Himmlischen Glanz verspricht uns derzeit die Gemäldegalerie Alte Meister im Semperbau am Dresdner Zwinger. Wenigstens kunsthistorisch dürfte das stimmen.
Anlässlich des Besuches von Papst Benedikt XVI. ist die „Madonna di Foligno“ aus der Pinacoteca Vaticana nach Deutschland gekommen. Damit haben sich nach beinahe 500 Jahren zwei sehr alte Geschwister wieder gefunden, die „Sixtinische Madonna“ und die „Madonna di Foligno“ von Raffael.
Beide Bilder werden zusammen mit anderen berühmten Madonnendarstellungen aus der Zeit Raffaels gezeigt. Einen Besuch dieser Ausstellung habe ich mit einem ausgedehnten Spaziergang durch die ganze Sammlung verbunden. Es ist interessant, wie christliche Themen die Alten Meister bestimmen. Ob dahinter allerdings tiefe Frömmigkeit steckt, wage ich zu bezweifeln. Es dürfte einfach das Bildprogramm gewesen sein, für das Künstler in jener Zeit Abnehmer fanden. Doch für den Augenblick war mir das egal und ich genoss die wunderschönen Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament.
Zurück in Cottbus wird mir schon wieder himmlischer Glanz versprochen. Diesmal vom örtlichen Einkaufszentrum beim großen Weihnachtsshopping. Ich ahne, dass auch dort eine Enttäuschung auf mich wartet, wenn ich mir zu große Hoffnungen mache. Der vorweihnachtliche Glanz hat nichts Himmlisches. Er besteht aus unzähligen Lichtern, Plastebäumen, Sternen und Kugeln in allen Größen und Farben. Auch die Gesichter glänzen eigentlich nur dann, wenn das nächste Geschenk im Kasten oder besser in der Einkaufstüte gelandet ist. Zum Glück steht vor dem Zentrum ein barmherziger Crepeverkäufer, der auch mir mit seinen süßen Eierkuchen ein Lächeln ins Gesicht zaubert.
Am Nachmittag bin ich im Krankenhaus unterwegs, um ein paar Besuche zu machen. Dort verspricht mir niemand himmlischen Glanz, da möchte auch kaum einer freiwillig hin. Aber ausgerechnet da werde ich fündig. Im Foyer steht eine große alpenländische Krippe. Ausnahmsweise funkeln im Hintergrund keine Lichter und niemand will mir etwas verkaufen. Ich bin neugierig und stelle mit einem leisen Klopfen gegen den heiligen Josef fest, dass es sich um billige Plastefiguren handelt, auch künstlerisch also nicht gerade ein Ereignis. Und doch ist hier mehr Glanz zu finden, als im Dresdner Zwinger und im Cottbuser Shoppingcenter zusammen. Ich habe das Gefühl, da gehört eine Krippe hin. Gott ist Mensch geworden, um bei denen zu sein, die ihn brauchen. Ob Eltern, die ihre Kinder ins Krankenhaus bringen, etwas davon spüren, wenn sie Maria und Josef sehen? Ob Menschen, die mit bangem Herzen auf ihre Diagnose warten, getröstet werden, weil sie sehen, dass das Kind in der Krippe ihre Armseligkeit teilt? Ich kann es nicht sagen. Aber ich bin sicher, wenn wir Christen eine Aufgabe haben in dieser Welt, ist es diese: Wir sollen etwas aufscheinen lassen, von der Herrlichkeit Gottes, die in Jesus Christus zur Welt gekommen ist.
Kaplan Marko Dutzschke, Cottbus