom Papst entsandten Patres auf klerikale Insignien wie Ordenshabit und das nur Männern ihres Standes vorbehaltene Chorgebet.

Die Jesuiten lebten in unmittelbarer Nachbarschaft
„Die Jesuiten lebten weniger zurückgezogen, nicht in Klöstern, sondern in Kollegien, einer Art Wohngemeinschaft“, sagt der Historiker Torsten W. Müller, Direktor des Eichsfelder Heimatmuseums. Damit lebten sie in unmittelbarer Nachbarschaft zu Bürgern und Bauern und waren in das Stadt- und Dorfleben integriert. Neu für ihre Zeit war, dass die Jesuiten auf Menschen zugingen, deren Sorgen und Ängste ernst nahmen und sich wirklich um sie kümmerten. Hinzu kamen rhetorisch ausgefeilte Predigten, Reisen auf die Dörfer und eine methodisch bei den Protestanten abgeschaute Jugendarbeit, womit die Patres die Eichsfelder für die Kirche zurück gewannen. „Intensiv förderten die Jesuiten zudem das von Luther abgelehnte Wallfahrtswesen und wiederbelebten die Leidensprozession am Palmsonntag in Heiligenstadt“, sagt Müller. Hinzu kam: Ihren Religionsunterricht gestalteten die Jesuiten, so wie Luther es ihnen vorgemacht hatte, betont volkstümlich; mit der Folge, dass sich viele, vor allem junge Menschen davon angesprochen fühlten und den Glauben an ihre eigenen Kinder weitergaben.

Ein Erbe der Jesuiten: Wegkreuze, Bildstöcke und Kapellen
Was bei Fahrten durchs Eichsfeld noch immer ins Auge fällt: Wegkreuze, Kapellen und Bildstöcke ließen die Jesuiten flächendeckend neu aufrichten, womit sie Teil einer gewachsenen Kultur- und Wohnlandschaft wurden. Auch die Sakramente spendeten die Patres wieder nach altem Brauch; Pfarrer und Ordensleute hörten Vorträge, bildeten sich, ebenfalls nach protestantischem Vorbild, wissenschaftlich-theologisch fort und nahmen an Exerzitien teil, um ihren Glauben zu festigen. „Alles in allem probierten die Jesuiten neue Formen der Seelsorge aus, die bei der traditionell gottesfürchtigen Bevölkerung gut ankamen“, sagt Claudius Prößer, Journalist und Absolvent des Jesuiten-Kollegs Sankt Blasien in Baden-Württemberg. Damit sind sie bis heute erfolgreich, etwa in Berlin, wo Christen in der Minderheit sind und jesuitische Einrichtungen dennoch großen Zulauf haben.
Bis heute ist Bildung ein Schwerpunkt jesuitischer Seelsorge: 1575 gründete der Orden in Heiligenstadt ein Gymnasium, das zunächst nur Männern offen stand und den Ruf des Eichsfelds als katholische Region gefestigt hat. Selbst fünfeinhalb Jahrzehnte Diktatur, Terror und atheistische Propaganda durch die Kommunisten haben der Region kaum etwas anhaben können. Nach dem Untergang der DDR floss viel Geld in die Region, auch um das jesuitische Erbe in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.

Die Heiligenstädter Palmsonntagsprozession hat ihren Ursprung im 16. Jahrhundert.

Behutsame und weitsichtige Missionsarbeit
„Bei ihrer Missionsarbeit ging der Klerus – mit Rücksicht auf protestantische Reichsstände – behutsam und weitsichtig vor“, sagt Historiker Müller. Denn auch die katholische Obrigkeit hatte erkannt, dass die Bindung der Gläubigen an ihre Kirche nur durch pastorale Betreuung Bestand haben konnte. Gewalt als Mittel der Politik, wie sie später auch im Namen der Religion praktiziert wurde, war meist sozioökonomisch und geostrategisch motiviert und stieß innerhalb katholischer Ordensgemeinschaften auf breite Ablehnung.
Der Erfolg gab den Jesuiten recht: Die Mehrheit der Eichsfelder kehrte zum Katholizismus zurück, mit der Folge, dass der pittoreske Landstrich vor den Toren des Grenzdurchgangslagers Friedland in Niedersachsen bis heute die Region mit dem höchsten Anteil praktizierender Katholiken in ganz Mitteldeutschland ist. Das Eichsfelder Heimatmuseum im Heilbad Heiligenstadt – einst Kolleg der Jesuiten – befasst sich noch bis 31. Mai 2018 in einer Sonderausstellung mit den Jesuiten und ihrer eichsfeldischen Kirchenreform. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen gegenreformatorische Bemühungen als gleichberechtigte Teile des Reformations-Zeitalters, in dem bekanntlich die Wurzeln der Moderne ihren Ursprung haben.

Die Ausstellung „Gegen-Reformation. Die Jesuiten im Eichsfeld“ ist noch bis 31. Mai 2018 im Eichsfelder Heimatmuseum Heiligenstadt (Kollegiengasse 10) zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag 14.30 bis 17 Uhr

Von Benedikt Vallendar

Kommentare

Die katholische Kirche hatte ein Glaubwürdigkeitsproblem. Was war, was ist heute das Kernanliegen unserer Kirche. Wie sehr ist sie mit all den weltlichen Dingen beschäftigt? Wie viel Geld wird monatlich als Einnahme verbucht? Aus Transferleistungen denen heute jede Grundlage fehlt, aus Einnahmen von Einlagen und Anlagen. Wie hoch müssen die Gewinnspannen sein, wie hoch können Sie sein? Katholische Einrichtungen halten offen keinem Preisvergleich stand. Wie weit ist die Kirchenleitung bereit, dem Heiligen Geist in der Gemeinde wirklich Raum zu lassen? Vom Evangelisten Johannes wird gesagt, seine Botschaft sei Reaktion auf die ersten drei Evangelien. Seine Botschaft ist die Liebe und das Wort, Joh 1,1. Er ergänzt sich zu Paulus. Seine Botschaft ist die Communio. Wir sind ein Tempel des Herrn. Das Starke erfüllt das Schwache in der Eucharistie, durch Leib und Blut Jesu Christi, durch das Wirken des Heiligen Geistes. Wer lehrt uns, wie wir damit umgehen? Wo sind glaubwürdige Zeugen? Die Kirche steht am Scheideweg. Die Männer der Hirarchie, die gesalbten Nachfolger der Apostel müssen sich entscheiden. Hirarchie im Sinne eines Brückenpfeilers oder eines Torbogens. Weiter oben in der Hierarchie mehr Dienst oder mehr Macht und Glemmer? Der Heilige Geist weht wo er will. Stärker werdende Freikirchen und Pfingstler oder besinnt sich unsere Führung auf Ihren Auftrag als Hirten, nicht als Wachhunde oder Mietlinge? Die Struktur ist noch weltweit. Ich hoffe und bete, dass die ganze Kirche bereit ist, dem Stellverter Christi zu folgen,dem sie doch nicht nur durch Wort und Weihe zugeordnet sind, sondern auch durch den weltlichen Eid. Gottes Wort und der neue Bund sind verlässlich und wahr. Es wäre schön, wenn unsere Kirche dabei bleibt.