07.12.2017

Pastoralkonferenz in Erfurt

Gott begegnen in der Bibel

Die neue Einheitsübersetzung der Bibel war Thema einer Pastoralkonferenz in Erfurt. Neben Informationen zur Überarbeitung standen Anregungen im Mittelpunkt, die das Bibellesen leichter machen.


Biblische Figuren helfen, die Botschaft der Heiligen Schrift zu erschließen. | Fotos: Holger Jakobi


„Sie bleibt ihre Einheitsübersetzung. Behaltet die alten Ausgaben und lest vergleichend. Die neue Einheitsübersetzung ist keine neue Übertragung, sie ist eine Revision.“ So Dr. Bettina Eltrop vom Katholischen Bibelwerk Stuttgart zur Pastoral-Konferenz des Bistums Erfurt. Eltrop regte Pfarrer, Gemeindereferenten und alle pastoralen Mitarbeitern dazu an, sich immer wieder neu mit der Bibel zu befassen. Aus ihr heraus könne der Glaube wachsen und Kraft für das christliche Leben geschöpft werden.

An vielen Stellen poetischer und klarer
Die neue Einheitsübersetzung benannte sie als Chance für den Text. In der Ausgabe von 1980 endet Psalm 23 beispielsweise so: „Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang / und im Haus des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit.“ 2016 steht dort: „Ja, Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang und heimkehren werde ich ins Haus des Herrn.“ „Nun klingt es poetischer“, betonte Gemeindereferentin Claudia Wanierke aus Ilmenau. Ein anderes Beispiel aus Psalm 65. 1980: „Dir gebührt Lobgesang.“ 2016: „Dir ist Schweigen Lobgesang.“ Weiter änderte sich Psalm 120. Vers sieben lautet 1980 „Ich verhalte mich friedlich; doch ich brauche nur zu reden, dann suchen sie Hader und Streit.“ 2016: „Ich bin Frieden; doch ich brauche nur zu reden, sind sie für Krieg.“ Diese drei Beispiele zeigen, in der revidierten Einheitsübersetzung werden die Bilder deutlicher.
Bettina Eltrop erinnerte an die Grundanliegen der Überarbeitung. Darunter die Nähe zum griechischen Text. Die genauere Verfolgung des griechischen Textes mache den biblischen Klang hörbarer. Umständliche Formulierungen wurden nicht mehr gestrichen. „Sie wirken wie Signale der Aufmerksamkeit für das, was erzählt wird.“ Dies zeigt sich mit Blick auf den Beginn des zweiten Kapitels. 1980: „In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen.  … Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft.“ 2016: „Es geschah aber in jenen Tagen, dass Kaiser Augustus den Befehl erließ, den ganzen Erdkreis in Steuerlisten einzutragen. … Es geschah, als sie dort waren, da erfüllten sich die Tage, dass sie gebären sollte.“ Bei Luther 2017  heißt es hier: „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. … Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte.“

Austausch über das Evangelium zum ersten Advent.

„Lesen Sie den Text mehrmals, auch laut“
Am Nachmittag ging es in Arbeitsgruppen um die möglichen Erschließungswege der Bibel. Bischof emeritus Joachim Wanke informierte unter anderem über die Entstehung und die Grundlagen der neuen Einheitsübersetzung und Dr. Jutta Brutscheck stellte die Arbeit mit biblischen Figuren vor. Bettina Eltrop gab so genannte einfache Hilfen zur Texterschließung.
Sie sagte: „Lesen Sie den Text mehrmals, auch laut, damit er richtig da ist. Seien Sie aufmerksam.“ So zeige beispielsweise das Evangelium des ersten Adventssonntags (Markus, 13, 24 bis 37)deutlich, dass es Gott ist, der dem Menschen nahe ist, dass er vor der Tür steht. Hilfreich, so die Referentin, sei es auch, andere Bibelübertragungen vergleichend zu lesen.
Konkrete Schritte bot Bettina Eltrop so an. Zuerst kommt es auf das Sammeln an. Zu Beginn steht das Gebet. Nun wird der Text gelesen, es folgt ein Moment der Stille, ein Lauschen auf das, was gelesen wurde. Der zweite Schritt steht unter dem Stichwort Begegnen. Im Kurzen Begleittext heißt es dazu: „Ich versuche, den Text, seine Struktur oder seine Bilder möglichst genau wahrzunehmen. Welche anderen Bibelstellen fallen mir zum Text ein? Ich setze den Text in Beziehung zum Leben.“ Schritt drei heißt Weitergehen. Die Bibelstelle wird erneut gelesen. Im Gebet antworte der Lesende Gott. Hierzu heißt es: „Ich verweile aufmerksam in der Gegenwart Gottes und gehe mit neuen Augen ins Leben – dem Wort Gottes auf der Spur.“
Die Vorarbeiten zur Revision der Einheitsübersetzung für den gesamten deutschen Sprachraum begann bereits 1998. 2013 wurden die Arbeiten verschiedener Übersetzer abgeschlossen. 2016 ist die neue Bibel erschienen. 

Von Holger Jakobi