03.08.2017

Jugendliche aus dem Bistum Görlitz auf Bildungsreise

In Assisi ist Gott etwas näher

Für einige der fast 50 Jugendlichen war die Fahrt nach Assisi eher eine Bildungsreise, für andere Firmnachbereitung – oder beides. Das Leben der heiligen Clara und des heiligen Franziskus wurde an diesem Ort nahe und konkret.


In Assisi waren Jugendliche des Bistums mit ihren Betreuern: Ingrid Schmidt (rechts), Franziskanerpater Lazarus Zukowski und Jugendpfarrer Marko Dutzschke. Er sitzt mitten in der Gruppe der Jugendlichen (hellblaues Hemd mit Träger über der Schulter). | Foto: Diözesanjugendseelsorge


46 Jugendliche aus Görlitz, Wittichenau und Cottbus mit ihren Begleitern reisten vom 22. bis 29. Juli nach Assisi. „Ich wünsche den Jugendlichen, dass sie gute Erfahrungen für ihren Glauben sammeln.“ Diesen Wunsch gab eine Frau aus der Gemeinde den Jugendlichen mit auf den Weg.Auf der Hinfahrt kam es in Bozen zu einem Wiedersehen mit Schwester Ulrike, die viele Jahre in Görlitz gearbeitet hat und jetzt dort lebt.
In Assisi übernahm es Franziskanerpater Lazarus Zukowski aus Görlitz, den Jugendlichen die Heimat des heiligen Franziskus zu erschließen. So lernten sie das Leben des Heiligen buchstäblich von der Wiege bis zur Bahre kennen.
Die wichtigste Vokabel war in diesen Tagen „gelato“ (Eis), denn neben dem geistlichen Programm gab es genügend Zeit, italienisches Eis zu genießen, sich am Abend auf der Piazza mit italienischen Jugendlichen zu treffen, baden zu gehen, die Seele baumeln zu lassen oder sich bei Capture the Flag (ein Gruppenspiel) ordentlich auszupowern.
Hannah Schmuck ist eine Teilnehmerin der Reise. Wie andere auch, wurde sie in diesem Jahr gefirmt. Darum hat sie besonders interessiert, „wie Franziskus zum Glauben gekommen ist“. Hannah hat sich vorgenommen, zu sehen, wie „ich meinen Glauben hier an diesem Ort vertiefen kann. Während der Firmvorbereitung hatten uns die Heiligen Clara und Franziskus auf dem Weg zur Firmung begleitet“. Mit Pater Lazarus ging sie zur Laudes der Franziskaner. „Viel Gesang, viel Fröhlichkeit habe ich bei den Franziskanern erlebt. Ich konnte die italienischen Franziskaner und ihre Lebensfreude kennenlernen. An vielen Orten von Assisi erlebte ich sie, denn sie waren im Stadtbild präsent. Für mich war das ein Zeichen, sie stehen zu ihrem Glauben.“ Sie wäre gern noch länger dort geblieben, „einerseits diese Ruhe, wo man keinen Stress hat, und andererseits ist man nie im Gebet allein. Ich hatte das Gefühl: Dort ist Gott noch etwas näher als hier.“

Das Leben des Franziskus wurde rekonstruiert
Lea Grund haben bisher alle Sommerfahrten der Jugend immer richtig Spaß gemacht. Darum hat sie sich auf die Fahrt nach  Assisi „sehr gefreut. Außerdem war ich gespannt, was es über den heiligen Franziskus und die heilige Clara alles zu erfahren gibt. Pater Lazarus und Pfarrer Marko Dutzschke haben uns in Assisi die Spuren und heiligen Orte der Franziskaner gezeigt und das Leben des Franziskus Schritt für Schritt rekonstruiert. Nicht nur ihre Lebensgeschichten, auch die Orte, an denen Franziskus sich befand, haben mich sehr fasziniert, so die Aussicht in Assisi vom Berg ins Tal, über die vielen interessanten Kirchen, die heute viel prunkvoller sind als zu Franziskus Lebzeiten, bis hin zu der Geburtsstätte des Krippenspiels in Greccio.“
Ihre Schwester Anna sagt: „Mein Highlight der Reise war an unserem letzten Abend in Assisi auf der Piazza del Comune die ausgelassene Stimmung und das gemeinsame Tanzen mit anderen Jugendlichen – einfach so: mitten in der Stadt“. Ebenso kurz bringt es Rebecca Baensch auf den Punkt: „Lockeres, aufgewecktes Land. Diese italienische Stadt wird erst ab 22 Uhr lebendig. Warmes Feeling beim Sonnenuntergang. Die Heiligen: Franz und Clara sind große Persönlichkeiten für die Italiener.“
Sophia Schmidt fasst ihre Eindrücke so zusammen: „Es war eher eine Bildungsreise als Jugendurlaub (das ist nicht negativ gemeint). Dadurch, dass uns ein Franziskaner zu den meisten Orten geführt und uns über diese informiert hat, gewann man beinahe eine persönliche Nähe zum heiligen Franziskus als Person, da er gewissermaßen direkt vor einem stand. Da es mein letzter Jugendurlaub und somit die letzte Fahrt mit meinen besten Freunden war, betrachtete ich alles unter dem Aspekt des Abschiednehmens. Da ich in wenigen Monaten wegziehen und ein ,neues Leben‘ beginnen werde, erkannte ich mich selbst im heilen Franziskus, dessen mutigste Entscheidung es wohl war, alles (so auch alle seine Besitztümer) zurückzulassen und etwa Neues zu beginnen. So muss ich auch Dinge, Menschen und gewohnte Zustände zurücklassen und neu aufbauen. Die starke geistige (und laut Legenden auch darüber hinausgehende) Beziehung zwischen dem heiligen Franziskus und der heiligen Clara / Chiara bewegte mich vermehrt zum Hinterfragen heutiger Strukturen in der Kirche als Institution im Wandel der Zeit (beispielswiese hinsichtlich Zölibat und ,Ehe für alle‘)“, meint Sophia Schmidt.
Für Ingrid Schmidt sind „beeindruckende und intensive Tage, auf den Spuren des heiligen Franziskus, um sein Leben und Denken näher kennenzulernen, zu Ende gegangen, die für den persönlichen Glauben und das Leben als Christ Mut machen. Jeder Tag war mit den verschiedensten Spuren des Heiligen bestückt. So am Ort seiner Taufe, seiner Bekehrung, Einsiedeleien, den Orten, an denen er – bereits blind – seine Regeln schrieb (schreiben ließ), weil immer mehr sich seinem Tun und Denken in der Nachfolge Christi anschlossen. Oder San Damiano, wo Christus zu Franziskus sprach, dort, wo die heilige Clara und ihre Schwestern lebten und an dem der kranke Franziskus den Sonnengesang schuf, wie auch der Ort an dem er starb.“
Das Pilgerprogramm endete auf dem Berg La Verna. Dort soll Franziskus 1224 die Wundmale empfangen haben, die von seiner tiefen Christusfreundschaft zeugen. Die jungen Pilger feierten dort einen letzten Dankgottesdienst in Assisi.

Von Raphael Schmidt