16.11.2017

50. Geburtstag der Cottbuser Christuskirche

„Ihr seid die Wände Gottes“

In der Cottbuser Christuskirche gehört das Handwerkliche als fester Bestandteil zum Christsein, aber: „Christus ist der Eckstein“ – dies wurde bei der Feier des 50. Geburtstages des Gotteshauses deutlich.


Maurerkelle, Bauhelme und Steine – in der Christuskirche in Cottbus wurde das 50. Jubiläum gefeiert. | Foto: Heinz-Gerd Kretschmer


„Ein Haus voll Glorie schauet“,  so klingen die ersten Textzeilen in der vollbesetzten Cottbuser Christuskirche am vergangenen Sonntag. Beim Festgottesdienst zum 50. Weihejubiläum der Kirche drängen sind rund 280 Besucher in die Bänke. Viele von ihnen sind der Kirche, ihrer Kirche, in besonderer Weise verbunden, haben sie doch selbst Hand angelegt, um sie vor 50 Jahren wieder instand zu setzen.
Einer von ihnen ist Michael Banaszkiewicz, langjähriger Seelsorgehelfer der Gemeinde. „Wir haben nicht nur zusammen Gottesdienst gefeiert, wir haben zusammen angepackt, haben uns gegenseitig mit dem Hammer auf den Finger gehauen, so ist eine Gemeinschaft entstanden“, erinnert er sich an die Zeit des Umbaus 1967. In der DDR war es für die Cottbuser Gemeinde schwer, Unterrichtsräume zu finden, eine neue Kirche für die wachsende Südstadt zu bauen, geradezu unmöglich. Also erinnerte man sich an die 1850 erbaute, seit 1930 aber nicht mehr genutzte Christuskirche an der heutigen Straße der Jugend. Der Bau stand leer, gehörte aber immer noch der Kirche. Also packten die Katholiken einfach an. Der Genehmigungs-Marathon mit den staatlichen Behörden entwickelte sich zu einem stetigen Katz-und-Maus-Spiel. Aus der ursprünglichen Erlaubnis, Sakristei und Heizung unter den alten Kirchenraum graben zu dürfen, machten die Cottbuser Christen gleich noch ein paar  Unterrichtsräume und einen Gemeindesaal. Glück, Gottes Segen und einmal sogar die Russen, die die Träger für den Kirchenboden lieferten, halfen, das alles zu einem guten Ende zu führen.

Das Miteinander hat die Gemeinde geformt
Dass die Gemeindemitglieder selbst Hand angelegt haben, selbst Feldsteine durchbrochen, Fundamente untermauert, selbst eine eigene Nachtspeicherheizung entworfen haben – das ist es, was die besondere Verbundenheit dieser Christen mit ihrer Kirche ausmacht. „Dieses Miteinander hat die Gemeinde geformt“, sagt Michael Banaszkiewicz. Und auch Bischof Wolfang Ipolt sagte in seiner Predigt: „Ich glaube, vor allem bei den Älteren werden Erinnerungen wach.“ „Ein Haus voll Gemeinschaft schauet“, hätte es deshalb auch zu Beginn heißen können.
Einige Steine aus dem Fundament der Kirche stammen aus dem Jahr 1850, in dem auf Initiative des Pfarrers Florian Birnbach aus Neuzelle in Cottbus die erste Kirche „Zum guten Hirten“ geweiht wurde. Das war der Vorgängerbau der heutigen Christuskirche. Um Platz für die größer werdende Gemeinde zu schaffen, wurde 1930 die Marienkirche in unmittelbarere Nähe gebaut. Dorthin wurde alles Kirchengerät der Christuskirche übertragen. Letztere wurde nur noch als Lager benutzt und schließlich im Krieg beschädigt.
1967 entschied der damalige Bischof Gerhard Schaffran, für die Katholiken im stark wachsenden Süden der Stadt Cottbus eine eigene Pfarrkuratie zu errichten. Da erinnerte man sich an die Christuskirche, die in den folgenden Monaten vor allem durch das Engagement der Gemeinde wieder instand gesetzt wurde. Die Innenarchitektur gestaltete Gottfried Zawadzki, Kamenz; schlicht, zweckmäßig, mit Blick auf das Wesentliche. In seinem Buch „Kirchbau heute“ schreibt Pfarrer Gerold Schneider: „Manche Besucher dieser Kirche charakterisierten ihre Innengestaltung als mutigen Versuch. Doch gerade das ist sie nicht; sie ist weder Experiment noch Versuch, sondern beeindruckende Wahrheit. Die Wahrheit hat nicht nur religiöse Gesichtspunkte, sondern reicht bis in soziologische Grundlagen; die Diasporagemeinde besitzt keine Reichtümer.“
Zurück zur 50-Jahr-Feier: Im Anspiel zur Predigt hatten die Ministranten noch einmal die Bauhelme aufgenommen, um eine Mauer zu errichten. Man sieht, das Handwerkliche gehört hier zum festen Bestandteil des Christseins, aber nicht nur. „Christus ist der Eckstein. Durch die Begegnung mit ihm werden wir als Christen umgestaltet“, so Bischof Ipolt. Auch das eine Parallele zum Gebäude der Christuskirche. Die Gemeindemitglieder werden zu „lebendigen Steinen“ – auch das ist in Cottbus gelungen. Michael Banaszkiewicz erinnert etwa an die Ministrantenrunden, über die manch Jugendlicher in den 50er Jahren seinen Weg zu Gott gefunden hat. „Aus dem Miteinander ist Glauben gewachsen“, sagt er. Und so waren beim Festgottesdienst dann auch alle Generationen vertreten, von den kleinen Bauhelfern am Altar bis zu den alten Bauhelfern von 1967.

Lebendige Steine, die Gemeinde ausmachen
„Ein Wort des Dankes an alle, die diese Feier vorbereitet haben“, richtete der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates am Ende. „Ein Wort des Dankes aber auch an alle, die das in den vergangenen 50 Jahren getan haben“, so Hartmut Schirmer. Sie seien zu den lebendigen Steinen geworden, die die Gemeinde ausmachen. Symbolisch gab es für alle Besucher des Festgottesdienstes am Eingang einen kleinen Stein. Er solle eine Erinnerung sein, den Geist, das Miteinander auch in den Alltag zu tragen. „Ihr seid die Wände Gottes und der Geist Gottes wohnt in euch“, spendete Bischof Ipolt am Ende des Gottesdienstes den Segen.

Von Bodo Baumert