07.09.2017

Magdeburger Bistumswallfahrt 2017

Glaube muss politisch sein

Zum Christsein gehört es, zwischen Himmel und Erde zu leben, Gott zu lieben und sich für die Mitmenschen einzusetzen. Um darüber nachzudenken, zu beten und zu feiern, kamen 3000 Christen zur Bistumswallfahrt.


Gegen Ende der Wallfahrt ließen Kinder 40 Luftballons für die 40 Pfarreien des Bistums in den Himmel steigen – als Zeichen dafür, dass Christen „mittendrin – von Himmel und Erde berührt“ leben und wirken. | Fotos: Eckhard Pohl

 

„Mittendrin von Himmel und Erde berührt“ – dieser Lebenswirklichkeit, zugleich Motto der diesjährigen Bistumswallfahrt, war am vergangenen Sonntag auf der Huysburg überall zu begegnen. Zunächst in der Eucharistiefeier mit Bischof Gerhard Feige: In seiner Predigt vor rund 3000 Wallfahrern fast jeden Alters rief der Bischof dazu auf, „der Berufung und Sendung als Christen ein sehr persönliches Gesicht zu geben“. „Wichtigste Aufgabe der Kirche“ sei es, „vielen Menschen zu ermöglichen, nach mehr als nur nach sich selbst zu suchen, und dafür gewissermaßen den Himmel offen zu halten“. Zugleich seien Christen gefordert, „sich öffentlich zu Wort zu melden, wo das Leben und die Würde von Menschen auf dem Spiel stehen“. Von daher verwahre er sich vor jeglichen Versuchen, die Kirche aus der öffentlichen Debatte zu drängen, so der Bischof. Christen könnten etwa „unmöglich schweigen, wenn manche meinen, ein sogenanntes christliches Abendland und seine Werte mit unchristlichen Methoden retten zu wollen“. „Da ist es geradezu unsere Pflicht, in Erinnerung zu rufen, dass es keine Gottesliebe ohne die Liebe zu den Menschen gibt, und zwar zu allen Menschen.“ In diesem Sinne sei der christliche Glaube immer auch politisch.

Gut besucht war ein politisches Forum mit katholischen Bundestagskandidaten aus vier Parteien.

Christsein ist vor allem eine Lebensweise
Feige wünscht sich viele Christinnen und Christen, die sich „in die Politik einbringen und das gesellschaftliche Leben konstruktiv und kritisch mitgestalten“, und zwar in Deutschland und Europa. Christsein sei nicht nur eine Weltanschauung, sondern „auch vor allem eine Lebensweise, und Kirche kein Verein, der lediglich um sich selbst kreist, sondern eine Bewegung und Gemeinschaft, die berufen und gesandt ist, dem Heil aller Menschen zu dienen“.
Katholiken, die sich als Politiker engagieren, waren etwa beim Podium „Mittendrin - politisch - wählerisch“ zu erleben: Heike Brehmer (CDU), Katrin Budde (SPD), Lydia Hyskens (FDP) und Sebastian Striegel (Bündnis 90/Grüne) diskutierten – moderiert von Reinhild Hugenroth – vor der Bundestagswahl aktuelle Fragen. Dabei wurde einmal mehr deutlich, dass Politiker derselben Konfession, aber verschiedener Parteien in fundamentalen ethischen Fragen gegebenenfalls durchaus übereinstimmen, aber im Blick auf konkrete Probleme zu unterschiedlichen Antworten gelangen.
Ebenfalls um die Rolle von Christen in der Gesellschaft, aber im Blick auf die Friedliche Revolution, und um die Situation von Christen in der DDR ging es in einem Gesprächszelt an der Wallfahrtswiese. Altpropst Gerhard Nachtwei und Mitstreiter wollen möglichst vieles aus dieser Zeit für die Nachwelt dokumentieren. Aufrütteln und zum Nachdenken anregen will auch die Aktion „Dein Grundgesetz“ des Diözesanverbandes des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Die gelben, Ortsschildern vergleichbaren Tafeln mit zentralen Stichworten der Verfassung waren überall auf der Huysburg zu entdecken. Bereits seit Beginn des Jahres verweist der BDKJ damit auf wichtige Grundgesetz-Artikel und wirbt für ein engagiertes Verhalten gegen jede Form von Menschen- und Fremdenfeindlichkeit, Intoleranz und Gewalt und für ein faires, die Würde jedes einzelnen achtendes und demokratisches Miteinander in der Gesellschaft.
Gut besucht war das Kindermusical „Zähl die Sterne“ zu Abraham, Isaak und Jakob als Beispiele für das menschliche Unterwegssein zwischen Himmel und Erde. Im Zwischenprogramm stets frequentiert war auch der Kinder- und Jugendbereich auf der Wallfahrtswiese.

Don-Bosco-Schwester Rita Breuer wurde von Bischof Gerhard Feige und vom Team des Fachbereichs Pastoral herzlich verabschiedet.

40 Luftballons – Symbol für die 40 Pfarreien
Um das Mittendrin zwischen Himmel und Erde von jedem einzelnen ging es schließlich in der Abschlussandacht. Auf der Wallfahrtswiese war es sehr still, als Don-Bosco-Schwester Schwester Rita Breuer bei leiser Musik eine Meditation über den „Lebensfaden“ jedes Menschen vortrug. Zuvor waren 40 Kinder für die 40 Pfarreien des Bistums mit Luftballons auf die Wiese gekommen. Am Ende der Meditation ließen sie die Ballons – mit vier weiteren Fürbitten-Ballons sowie Ballons der internationalen Gäste und ihren Gedanken  – als Zeichen des „Mittendrinseins“ in den Himmel steigen. Am Ende der Wallfahrtsstunde wurde besonders Schwester Rita Breuer für ihren Einsatz in der Diözese gedankt. Sie verlässt das Bistum. (Tag des Herrn berichtete.) Auch die Wallfahrtskollekte galt dem Mittendrin von Kirche in der Gesellschaft. Dafür kamen 4916,53 Euro zusammen.
Mehr: www.bistum-magdeburg.de

Von Eckhard Pohl