04.09.2012

Ich bin wieder hier

Luise Binder aus Leipzig war ein knappes Jahr Freiwillige der Kolpingjugend-Gemeinschaftsdienste in Tansania. Regelmäßig hat sie an dieser Stelle von dort berichtet. Heute schreibt sie zum letzten Mal – über ihre Rückkehr:

Zurück in Leipzig: Wiedersehen mit dem großen „kleinen Bruder“.

Eine Taxifahrt, zwei Flüge und dann noch ganz knapp in den Zug und schwupp war ich wieder in Leipzig. Empfangen von der großen Familie am wohlbekannten Promenadenhauptbahnhof wirkten die ersten Neuheiten auf mich. Mein Bruder, vorher kleiner als ich, bekam einen Wachstumsschub verpasst und überragt seine „große“ Schwester nun um einiges. Bei diesem Anblick erschrak ich in aller Öffentlichkeit, von seiner neuen Stimmlage mal ganz abgesehen!
Eh ich mich versah saß ich in der heimischen Küche und schwatzte mit den Eltern. Kulturschock? – ganz ehrlich: nein. Alles war vertraut und normal. Ist doch klar, dass hier viele Dinge ganz anders sind als in Tansania! So fühlte und dachte ich. Als ich dann jedoch wieder in meinen vier Wänden im kuscheligen Bett lag, überkam mich erstmals der Schwindel. Es fühlte sich so komisch und irgendwie auch nicht richtig an, hier zu liegen. Trotz Müdigkeit kämpfte ich ein wenig darum einzuschlafen.
Inzwischen sind vier Wochen ins Land gegangen und alle Menschen fragen mich, ob ich mich schon wieder eingewöhnt habe, und meinen, dass das doch sicher schwierig ist. Ja, sage ich, ich habe mich wieder eingewöhnt! Dafür brauchte ich nicht mal einen Tag. Und es war überhaupt nicht schwierig. Es gab gleich wieder so viel zu tun und zu organisieren, Freunde zu treffen, Verwandte wieder in die Arme zu nehmen, das lenkt ab und beschäftigt.
Natürlich muss ich sagen, dass ich jeden Tag an irgendwas aus Tansania denke, dass ich die Gespräche in Kiswahili  und meine Gastfamilie sehr vermisse. Doch, so merke ich, nimmt alles gerade wieder einmal seinen Lauf. Genau wie vor Tansania beginnt nun ein weiterer Lebensabschnitt in einer neuen Stadt für mich, der meine volle Aufmerksamkeit benötigt. Doch bei all den vielen neuen Aufgaben ist sicher: Iguguno ist und bleibt ein wichtiger Teil meines Lebens. Ich werde versuchen, das Dorf wieder zu besuchen und mit aller Kraft für Unterstützung arbeiten. Damit im Hinterkopf, genieße ich nun meine Zeit daheim und sage mir: „Karibu nyumbani!“ (Willkommen zu Hause)
Luise Binder