Fasching in Wittichenau hat Tradition – Generalvikar Zomack krönt diesjähriges Kinderprinzenpaar

General kürt Prinzenpaar

Die Faschingstradition in Wittichenau reicht über 300 Jahre zurück. Heute gibt es kaum einen, der alle Veranstaltungen in diesem Ort vollständig kennt.

Von Raphael Schmidt

Generalvikar Zomack (Mitte) krönte das Wittichenauer Kinderprinzenpaar. Foto: Raphael Schmidt

Wittichenau. „Fasching ist die gesamte Stadt  Wittichenau auf den Beinen. Fast alle aktiven katholischen Christen sind im Karnevalsverein dabei“, sagt Pfarrer Wolfgang Kresak.  Dies verwundert im katholischen Wittichenau nicht wirklich, ist doch Karveval keine atheistische Erfindung. Die vielen Aktivitäten um Fasching aufzuzählen, ist fast unmöglich: Senioren-, Kinder-, Kolping-, Jugendfasching, Rosenmontagsumzug, Kappenabende, Frühschoppen, Maskenball ... Der Weiberfasching wird selbsttragend durch den Verein „Die Hummeln“ organisiert. Bei den Faschingsumzügen durch die Stadt steht neben dem Bürgermeister der Pfarrer auf der Loggia und nimmt die Parade ab. „Natürlich wird bei uns am Faschingssonntag in der Kirche eine Büttenpredigt gehalten“, sagt der Pfarrer der größten katholischen Pfarrei des Bistums. Der Faschingsprinz, seine liebreizende Gemahlin nebst Gefolge gehen an diesem Tag in vollem Ornat in die Kirche zur heiligen Messe. Das ist in Wittichenau normal.

In diesem Jahr, der 307. Saison des Karnevals in Wittichenau, kürte Generalvikar Hubertus Zomack am zweiten Februar im Kindergarten des Christlich-Sozialen-Bildungswerkes das Kinderprinzenpaar.

„Zu meiner Zeit gab es noch keine Prinzen, nur Indianer“

Auch dies hat Tradition in Wittichenau, wird jedoch erst zum 16. Mal durchgeführt. Hubertus Zomack, der als Kind in den katholischen Kindergarten in Wittichenau ging, der von Borromäerinnen geleitet wurde, sagte: „Zu meiner Zeit gab es noch keine Kinderprinzen, nur Indianer“. Unter den wachsamen Augen von Kappenbruder Robert Jakubetz verlas der Generalvikar die Charakteristika des zukünftigen Prinzen. Kinderprinz wurde Niklas Zschorlich aus Kotten. Zwischendurch wurden Spitzen verteilt, wie diese: „Bei Häuserweihen immer am lustigsten, der Pfarrer Kresak (Pause) ist das nicht, der Kaplan Laske“. Als nächstes verlas Hubertus Zomack die Vita der Kinderprinzessin, Nele Semjank aus Wittichenau. Die amtierende „große“ Prinzessin Petra Exner verkündete den Namen des Hofmarschalls: Nils Blonschefzka. Nun fehlten nur noch die Pagen. Jasmin und Viona wurden gewählt.

Die Wahl folgt jeweils einer festgelegten Zeremonie. Alle Details kennen dabei wohl nur Eingeborene. Durch das Einbeziehen der Kinder mittels solcher festlichen Höhepunkte werden Traditionen am Leben erhalten. Pfarrer Kresak sagt: „Man kann nicht nur konsumieren. Hier lernen Kinder etwas für andere zu tun und werden beizeiten einbezogen.“ Simone Posch, die Leiterin der Kindereinrichtung, trägt nicht immer eine bunte Perücke auf dem Kopf, wohl aber die Verantwortung für 230 Kinder und 29 Erzieherinnen. Sie sagt: „Wir pflegen sehr gute Kontakte zur katholischen Gemeinde.“

Lebensgefühl nicht beschreiben – erleben

„Unsere Feste und Feiern finden ihre Grundlage im kirchlichen Jahreskreis und wir pflegen intensiv die Bräuche unserer Region. Zur Häuserweihe, zum Nikolausfest und anderen Gelegenheiten sind gern der Kaplan oder Pfarrer zu Gast. Zu Leatare, Erntedank, Weihnachten besuchen wir mit unseren Kindern die Kirche“, sagt Simone Posch. Die Mutter von vier Kindern ist nicht in Wittichenau aufgewachsen, hat sich „allerdings vom Karneval schnell anstecken lassen“. Fasching in Wittichenau, dazu sagt Prinzessin Petra: „Dieses Lebensgefühl zu beschreiben ist schwierig. Das muss man erleben.“ Dazu lädt ihre Lieblichkeit herzlich ein, „zum Beispiel zur ,Faschingsmesse‘ am Sonntag oder zum großen Rosenmontagsumzug“.