08.05.2017

Katholische Laien mahnen zum Schutz der Demokratie

Kampfansage an den Populismus

Kein Grund zu meckern: Bischöfe und katholische Laienvertreter sind in Sachen Populismus ganz einer Meinung.


Foto: kna
Die Frühjahrsvollversammlung des ZdK in Berlin
Foto: kna

Katholische Bischöfe und Laienvertreter sind sich nicht immer grün. Wenn sich das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) in theologischen Fragen zu Wort meldet, monieren die Oberhirten mitunter eine Kompetenzüberschreitung. Die am Samstag beendete ZdK-Frühjahrsvollversammlung in Berlin gab ihnen im Unterschied zu früheren Tagungen jedoch - fast - keinen Anlass.

Deutschlands höchstes repräsentatives Gremium katholischer Laien befasste sich zumeist mit seinem unumstrittenen Auftrag: den kirchlichen Positionen in politischen und sozialen Fragen Gehör zu verschaffen. In Zeiten eines grassierenden Populismus verabschiedeten die rund 220 ZdK-Mitglieder einstimmig einen Appell, die Grundlagen der freiheitlichen Gesellschaft zu verteidigen. Unter dem Motto "Farbe bekennen für die Demokratie!" rufen sie dazu auf, im Wahljahr 2017 für eine respektvolle politische Debatte einzutreten und extremistischen Parteien eine Absage zu erteilen.

Der Appell richtet sich jedoch nicht nur nach außen. "Mit großer Sorge" stellt das ZdK fest, dass Populisten auch in den Kirchen Widerhall finden. Manche Christen sähen in ihnen "Verbündete beim Einsatz für den Lebensschutz, in ihrem Eintreten für ein Familienbild mit klaren Geschlechterrollen und in ihrer Ablehnung der Pluralität von moralischen Überzeugungen und Lebensweisen". Dabei ignorierten sie, "dass der Preis für diese Allianz die Preisgabe der christlichen Überzeugungen von Nächstenliebe, Solidarität und der gleichen Würde aller Menschen als Geschöpfe Gottes ist".

Schützenhilfe für seinen Appell verspricht sich das ZdK mit einer Internet-Initiative. Unter www.demokratie-stimmt.de erklären bis zur Bundestagswahl nach und nach über 40 Prominente, zumeist ZdK-Mitglieder, warum ihnen diese Staatsform wichtig ist. Unter ihnen sind Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD), Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) und Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne).

 

Mehr ökumenische Zusammenarbeit beim konfessionellen Religionsunterricht

Im zweiten zentralen Punkt der Tagesordnung dürfte dem ZdK der Beifall der Bischöfe ebenso sicher sein. In einer weiteren Erklärung werben die katholischen Laien für mehr ökumenische Zusammenarbeit beim konfessionellen Religionsunterricht. Sie unterstützen damit Empfehlungen der Deutschen Bischofskonferenz vom vergangenen November. Ein "eminent wichtiger" Beschluss, fand der Hamburger Erzbischof Stefan Heße, als "Geistlicher Assistent" des ZdK ein Bindeglied zur Bischofskonferenz.

Als besonders aktuelles Thema, das nicht auf der Tagesordnung stand, kam die Lage der katholischen Theologie in der Bundeshauptstadt zur Sprache. Der Berliner Erzbischof Heiner Koch bezeichnete die gegenwärtige personelle Ausstattung im Rahmen eines Seminars an der Freien Universität als "Katastrophe". Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte in einem Grußwort zuvor eine "deutliche Stärkung" der katholischen Theologie versprochen. Zudem bekräftigte er seine Unterstützung für eine "Fakultät der Theologien" von Protestanten, Katholiken, Muslimen und Juden an der Humboldt-Universität. Den Rückhalt des ZdK sicherte überdies dessen Sprecherin für Bildung, Kultur und Medien, Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), zu.

In seinem Jahresbericht bezog ZdK-Präsident Thomas Sternberg auch zu bundespolitischen Themen Position. So mahnte er mit Blick auf die Debatte über die Forschung an Embryonen, dem Schutz des menschlichen Lebens weiter Vorrang zu geben. Bei einer Novellierung der rechtlichen Grundlagen dürfe es «kein allein die Technik regulierendes Reproduktionsmedizingesetz werden».

Forderungen erhob das ZdK auch an die eigene kirchliche Adresse. So sollten bei der Mittelvergabe für bundesweite Aufgaben der katholischen Kirche künftig auch Laien mitentscheiden, heißt es in einem Beschluss. Angesichts gestiegener Einnahmen aus der Kirchensteuer dürfe die Förderung in diesem Bereich nicht reduziert werden. Auch ein weiteres umstrittenes Thema umging die Laienvertretung nicht: Sie bittet die deutschen Bischöfe, sich in Rom für eine Zulassung von Frauen zum Diakonen-Amt einzusetzen.

kna