11.09.2011

Höhepunkt des Weltjugendtages

Vigilfeier mit Unwetter und Papst-Gottesdienst

Von "Tag des Herrn"-Redakteurin Dorothee Wanzek

Nach und nach trudeln die Pilger der Magdeburger Gruppe wieder an unserem vereinbarten Treffpunkt ein, dem Sportzentrum, in dem wir während der Tage in Madrid untergebracht waren. Auch wenn es am entgegengesetzten Ende der Stadt wie der Flugplatz Cuatro Vientos, auf dem wir die zurückliegenden anderthalb Tage verbracht haben, werden die Busse von hier starten, um den großen Weltjugendtagsstau zu meiden.

Aufregende und anstrengende Stunden liegen hinter uns. Bei schwülen 40 Grad sind wir gestern an unserem WJT-Territorium eingetroffen. Auf dem Weg durch ein Wohngebiet freuten wir uns über Spanier, die aus oberen Etagen Wasser aus Eimern, Schüsseln und Schläuchen auf uns kippten. Unterwegs bemerkten wir bereits, dass die Rettungssanitäter der großen Zahl von kollabierenden Jugendlichen auf dem wüstenähnlichen Gelände nicht Herr werden konnten. Als wir für eine Pilgerin aus einer Gruppe, die angesichts der großen Menschenmassen Panik befiel, Hilfe suchten, wurden wir mit dem Hinweis auf schwerere Fälle vertröstet. Als wir an unserem Feld C5 eintrafen, verwehrten uns Polizisten und Helfer den Einlass. Das Terrain sei bereits überfüllt, wir sollten uns in weiter hinter liegenden Blocks Plätze suchen. So schnell wollten wir uns mit dieser Information nicht abfinden. Nachdem wir ja schon einige Tage mit spanischer Meinungsänderungsfreude Bekanntschaft gemacht hatten, harrten wir einfach vor dem Block aus. Tatsächlich wurden nach einiger Zeit einige weitere von uns eingelassen, riefen uns aber über das Absperrgitter zu, dass es sehr schwierig sei, noch Liegeplätze zu finden, auf denen man seine Isomatte ausbreiten könnte. Wir beschlossen, uns aufzuteilen und in kleineren Gruppen Platz zu suchen. Immer wieder werden wir von anderen Pilgern, die sich bereits häuslich niedergelassen haben, teilweise sogar mit Zelten, abgewiesen. Kein Platz, heißt es lapidar, wir warten hier schon länger als ihr - auch wenn wir den Eindruck haben, dass man mit etwas gutem Willen noch gut ein bisschen zusammenrücken konnte. Schließlich finden wir an verschiedenen Orten Menschen, die Erbarmen mit uns haben oder die sich ob unserer Hartnäckigkeit geschlagen geben. Damit verlieren wir die anderen Magdeburger aus den Augen und werden sie – hoffentlich alle - erst nachher bei der Abfahrt der Busse wiedersehen. Nachdem wir uns niedergelassen haben, Isomatte an Isomatte, um die Pilger, die uns eigentlich nicht mit aufnehmen wollten, nicht unnötig zu verärgern, ziehen Wolken am Himmel auf. Eine kleine Abordnung zieht los, um uns mit Trinkwasser und Pilger-Lunchpaketen zu versorgen. Es dauert lange, bis sie wiederkommen. Unterdessen werden die Wolken immer dunkler. Wir stellen uns auf Regen ein, ziehen die Müllbeutel, die wir als Unterlage für die Matten gedacht hatten, hervor. Menschen, die auf der Altarinsel agieren, sieht man von uns aus als kleine Punkte. Auf weit entfernten Bildschirmen kann man das Geschehen einigermaßen verfolgen, wenn nicht gerade Transparente oder Fahnen davorgehalten werden. Kurz nachdem die Vigilfeier begonnen hat, fegen erste Böen über uns hinweg. Etwas später folgen schwerere Böen, Blitz und Donner und ein längerer Regenguss. Es ist unmöglich, dass mehr als eine Million Pilger kurzfristig Unterschlupf finden. Deshalb hilft sich jeder, so gut er kann. Ich liege mit drei Jugendlichen flach auf dem Boden unter einem aufgerissenen Müllsack, den wir an den Seiten festhalten und abwarten, bis das Schlimmste vorüber ist. Wir singen und beten, um eine der Jugendlichen zu beruhigen, die Gewitterangst hat. Die Vigilfeier ist unterdessen unterbrochen. Als wir unter der Folie hervorkriechen, sehen wir, dass der Sturm Aufbauten an einem Einlasspunkt in unserer Nähe umgekippt hat. Wie wir heute morgen hören, soll es Verletzte gegeben haben. Auch einige Feldkapellen, an denen heute die Kommunion ausgeteilt werden sollte, sind zerstört. In offensichtlich abgekürzter Form geht die Vigil weiter. Ein warmer Wind trocknet unsere Kleider, trägt aber auch die Worte davon, die durch die Lautsprecheranlagen übertragen werden. Auch wenn immer wieder etwas Regen fällt, kriechen die meisten früh in ihre Schlafsäcke und schlafen in der frischen Luft besser als in den Nächten zuvor in der Turnhalle. Wir sind froh, die vergangene Nacht miteinander so gut überstanden zu haben.

Wir wachen zwischen Müllbergen auf. Einige von uns wagen es, sich mehr als eine Stunde lang durch eine unüberschaubare Menschenmenge zu einer der Dixie-Toiletten zu schieben. Es beginnt die feierliche, mehr als zwei Stunden lange Messe mit Papst Benedikt, der die Jugendlichen warmherzig begrüßt und immer wieder von der Hoffnung spricht, die er in jeden einzelnen setzt. In seiner Predigt ermutigte der Papst sie, dort wo sie leben, mutige Zeugen des Glaubens zu sein. Er erinnerte an den heiligen Petrus, auf dessen Glaubenszeugnis Jesus die Kirche gegründet habe und forderte sie auf, selbst ihr „Ja“ zu Gott so zu bekräftigen, dass Gott darauf bauen kann. Erschöpft, verwundert über manche organisatorischen Defizite, aber dankbar für das gemeinschaftliche Erlebnis suchen die meisten Magdeburger den Rückweg zur Metro. Überraschend bekommen sie die Möglichkeit, in „ihrem“ Madrider Sportzentrum noch einmal zu duschen – selten haben sie sich so über eine Dusche gefreut. Die Dankbarkeit über Kleinigkeiten ist in den vergangenen Tagen immens gewachsen.