12.10.2017

50 Jahre Vinzentinerin

Gott geht alle Wege mit

Wer heute in einen Orden eintreten will, der sollte zuerst mehrere Gemeinschaften kennenlernen und prüfen, so der Rat von Schwester Franka Both. Sie selbst ist seit 50 Jahren Vinzentinerin.


Schwester Franka Both, die 1966 bei den Vinzentinerinnen eintrat. | Foto: Christine Bose


„Schwester, bitte beten Sie für mich.“ Wie oft Schwester Franka Both vom Orden der Paderborner Vinzentinerinnen dieser Patienten-Bitte nachgekommen ist, vermag sie nicht zu sagen. Denn als Krankenschwester im Ordenskleid, stationär tätig in der Chirurgie und Unfallchirurgie, war und ist sie häufig auch die erste geistliche Ansprechpartnerin für die Kranken. Heute arbeitet die „Ruheständlerin“ noch an zehn Tagen im Monat auf Station im Eichsfeld Klinikum, Haus St. Vincenz Heiligenstadt. Ausgebildet wurde sie auch in Hauswirtschaft, hat Heimkinder betreut.
Schwester Franka stammt aus einer katholischen Familie, die, aus der ostpreußischen Diaspora kommend, nach dem Krieg ihre zweite Heimat in Thüringen fand. Bei ihrer Arbeit im Bonifatiusstift Neustadt/Eichsfeld, damals ein Kinderheim, lernte sie die Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vincenz von Paul zu Paderborn kennen. Von deren Wirken war die junge Frau so angetan, dass sie 1966 in den Orden eintrat. Eingekleidet wurde sie nach einjährigem Postulat 1967.
Bis heute fühle sie sich bei ihrer Lebensform getragen von der Zusage Jesu aus dem Matthäus-Evangelium: „Ich bin bei Euch alle Tage, bis zum Ende der Welt (Mt 28,20). Und sie führt die Worte des Jesuitenpaters Alfred Delp an: „Gott geht alle Wege mit.“ Dankbar erzählt sie vom Leben im kleinen Heiligenstädter Konvent mit drei Mitschwestern, ihren gemeinsamen Gebeten und Meditationen und von der Begegnung mit Christus in der Eucharistie.
Vieles hat sich verändert, seit Schwester Franka vor fünfzig Jahren dem Orden beitrat. Damals gehörten die Paderborner Vinzentinerinnen mit rund 2000 Schwestern zu den größten Ordensgemeinschaften Deutschlands. Heute sind es nur noch knapp 200. Dennoch verweist sie optimistisch auf die Überzeugung des heiligen Vincenz von Paul: „Wenn nur Gottes Werk getan wird, ist es gleichgültig, mit wem.“ Ihre Meinung: „Viele Menschen tun Gutes, ohne einem Orden anzugehören.“ Sie weist außerdem auf die aktuelle Situation im St. Johannesstift Ershausen/Landkreis Eichsfeld hin. Als dort die letzten Paderborner Vinzentinerinnen in den Ruhestand verabschiedet wurden, nahmen indische Ordensfrauen deren Platz ein. Jungen Menschen, die sich mit dem Gedanken tragen, einem Orden beizutreten, rät sie unbedingt, einen solchen Schritt nicht nur theoretisch zu erwägen, sondern im Kloster auf Zeit praktische Erfahrungen zu sammeln, am besten in mehreren Klöstern.
Der 21. Oktober wird für Schwester Franka ein besonderer Tag sein: Im festlichen Gottesdienst, um 10 Uhr, mit Bischof emeritus Joachim Wanke wird sie ihr Goldenes Ordensjubiläum begehen. Selbstverständlich in der Krankenhauskapelle, denn im Haus St. Vincenz Heiligenstadt ist seit 1971 ihr Platz zum Wohle der Patienten.

Von Christine Bose