07.09.2017

Jubiläum des Berliner Kathedralforums

Jedes Mal ein Abenteuer

Seit zehn Jahren gibt es im Bernhard-Lichtenberg-Haus in Berlin das Foyer im Kathedralforum als einen Ort für Begegnungen und Gespräche. Mit einem Tag der offenen Tür ist jetzt das Zehnjährige gefeiert worden.


Ohne Ehrenamtliche läuft nichts – zum Beispiel auch der Mittagsimbiss am Tag der offenen Tür. | Foto: Matthias Holluba


„Jedes Mal, wenn die Tür aufgeht, beginnt ein Abenteuer. Man weiß nicht, wer hereinkommt“, sagen Barbara Jörg und Ruth Krebs. Die beiden Frauen gehören zu den rund 25 Ehrenamtlichen, die das Foyer im Kathedralforum Montag bis Samstag von 11 bis 17.30 Uhr und am Sonntag von 11 bis 12 offen halten. Hierher, ins Erdgeschoss des Bernhard-Lichtenberg -Hauses kann jeder kommen, einen Kaffee trinken, in einem kleinen Buchladen stöbern, Ausstellungen ansehen und mit anderen ins Gespräch kommen.
Seit zehn Jahren gibt es das Foyer im Kathedralforum. Das Kathedralforum selbst ist schon etwas älter. Es wurde am 1. September 2004 im wesentlichen auf Initiative des damaligen Dompfarrers Alfons Kluck gegründet – als Dach für verschiedene Angebote, die an der St. Hedwigs-Kathedrale damals schon bestanden, berichtet Bettina Birkner, die die Einrichtung hauptamtlich mit einer Mitarbeiterin leitet. Damals gab es zum Beispiel schon den „Treff nach Elf“ nach dem Sonntagshochamt und die Wunsch- und Segensfeiern für Jugendliche als Alternative zur Jugendweihe. Heute füllen die Angebote einen mehrseitigen Flyer: Von der Mittags-Musik-Meditation über die Ausstellungen und die Kathedralführungen für Erwachsene und – mit der Puppe Päckchen – speziell auch für Kinder bis hin zu verschiedenen Gesprächsangeboten, Kursen und persönlicher Begleitung.

Manche Begegnung bleibt in Erinnerung
Das Angebot des offenen Treffs im Foyer wird rege genutzt: Es kommen Katholiken und Nichtchristen, Berliner und Touristen, Menschen, die Orientierung für ihr Leben suchen, und andere, die nur eine Toilette brauchen. Barbara Jörg und Ruth Krebs können sich noch gut an manche besondere Begegnung erinnern: Einmal trafen zufällig eine Obdachlose, ein Richter und ein Manager zusammen und kamen in ein intensives Gespräch, ein anderes Mal kam ein Filmemacher, der etwas über katholische Rituale erfahren wollte, und dann eine junge Südamerikanerin, die Hilfe beim Schreiben der Bewerbung brauchte. „Viele wollen etwas über Berlin wissen oder über unsere Kirche und das Erzbistum“, berichtet Ruth Krebs. Manche erzählen von ihren Problemen mit dem Glauben, mit der Kirche mit ihrem Leben. Gegebenenfalls können die Ehrenamtlichen dann an kompetente Stellen weitervermitteln.
Viele Gratulanten sind zum Tag der offenen Tür anlässlich des Zehnjährigen gekommen: Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) zum Beispiel und Bernd Streich, der Vorsitzende des Diözesanrates. Er würdigt die Einrichtung des Kathedralforums als „kluge und weiterführende Entscheidung für die Zukunft“. Hier komme die Kirche in Kontakt mit den Menschen in der Stadt und mit denen, die diese Stadt besuchen, und könne ihre Sorgen und Anliegen aufgreifen.
Wenn nun im Zusammenhang mit den Arbeiten an der St. Hedwigs-Kathedrale auch das Bernhard-Lichtenberg-Haus saniert wird, hoffen die Mitarbeiter des Kathedralforums dass sie auch für ihre Angebote noch bessere Möglichkeiten erhalten: „Ich leide unter den Mauern“, sagt Bettina Birkner. Deshalb wünscht sie sich für das neue Bernhard-Lichtenberg-Haus ein Erdgeschoss ganz aus Glas. „Auf alle Fälle sind wir bereit, bei den Überlegungen unsere Erfahrungen mit einzubringen.“

Von Matthias Holluba