03.08.2017

Klosterkirche Hadmersleben

Über Jahrhunderte gebaut

Gegründet wurde das Damenstift und spätere Benediktinerinnenkloster Hadmersleben 961. Wer heute die Klosterkirche besucht, kann eine lange Bau- und Kunstgeschichte nachverfolgen. Und Impulse für den Glauben mitnehmen.


Innenraum der einstigen Klosterkirche St. Peter und Paul in Hadmersleben. | Fotos: Eckhard Pohl

 

Wer die Kirche St. Peter und Paul in Hadmersleben besucht, kommt gezielt, weil er weiß, was hier zu sehen ist – oder aber er ist überrascht. Denn Kirchenführerin Helga Hofmann (60) kann ihren Gästen nicht nur ein gut saniertes Kirchenschiff mit einem prachtvollen barocken Hochaltar und einer dazu passenden Kanzel zeigen. Im Westteil der einstigen Klosterkirche befindet sich auch eine geräumige romanische Unterkirche. Damit bietet das Gotteshaus Zeugnisse einer Jahrhunderte währenden Bau- und Glaubensgeschichte und gehört zur Straße der Romanik.
Gott sei Dank sei seit der Wiedervereinigung baulich durch das Bundesland viel an der Kirche gemacht worden, erzählen Helga Hofmann und Pfarrer i. R. Rudolf Susyk (70) dankbar. Doch es fehle auch noch an finanziellen Mitteln, etwa für den Wiedereinbau der 2007 ausgebauten Orgel und für ein Ziffernblatt für die Turmuhr.

Teile des südlichen Seitenschiffs der Unterkirche stammen aus der frühen, romanischen Zeit des Klosters.

Am Anfang vermutlich ein Damenstift
„In Anwesenheit des sechsjährigen Königs Otto II., Sohn König Ottos I., fand im Juli 961 in der Pfalz Wallhausen unter anderem die Gründung des Klosters Hadmersleben statt. Später setzte Otto II. seinen Namensstrich unter die Errichtungsurkunde“, erzählt Helga Hofmann, die für die katholische Gemeinde ehrenamtlich durch die Kirche führt. Vermutlich habe es sich um ein freiweltliches (religiöse Lebensgemeinschaft ohne Gelübde) Damenstift wie auch in Gernrode gehandelt. An das zur Gründungszeit gebaute Gotteshaus erinnern heute noch Teile der Unterkirche.
Der würdevolle, Ruhe ausstrahlende romanische Raum wird von der katholischen Gemeinde als Winterkirche genutzt. Die Kirchenführerin ist gern in dem Raum: „Hier kann ich am besten beten“, sagt sie. Vor allem das südliche Seitenschiff der Unterkirche stamme aus der Anfangszeit. Wunderbare Kapitelle zeugen davon. Mitte des elften Jahrhunderts seien die beiden weiteren Schiffe der Unterkirche entstanden. Dabei habe man das höhere südliche Seitenschiff auf die neuen Maße gestutzt, in dem man die Säulen kürzte und die Kapitelle wieder darauf setzte. Aus der frühen Zeit um 1160 stammt auch ein Türklopfer an der Eingangstür der Kirche.

Reste der gotischen Fensterverglasung
Im Hauptschiff der Kirche weist Hofmann gern auf den an der Südseite befindlichen Restbestand der einstigen, um 1320 geschaffenen, farbigen Fensterverglasung hin. Die gotischen Scheiben zeigen die Propheten Daniel, David, Habakuk und einen unbekannten Propheten, aber auch acht Szenen aus der Leidensgeschichte. Leiden, Tod und Auferstehung Jesu stehen auch im Mittelpunkt des barocken Hochaltares (um 1700), der in der Mitte von einem großen Kreuzigungsbild und dem darüber befindlichen Gemälde der Kreuzabnahme Jesu bestimmt wird.
„Herausragend sind auch die von Gertrud Gröninger (1650–1722) aus Paderborn geschnitzten Figuren“, führt Helga Hofmann weiter durch die Kirche und weist auf Darstellungen der Muttergottes, des heiligen Josefs, der Apostel Petrus und Paulus, der Ordenspatrone Benedikt und Scholastika sowie der Bistumspatrone von Halberstadt und Magdeburg, Stephanus und Mauritius, hin. In der Kirche sehenswert sind zudem die Kanzel und die an der Westseite der Kirche über der romanischen Unterkirche befindliche, barocke Schwesternempore mit der Orgel, von der aber derzeit nur der Prospekt steht.
In der Kapelle an der Nordseite des Hauptschiffs können ein spätgotischer Marienaltar, der einst auf der Schwesternempore stand, und weitere gotische Figuren wie die des Erzengels Michael oder der Apostel Petrus und Paulus – über dem Zugang zur Kapelle – angeschaut werden. Auf dem Altarbild der Kapelle an der Südseite der Kirche ist die Geburt Christi dargestellt. Hier steht auch der Taufstein der Kirche.
„Etwa 20 Gottesdiensbesucher kommen hier sonntags zur heiligen Messe zusammen“, sagt Pfarrer i. R. Susyk. Zudem finden von Zeit zu Zeit kleine Gemeindewallfahrten, aber auch Konzerte in der Kirche mit ihrem schönen, sie umgebenden einstigen Klostergelände statt. Die Gemeinde gehört zur Pfarrei St. Marien in Oschersleben.
In den angrenzenden einstigen Klostergebäuden, in denen eine private Internatsschule untergebracht ist, befinden sich Teile des Kreuzganges, der aus dem späten zwölften Jahrhundert stammende Kapitelssaal und barock ausgestattete Räume. In einem Gebäude des benachbarten weiträumigen Wirtschaftshofes gibt es ein privates Museum. Auf dem Hof  steht ein Taubenhaus.

Pfarrer i. R. Rudolf Susyk und die ehrenamtliche Kirchenführerin Helga Hofmann.

Zur Sache: Kloster Hadmersleben
961 wird Kloster Hadmersleben – möglicherweise zunächst ein freiweltliches Damenstift/Kanonissenstift – gegründet. An der Bode und neben der Heerstraße von Halberstadt nach Magdeburg gelegen, gehören 998 zum Kloster 25 Dörfer. 1050 wird eine neue Kirche eingeweiht. 1144/48 erhält das Kloster eine stärkere benediktinische Prägung. 1201 wird die erneut umgebaute Kirche geweiht. ... Ab 1461 wird in dem inzwischen heruntergekommenen Kloster die Bursfelder Reform eingeführt, was zu neuer Blüte führt. 1517 leben im Kloster 78 Schwestern (je zur Hälfte Profess- und Laienschwestern). Während der Reformation treten Schwestern aus, das Kloster bleibt aber katholisch. Nach Niedergang, dem Dreißigjährigen Krieg und einem Brand von 1670 erholt sich das klösterliche Leben wieder. Um 1700 werden Kirche und Klostergebäude barock ausgestattet. 1809 schließlich wird das Kloster in der Säkularisation aufgehoben. Die katholische Gemeinde kann die Kirche, die heute dem Land Sachsen-Anhalt gehört, als Gotteshaus nutzen.

Geöffnet: Apr. bis Okt.: Mo, Mi, Do, Fr 10.30 bis 12, 14.30 bis 17 Uhr, So nach dem Gottesdienst; im Winterhalbjahr stundenweise offen oder nach Vereinbarung, Tel. 03 94 08 / 4 18; Heilige Messe: So 10 Uhr

Von Eckhard Pohl