11.05.2017

Christuswallfahrt in Volkenroda

Jesus mit in den Alltag nehmen

Zum Abschluss der Christuswallfahrt in Volkenroda bestand die Möglichkeit den Segen zu empfangen. Zudem wurden kleine Jesusfiguren verteilt, die von den Kleinen Schwestern von Charles de Foucault gefertigt wurden.


Pfarrer Albrecht Schoedel und Kleine Schwester Brigitte verteilen die kleinen Figuren des Jesuskindes.

Was mit der thematischen Hinwendung zur Kreuzes-Theologie von Bernhard von Clairvaux und Martin Luther begann, schloss mit der Besinnung auf die Menschwerdung Gottes. Schwester Brigitte von den Kleinen Schwestern Jesu hatte viele kleine Jesuskinder mitgebracht, die zum Schluss an die Pilger der diesjährigen Christus-Wallfahrt im Kloster Volkenroda verteilt wurden. Gefertigt wurden sie in der Keramikwerkstatt im thüringischen Gräfentonna, wo eine Kommunität der Kleinen Schwestern Jesu von Charles de Foucault ihren Sitz hat.

Eine Gemeinschaft, aus der Begegnung heraus
Gegründet wurde die Gemeinschaft von Magdeleine Hutin, die in Elsass Lothringen geboren wurde. Im Ersten Weltkrieg verliert sie fast ihre gesamte Familie. Halt findet sie in den Schriften von Charles de Foucauld, die sie begeistern. Ihre Erfahrung und ihre Arbeit mit wohlhabenden und mittellosen Kindern öffnet ihr Herz für die Menschen am Rande der Gesellschaft. Schwer erkrankt, bricht sie 1936 mit einer Gefährtin in die Sahara auf, um im damaligen Kolonialgebiet Frankreichs bei einer Gruppe verarmter, muslimischer Nomaden zu leben. Sie schenkt ihnen Vertrauen und empfängt Vertrauen.

Schwester Raffaela vom Zisterzienserinnenkloster Waldsassen spendet den Segen. Fotos: H.Jakobi

In aller Verschiedenheit wächst Freundschaft, gegenseitige Treue und Wertschätzung. Das ist die Keimzelle der Gemeinschaft der Kleinen Schwestern Jesu. Schwester Magdelaine sagte: „Die meisten Orden entstanden aus einem Bedürfnis, diese entstand aus einer Begegnung.“ Nach dem Krieg schließen sich zahlreiche Frauen sehr unterschiedlicher Herkunft der jungen Gemeinschaft an.
Sie wollen nicht nur unter den Verachteten und Ausgegrenzten der Sahara leben, sondern das Ideal der Liebe und Achtung zu jedem Menschen weitertragen, jenseits aller Grenzen von Kultur, Religion, Sprache, Ideologie
Dabei ist Jesus das Vorbild der Schwestern. So wie er 30 Jahre lang in Nazaret verborgen lebte, so wollen auch die Frauen der Gemeinschaft verborgen und unbeachtet leben. Sie wollen nahe beim Menschen sein, bei den so genannten „kleinen Leuten“ leben. Auf der Internetpräsenz der Kleinen Schwestern heißt es unter anderem: „Mit ihnen teilen wir Schmerz, Trauer, aber auch das Schöne und die Hoffnung. Der einfache Alltag verbindet uns und die Freundschaft wird zu einem Geschenk.“

Im Jahr des Reformationsgedenkens
Die in Volkenroda überreichten Figuren des Jesuskindes bilden einen Kernpunkt der Spiritualität der Kleinen Schwestern. Das Geheimnis von Betlehem ist neben dem Leben Jesu in Nazaret Gabe und Auftrag. Gott offenbart sich in Betlehem in der Ohnmacht und Schwachheit des neugeborenen Kindes. Diese Offenbarung sollten die Pilger mit in ihren Alltag nehmen und immer wieder neu betrachten.
Vor dem Abschluss des Gottesdienstes waren die evangelischen und katholischen Christen dazu eingeladen, sich segnen zu lassen. Diesen spendeten unter anderem Bischof Ulrich Neymeyr, Äbtissin Laetitia Fech vom Zisterzienserinnen-Kloster Waldsassen und Pfarrer Albrecht Schoedel von der Christus-Bruderschaft in Volkenroda. In diesem Jahr stand die Christus-Wallfahrt – mit der die Saison im Christus-Pavillon traditionell eröffnet wird – im Zeichen des Reformations-Gedenkens.

www.kleineschwesternjesu.net

Von Holger Jakobi