Ohne eine kleine Randnotiz zum Fall „Christian Wulff“ kommen die Nachrichten auch an diesem Wochenende nicht aus.
Wieder werde ich schmerzlich an ein Thema erinnert, dass ich für eine große, unerträgliche Schmierenkomödie halte. Und weil ich sicher sein will, schlage ich im Duden nach. Da erfahre ich, eine Schmierenkomödie sei ein „theatralisches Gebaren, mit dem jemand auf billig, abgeschmackte Weise auf andere zu wirken versucht“ oder ein „niveauloses Stück, dessen Komik auf billigen, veralteten Einfällen beruht“. Eine bessere Zusammenfassung für das Schauspiel der vergangenen Wochen gibt es nicht.
Ich erinnere mich noch gut daran, wie SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles entrüstet feststellte, es sei „unerträglich, dass ausgerechnet der Bundespräsident durch sein Verhalten die Politikverdrossenheit in unserem Land spürbar vorantreibt“. Und ich habe noch den Vorwurf von SPD-Chef Sigmar Gabriel im Ohr, die Bundeskanzlerin trage „hier eine ebenso große Verantwortung“, weil Christian Wulff ihre „Personalentscheidung“ gewesen sei. Es kann sein, dass ich unser politisches System immer noch nicht ganz durchschaue. Dass der Bundespräsident aber von der Bundesversammlung gewählt wird, habe ich schon in der Schule gelernt. Oder will Sigmar Gabriel andeuten, dass die Wahl zum höchsten Amt in unserem Land nur noch ein Schauspiel für das Volk ist?
Viele Politiker, die sich im Augenblick in den Medien als Saubermänner und Sauberfrauen präsentieren, kommen gar nicht auf die Idee, dass sie vielleicht nicht die Lösung, sondern Teil des Problems sind. Meine Politikverdrossenheit – und ich gebe zu, ich bin verdrossen – hat wenig mit einer Empörung über Kreditbedingungen und Urlaubsausflüge zu tun. Sie hat viel mehr damit zu tun, dass Politik immer mehr wie eine Schmierenkomödie daher kommt, in der an Stühlen gesägt wird, um sich den eigentlichen Problemen nicht stellen zu müssen. Horst Köhler war mit der Begründung zurückgetreten, er vermisse den Respekt vor seinem Amt. Er hatte Recht; wenn es im Namen der Freiheit – welcher Freiheit auch immer – keinen Respekt mehr vor Menschen und Ämtern gibt, wird es in Zukunft schwer werden, gute Kandidaten zu finden. Ich will nicht in einem Land der Schmierenkomödien leben. Ich will Politiker, die mir eine überzeugende Vorstellung von der Zukunft geben. Ich will Politiker, die nicht nach Mehrheiten schielen, sondern über Parteigrenzen hinaus um die besten Lösungen streiten. Allen, die den Fall „Christian Wulff“ wirklich lösen wollen, kann ich eine Stelle aus dem Matthäusevangelium empfehlen (Matthäus 18,15–20). Hoffentlich gibt es solche Menschen noch.
Kaplan Marko Dutzschke, Cottbus