16.03.2017

Buß- und Versöhnungsgottesdienst in Cottbus

Hoffnungszeichen Osterglocke

Cottbus (mh/kna/epd). Christen in Cottbus feierten einen Buß- und Versöhnungsgottesdienst zum Reformationsgedenken. Bischof Ipolt und Generalsuperintendent Herche hielten eine Dialogpredigt.

Für die Gottesdienstbesucher gab es Osterglocken als Zeichen der Hoffnung auf die Einheit der Christen. | Fotos: Matthias Holluba


Katholische und evangelischen Christen haben am 11. März in der Cottbuser Oberkirche St. Nikolai einen ökumenischen Buß- und Versöhnungsgottesdienst gefeiert. Eingeladen dazu hatten das Bistum Görlitz und der Sprengel Görlitz der Evangelischen Kirchen Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Die beiden großen Kirchen in Deutschland hatten anlässlich des Reformationsgedenkens solche Gottesdienste unter dem Motto „Erinnerung heilen – Jesus Christus bezeugen“ angeregt. Der entsprechende deutschlandweite Gottesdienst in Hildesheim mit Vertretern der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland fand nahezu zeitgleich statt.
Bischof Wolfgang Ipolt und Generalsuperintendent Martin Herche riefen die Christen in einer Dialogpredigt dazu auf, gemeinsam in die Gesellschaft hinein zu wirken. Als Beispiele dafür nannte Ipolt den Schutz des Sonntags, die Sorge für eine Kultur des Lebens – von der Zeugung bis zum Tode sowie das Eintreten für die Schwachen und die Menschen am Rande der Gesellschaft. Der Bischof hob hervor, die Kirche sei nicht bloß ein Verein „all derer, die eben religiös sind“. Bei Versammlungen unter Christen gehe es um die Gegenwart Jesu. Dies sei für ihn das Verbindende, wenn die Kirchen „in ökumenischer Gemeinsamkeit des Ereignisses der Reformation gedenken“. Jedoch dürften die Verletzungen, die sich die Kirchen in der Vergangenheit gegenseitig zugefügt hätten, nicht vorschnell verdeckt werden, betonte Bischof Ipolt. „Sie können schneller heilen, wenn sie offengelegt werden.“
Die Christen seien von Kontrahenten zu Verbündeten geworden, unterstrich Generalsuperintendent Herche. Die gemeinsame Botschaft laute, „Versöhnung ist möglich!“ Er dankte insbesondere den konfessionsverbindenden Ehepaaren, die durch ihr Glaubenszeugnis einen großen Dienst auf dem Weg zur Einheit der Kirchen leisten. Zwei dieser Ehepaare gestalteten den Gottesdienst mit.
Als Zeichen für die Verwundungen, die Christen verschiedener Konfessionen sich zugefügt haben, wurden von den Gottesdienstteilnehmern kleine Steine zum Altar gebracht. Nachdem diese dort niedergelegt waren, erhielt jeder eine Osterglocke als Zeichen der Hoffnung mit Blick auf die Einheit der Christen.

Die Dialogpredigt im Internet

Auf dem Altar werden Steine als Zeichen für die Verwundungen zwischen den Konfessionen abgelegt.

Nachgefragt: „Es gibt ein sehr gutes Miteinander“
Generalsuperintendent Martin Herche und Bischof Wolfgang Ipolt über das ökumenische Miteinander in der Lausitz: „Ganz anders. Die Reformation in der Oberlausitz“ wird eine Ausstellung in Zittau heißen. Was ist bei Ihnen reformationsgeschichtlich „ganz anders“?

Herche: Die Oberlausitz gehörte zum Zeitpunkt von Luthers Thesenanschlag noch für ein gutes Jahrhundert zum katholisch regierten Königreich Böhmen. Aber der König war weit weg. Der Status als Nebenland der böhmischen Krone hat der Oberlausitz Spielräume eröffnet. So gelang es den politischen Akteuren beider Konfessionen, aus der Region ein bikonfessionelles Territorium zu machen.

Wie erleben Sie heute die Ökumene im Sprengel und im Bistum Görlitz?

Ipolt: In den katholischen Gemeinden unseres Bistums gibt es bewährte ökumenische Kontakte insbesondere zu den evangelischen Gemeinden. Ich denke da an den Weltgebetstag oder ökumenische Gottesdienste zu bestimmten Anlässen. Die Zusammenarbeit zwischen uns in der Kirchenleitung empfinde ich als sehr gut und von gegenseitigem Respekt getragen und ich hoffe, dass dieses Jahr des Reformationsgedenkens auch im Nachklang gute Früchte tragen wird.

Herche: Ich stimme Bischof Ipolt zu, es gibt wirklich ein sehr gutes Miteinander. Das zeigt sich zum Beispiel auch in der gemeinsamen Hospizarbeit in Görlitz oder in der Entstehungsgeschichte des Evangelischen Gymnasiums in Cottbus, die Vertreter beider Konfessionen gemeinsam geschrieben haben. Spannend wird es ja demnächst in Neuzelle, wenn die Zisterzienser-Mönche dort einziehen werden. Da kann sich die Ökumene noch einmal ganz anders bewähren. Ich wünsche dem Bistum, dass diese Klosterneuansiedlung zum Segen für die ganze Region werden kann.

Generalsuperintendent Herche und Bischof Ipolt.

Bei ihrem Besuch in Jerusalem im Herbst haben der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland „aus Rücksicht auf die Gastgeber“ – wie es hieß – vor dem Besuch des Felsendoms ihre Bischofskreuze ablegt. Wie erkennbar soll der christliche Glaube auch in seiner Symbolik in einer weithin entkirchlichten Umgebung sein und bleiben?

Ipolt: Ich gebe zu, dass ich es nicht glücklich fand, dass die beiden Bischöfe ihre Kreuze vor dem Felsendom abgelegt haben. Ich persönlich hätte wohl auf den Besuch des Felsendomes verzichtet, wenn man dies von mir verlangt hätte. Auch viele Mitchristen haben sich übrigens daran gestoßen.

Herche: Im Blick auf die „Kreuzabnahme“ in Jerusalem war bei vielen das Unverständnis auch deshalb so groß, weil sie sich daran erinnert haben, wie in der DDR-Zeit Mut dazu gehörte, das Kugelkreuz als Bekenntniszeichen der Jungen Gemeinde zu tragen.

Ipolt: Christlicher Glaube war von Anfang an ein öffentliches Bekenntnis – nicht etwas Geheimes. Das zeigt vor allem die Geschichte der Märtyrer in der frühen Kirche, aber auch der Bekenner unserer Tage. Erkennbar muss der Glaube bleiben vor allem durch Menschen, die ihn leben und sich – wenn nötig auch öffentlich und profiliert – zu ihm bekennen. Menschen, die gläubig sind, haben schon immer auch Erinnerungszeichen für ihren Glauben sichtbar gemacht. An erster Stelle sind da unsere Kirchen zu nennen, sie sind Orte der Gottesverehrung und zeigen mit der Spitze des Turmes zum Himmel: ein Hinweis auf das Ziel unseres Lebens. Aber auch Kreuze am Wegesrand, Gedenksteine, kleine Kapellen oder Heiligenfiguren und Kreuzwegstationen, die im Freien aufgestellt wurden, um an den Glauben zu erinnern und zum Gebet einzuladen. Gerade in unserer entkirchlichten Gegend brauchen solche Zeichen natürlich auch ab und zu eine Deutung und Hilfe zum Verstehen. Ich fände es schade, wenn solche Zeichen verschwinden, nur weil derzeit eine Mehrheit nicht mehr gläubig ist.

Herche: Mir ist es wichtig, dass wir Christen durch unsere Haltung, in der wir unseren Mitmenschen begegnen und durch unser Wort- und Tatzeugnis erkennbar sind. Es ist unsere Berufung, im Geist der Nächstenliebe zu leben und zu handeln. Das soll man uns abspüren können. Dann sind aber auch sicht- und hörbare Zeichen wichtig. Die Kirche muss im Dorf bleiben, sagen mir viele. Und wenn es in einem Ort um die Erneuerung der Glocken geht, ist die Spendenbereitschaft immer ganz groß. Das ist nicht zufällig so.

Fragen: Bettina Bertram