09.11.2017

St. Georg Hettstedt ist nun pfarrerlose Pfarrei

Hoffnung für die Gemeinden

Bischof Gerhard Feige hat einem Pfarreileitungsteam die Verantwortung für die Seelsorge in der Pfarrei St. Georg Hettstedt übertragen. Damit leiten vier Gemeindemitglieder unter Moderation eines Priesters die pfarrerlose Pfarrei.


Die Mitglieder des neuen Leitungsteams der Pfarrei Hettstedt, Meinolf Thorak, Simone Thorak, Annette Stezycki, Johannes Zülicke und Egbert Grodofzig werden von Bischof Gerhard Feige bei ihrer Beauftragung gesegnet. | Foto: Eckhard Pohl


Bischof Gerhard Feige hat für die Pfarrei St. Georg Hettstedt ein Pfarreileitungsteam eingesetzt. Bei einem festlichen Gottesdienst am 5. November in Klostermansfeld, das zur Pfarrei Hettstedt gehört, beauftragte er Annette Stezycki (57), Simone Thorak (53), Egbert Grodofzig (51), Meinolf Thorak (56) und als Moderator den Ascherslebener Pfarrer Johannes Zülicke (40) zunächst bis zum 31. Dezember 2018 mit der Leitung der Pfarrei. Dies ist nach Canon 517 Paragraph 2 des Kirchenrechts möglich, wenn für eine Pfarrei wegen Priestermangels kein eigener Pfarrer zur Verfügung steht.

Glaubensbekenntnis, Segen und Beauftragung
Während des Beauftragungsritus bekannten sich die Mitglieder des Leitungsteams vor dem Bischof im Credo zu ihrem Glauben und bekundeten ihre Bereitschaft, den Dienst in der Kirche für die Schwestern und Brüder zu übernehmen. Nach einem Gebet für das Team überreichte der Bischof jedem Mitglied seine Beauftragungsurkunde. Im Anschluss zeichnete er den zwei Frauen und drei Männern ein Kreuz auf die Stirn und übergab dem Team für seine Arbeit eine Kerze. Egbert Grodofzig gab im Namen des gesamten Teams mit einer weiteren, größeren Kerze das Licht an das Kind Anna Ortwein weiter, die es stellvertretend für alle Gemeinden und Einrichtungen der Pfarrei entgegennahm.
Vor der Beauftragung hatte der Bischof das neue Leitungsteam und alle, die mit ihm in der Pfarrei Hettstedt Verantwortung für die Seelsorge übernehmen, in seiner Predigt für ihren Dienst ermutigt. Angesichts des Priestermangels seien in der Pfarrei Hettstedt jetzt Veränderungen nötig, „wie sie in Zukunft auch andernorts eintreten und notwendig werden“. Die damit einhergehenden Fragen und Ängste wolle er niemandem ausreden, so der Bischof vor der versammelten Gemeinde. „Es wird Ihnen tatsächlich etwas zugemutet. Und es wird unserem ganzen Bistum etwas zugemutet, wenn wir sehen, dass es immer weniger Priester und Diakone gibt, aber auch andere pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen.“ Hinzu komme die schwierige Bevölkerungsentwicklung in der Region. „Das geht an die Substanz. Da gilt es, sich die Not einzugestehen“. Gleichzeitig aber gelte es, sich „mit dieser Not vertrauensvoll an Gott zu wenden“, so der Bischof. Denn diese Zumutung habe „letztendlich mit Gott zu tun“. „Ganz entscheidend kommt es jetzt darauf an, dass wir Gott zuhören, dass wir gemeinsam zu entziffern suchen, was er mit Ihnen und uns vorhat.“
Wenn er Gemeindechristen beauftrage, die Verantwortung für die Seelsorge zu übernehmen, sei das „keine Notlösung, weil es eben keinen Pfarrer mehr gibt“. „Es liegt vielmehr in der Logik der Taufe, mit der Ihnen und uns allen der Heilige Geist geschenkt worden ist. Und es folgt der Spur des Zweiten Vatikanischen Konzils, das uns diese Geistbegabung wieder neu vor Augen führen will“, so der Bischof. Und weiter: „Gott mutet uns allen zu, zu entdecken, aus welcher Hoffnung wir leben und wie diese Hoffnung im Leben einer Pfarrei dann eine konkrete Gestalt finden kann. Das neue Team wird vor allem auch dafür stehen und Sie dazu ermutigen, das zu tun, wozu Sie alle berufen sind“, so der Bischof vor der Gemeinde. Dem Team selbst versprach der Bischof die weitere Begleitung und Unterstützung durch das Ordinariat.

Schritt für Schritt die Aufgaben schultern
„Wir müssen uns nun als Team finden und Schritt für Schritt die Aufgaben in Angriff nehmen“, sagt Meinolf Thorak. Dazu gehöre zum Beispiel, wer aus dem Team die Pfarrei nach außen vertritt und ob man sich da gegebenenfalls auch abwechseln werde. Schließlich seien alle Pfarreileitungsmitglieder berufstätig.
Thorak ist wie Egbert Grodofzig gewähltes Kirchenvorstandsmitlied, während Annette Stezyick und Simone Thorak zum Pfarrgemeinderat gehören. Damit bestehe eine gute Verbindung zu den Gremien, die die Entscheidungen für die Pfarrei treffen. „Wir müssen ganz behutsam vorgehen und alle Gemeinden auf dem Weg mitnehmen. Unsere Pfarrei ist ein zartes Pflänzchen, das wachsen muss“, so Thorak.
Zur Pfarrei gehören rund 1500 Katholiken, die auf relativ kleinem Gebiet in Hettstedt, Helbra, Mansfeld, Klostermansfeld, Gerbstedt und anderen Orten wohnen. Als bisheriger stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstands (der Pfarrer ist der Vorsitzende) wurde Meinolf Thorak vom Bischof zum Vorsitzenden berufen. Gemeinsam mit Egbert Grodofzig verwaltet er schon seit einiger Zeit unter dem bisherigen Pfarradministrator Pfarrer Johannes Zülicke, der nun Moderator des Pfarreileitungsteams ist, die Gemeindefinanzen.
In der Pfarrei sind die Gemeindereferenten Teresa und Michael Hofmann im Einsatz und unter anderem – mit viel Zuspruch von nichtchristlichen Kindern – im schulischen Religionsunterricht und überhaupt in der Kinder- und Jugendarbeit aktiv. Die Mitglieder des Pfarreileitungsteams seien „sehr engagierte, richtig gute Leute“, betont Frau Hofmann. Wie die alltägliche Zusammenarbeit der Hauptamtlichen mit dem Leitungsteam aussehen werde, sei noch nicht völlig geklärt und müsse sich in der Praxis erweisen, so die Gemeindereferentin.
Hettstedt ist bereits die zweite Pfarrei im Bistum mit einem Pfarreileitungsteam. Im Januar 2015 hatte Bischof Feige bereits für die Pfarrei Bad Liebenwerda ein entsprechendes Team eingesetzt.

Von Eckhard Pohl