02.05.2015

Kommentar

Gute Erfahrungen

Von Ulrich Waschki

Gott vielleicht, Gottesdienst auf keinen Fall. So lassen sich die Statements von Jugendlichen zusammenfassen, die wir zu ihrem Glauben befragt haben. Hört man diese Jugendlichen und schaut in den Alltag vieler Kirchengemeinden, kann einem bange werden. Ohne Jugend keine Zukunft. Doch immer weniger Jugendliche lassen sich von kirchlichen Angeboten erreichen. 

Schon vor 20 Jahren war es nicht leicht, angesichts von Fußballtraining, Musikschule und Nachhilfe Termine für Gruppenstunden zu finden, Kinder und Jugendliche für Glauben und Kirche zu begeistern. Heute gibt es noch mehr Freizeitangebote, die Schule nimmt noch mehr Zeit ein. Es wird noch schwerer, zumal der soziale Druck, sich kirchlich zu engagieren, nicht mehr vorhanden ist. Kirche ist ganz und gar freiwillig. Das ist gut so, aber macht zugleich das kirchliche Leben schwer.

Vielleicht hilft ein ehrlicher Blick auf die Gründe, warum sich frühere Generationen als Kinder und Jugendliche von der Kirche ansprechen ließen. Das war bei den meisten auch vor 20 oder 40 Jahren nicht das tiefe Gotteserlebnis in der schwer zu verstehenden Liturgie. Das war oft zunächst das Gruppenerlebnis: Als junges Mädchen wegen der Maiandacht auch abends das Haus verlassen zu dürfen und Freundinnen zu treffen, als Jugendlicher in der Vorabend-messe Freunde zu treffen und
die Verabredung für den Sams-
tagabend zu regeln. Die Glaubenserfahrung kam dazu. In jugendgemäßen Ausdrucksformen, in Ferienlagern. Und durch persönliche Beziehungen zu Glaubensvorbildern.

In die heutige Zeit lässt sich das alles viel schwerer übertragen. Das kann aber kein Grund sein, gleich alle Anstrengungen sein zu lassen. Verabschieden müssen wir uns sicher davon, dass es in jeder Gemeinde, an jeder Kirche Jugendarbeit geben kann. Wie viel Bekennermut erwartet man von Jugendlichen, wenn sie fast die einzigen Gottesdienstteilnehmer ohne graue Haare sind?

Verabschieden müssen wir uns sicher auch von irgendwelchen Hoffnungen auf „Erfolg“ – das lindert den Frust. Und von der Bewertung, etwa dass Erstkommunion- und Firmvorbereitung sinnlos sind, weil die Kinder und Jugendlichen anschließend nicht mehr in der Kirche auftauchen. Es kann nur um Angebote gehen. Darum, zu zeigen, dass es im Leben mehr gibt, als die Konsum- und Leistungsgesellschaft uns anbietet. Und wer weiß – vielleicht erinnert sich mancher als Erwachsener an gute Erfahrungen, die er als Kind oder Jugendlicher mit der Kirche hatte.