18.05.2017

Caritas-Jahresmotto

Jeder braucht Heimat

Das Caritas-Jahresmotto Heimat war Thema beim Elisabethtag in Heiligenstadt. Eingeladen waren Ehrenamtliche, die in der Region Eichsfeld und Nordthüringen karitativ tätig sind.


Caritasdirektor Bruno Heller setzt ein Zeichen für Menschlichkeit.  Foto: Christine Bose


Ehrenamtliche der Caritas leisten „Graswurzelarbeit“, Arbeit direkt an der Basis. Auf die treffende Bemerkung von Diözesan-Caritasdirektor Bruno Heller antwortete eine Frau: Aus vielen Halmen von Graswurzeln entstehe ein ganzes Büschel. Am 13. Mai trafen sich die ehrenamtlich tätigen Frauen und Männer der Caritasregion Eichsfeld und Nordthüringen zum Elisabethtag 2017 im Marcel-Callo-Haus, dem katholischen Jugend- und Erwachsenenbildungshaus in Heiligenstadt.  Zuvor hatten  Bischof Ulrich Neymeyr und der Caritasdirektor mit ihnen in der Propsteikirche „St. Marien“ die heilige Messe gefeiert. Mit Blumen bedankte sich Mechthild Windolph im Namen aller Caritas-Ehrenamtlichen der Region bei Diözesancaritasdirektor Bruno Heller für das langjährige gute Miteinander. Heller legt im Juni aus Altersgründen sein Amt nieder.

„Heimat ist für mich dort, wo Frieden ist“
Beim Elisabethtag schrieben die  ehrenamtlich Tätigen „Denkzettel“, im Rahmen der Caritas-Karten-Aktion. Zur Vorbereitung auf die Bundestagswahl am 24. September 2017 notierten sie kurz, gerichtet an die Politiker, was für sie menschliche Politik bedeutet, wer oder was übersehen wird, was sich verändern muss. „Was immer Sie wählen, vergessen Sie unsere Grundwerte nicht!“ steht hierzu auf der Caritasseite www.waehltMenschlichkeit.de zu lesen.
An einer weiteren Caritas-Aktion, der „Aktion Wahrzeichen“, beteiligt sich Bruno Heller ebenfalls. Bischöfe und andere Persönlichkeiten lassen sich vor einem bekannten Wahrzeichen einer Region, wie beispielsweise dem Erfurter Dom, mit ihrer Forderung nach Menschlichkeit fotografieren. Damit wollen sie die Aufmerksamkeit auf jene richten, die sich übersehen oder benachteiligt fühlen. Dazu ermuntert, eine Vielzahl an guten Ideen zusammenzutragen, wurden aus den Ehrenamtlern kurzzeitig Mitarbeiter einer fiktiven Werbeagentur. Sie erarbeiteten in Gruppen eine symbolische Heimat-Ausstellung, basierend auf der Caritas-Kampagne 2017 „Zusammen sind wir Heimat“, um sie gedanklich zu präsentieren. Der Heimatbegriff dürfe nicht rechten Gruppen überlassen werden, betonte Bruno Heller.
In den Diskussionen wurde deutlich, wie viele unterschiedliche Erfahrungen, Stimmungen, Gefühle, Kindheitserinnerungen, Erwartungen mit „Heimat“ verbunden werden. Da ist die Sehnsucht nach Geborgenheit, da sind der heute noch in der Vorstellung wahrnehmbare Duft, wenn Mutter oder Oma den Sonntagskuchen gebacken hatte; die Feste im Kirchenjahr mit den Prozessionen; die Kirchengemeinde, die ein Zuhause bietet; das Glockenläuten.
Weiter waren alle eingeladen darüber nachzudenken, wie fremde Menschen hier Heimat finden können. Dabei gab es viele Vorschläge: Auf Fremde zugehen, ganz gleich, wo sie herkommen, mit ihnen sprechen, sie einladen zum gemeinsamen Singen, Essen oder sogar zum Kochen eines regionalen Gerichtes. Sie auf einen Spaziergang mitnehmen und ihnen die eigene Kirche zeigen.

Fremden und Schwachen Heimat geben
Auf der Suche nach Heimat – das wurde in den Worten Bruno Hellers deutlich – sind die 65,3 Millionen Menschen, die im Jahr 2015 nach Angaben des Flüchtlingswerkes der Vereinten Nationen weltweit wegen Krieg, Hunger, Not und Vertreibung auf der Flucht waren. 890 000 Menschen kamen im genannten Jahr nach Deutschland. Verwurzelung, soziale Sicherheit suchen aber auch die so genannten Randgruppen unserer Gesellschaft, „Zu-Kurz-Gekommene“ auf der Schattenseite des Lebens, Obdachlose, Armutsgefährdete, Menschen mit Behinderungen. Viele Menschen gelte es zu integrieren – ein nicht immer einfaches Unterfangen und eine Herausforderung für christliche Nächstenliebe.
Dass Heimat nicht in jedem Fall an einen ganz bestimmten geografischen Ort gebunden sein muss, wurde so formuliert: „Ich könnte überall in Deutschland leben, aber nicht allein, sondern mit meiner Familie“. Und: „Heimat ist für mich dort, wo Frieden ist, wo ich in Ruhe leben kann.“

Von Christine Bose