28.09.2017

Anstoss 39/2017

Goldener Oktober und Altweibersommer

Es ist jetzt überall spürbar, es ist Herbst, die Tage werden kürzer und kühler. Herbst ist Erntezeit, ist Zeit der Erntedankfeste, der Volksfeste, der Weinfeste.


Es ist aber auch die Zeit des Abschieds vom Sommer, wo ich mit Freude, aber auch mit etwas Wehmut im Herzen, um den Auensee wandere, der in der Nähe unseres Klosters liegt. Und ich betrachte die Bäume, die noch immer das gelbbraune und rotbraune Laub tragen. Aber bald werden sie ihr Laub verlieren, doch noch trägt jeder Sonnenstrahl die Herbststimmung in mir mit seinen Farben und Gefühlen. Ja, auch der Herbst hat noch schöne Tage, die für mich wie ein Geschenk sind.
Ich wünsche mir die schönen, sonnigen Herbsttage, einen goldenen Oktober, auf dass die Meteorologen ihn verheißen für die kommenden Tage, einen schönen Altweibersommer.
Dabei ist diese Bezeichnung Altweibersommer keineswegs eine Herabwürdigung der älteren Frauen und Damen, sondern diese Namensbezeichnung Altweibersommer kommt aus dem Altdeutschen und bezeichnet das Knüpfen und Weben von Spinnennetzen in der Natur. Durch den frischen Tau in den Morgenstunden sind sie dann durch die Wirkung der Sonnenstrahlen als Spinnennetz deutlich erkennbar. Wie kleine glänzende Fäden glitzern sie in der Sonne. Solche Fäden wurden dann auch liebevoll in Verbindung gebracht mit den silbernen Haarfäden der älteren Damen. Legenden berichten, dass diese Silberfäden des Altweibersommers aus dem Mantel der Gottesmutter Marias stammen, den sie bei ihrer Himmelfahrt trug. Im Volksmund heißen diese weißen Spinnfäden dann zuweilen  auch „Marienfäden“ oder „Marienseide“ oder „Marienhaar“. Wie auch immer die Erklärung sein mag, der Altweibersommer lässt sich in der Natur, im Garten, in Gottes Schöpfung genießen, weil wir erahnen, nach diesen Tagen kommt so mancher dunkle, graue, kühle  Herbsttag.
Lassen Sie mich schließen mit dem ersten Vers des Gedichtes „Oktoberlied“ von Theodor Storm: „Der Nebel steigt, es fällt das Laub; Schenk ein den Wein, den holden! Wir wollen uns den grauen Tag vergolden, ja vergolden!“ 

Pater Josef kleine Bornhorst, Dominikanerkloster Leipzig