07.09.2017

Görlitzer Bistumswallfahrt 2017

Gemeinsam auf Christi Spuren

Mehr Teilnehmer als sonst: 1600 Katholiken kamen zur Bistumswallfahrt nach Neuzelle. Besonderes Interesse weckten die neuen Mönche.


Die Rad-Wallfahrer aus Görlitz und Jauernick starten ab Guben zur letzten Etappe. Fotos: Raphael Schmidt


Im Frühstücksraum in einem Landgasthof bei Guben am vorigen Sonntagmorgen, kurz nach halb Acht: „Wir sind fünf Minuten zu spät“, sagt eine Rad-Wallfahrerin aus Görlitz. Den Weg nach Neuzelle hat sie nicht zum ersten Mal per Rad zurückgelegt, ihre 15-jährige Tochter schon. „Die letzte Etappe ist die schwerste“ sagt eine andere Radlerin. „Gemeinsam den Spuren Christi folgen“ – dem Wallfahrtsthema gemäß – haben sie sich am Freitag auf die Räder gesetzt. Ein Navigationsgerät haben sie nicht gebraucht, denn die Strecke ist bekannt. Was aber, wenn der Weg zum Ziel nicht bekannt ist?

Ziel eingeben und hoffen, es zu erreichen
Bischof Wolfgang Ipolt fragt in seiner Predigt beim Wallfahrtsgottesdienst, wem Menschen folgen. Als erstes würden sie den Anweisungen aus dem Navigationsgerät folgen. „Wir geben ein Ziel ein und verlassen uns darauf, dass wir es mit Hilfe dieser technischen Erfindung auch erreichen. Manchmal bin ich versucht, zu denken: Wenn das doch sonst im Leben auch so einfach wäre wie bei einer Autofahrt – dass man einfach das Ziel ,eingibt‘ und es läuft alles wie von selbst. Aber nein – so hat Gott unser Leben nicht gedacht. Und ich finde, das ist auch gut so. Er hat uns mit Freiheit und Fantasie beschenkt, mit Kreativität und Sehnsucht. Das alles nämlich braucht es, um das Ziel des Lebens zu erreichen“, sagte der Bischof unter anderem (Predigt im Wortlaut unter: www.bistum-goerlitz.de).

Der Eichstätter Bischof Georg Hanke (rechts) wird von Prälat Peter C. Birkner begrüßt.

Bischof Ipolt lädt zu Bistumswallfahrten jeweils einen besonderen Gast ein. In diesem Jahr kam Bischof Gregor Maria Hanke aus dem fast 600 Kilometer entfernten Eichstätt. Er half Bischof Ipolt und seinem Seelsorgeteam dabei, den etwa 1600 Wallfahrern durch seinen Vortrag und die Predigt in der Wallfahrtsandacht, Christi Spuren zu finden, um ihnen folgen zu können.
Gott zu loben, ihm zu danken, ihn in verschiedenen Anliegen zu bitten, das stand, wie in den Jahren zuvor, unverrückbar auch an diesem Tag ganz oben auf der Werte-Skala. Dies wurde beispielsweise bei der Gabenprozession deutlich. Neben dem Wallfahrtsopfer, das Vertreter der Gemeinden zum Altar brachten, haben Gläubige Kerzen angefertigt, die vor der Statue „Unserer lieben Frau von Neuzelle“ – der Gottesmutter mit ihrem Sohn – entzündet und aufgestellt wurden. Dieses Licht kommt jeweils zu dem hellen, bereits von Weihrauchschwaden durchwobenen Licht in der Stiftskirche hinzu.

Pater Kilian Müller spricht mit Franziskanerinnen aus Cottbus.

Und doch war nicht alles wie immer – gab es am vorigen Sonntag einen Lichtstrahl mehr. Nachdem vor 200 Jahren das Zisterzienserkloster aufgelöst wurde, konnte Bischof Ipolt vier Zisterzienser aus dem Kloster Heiligenkreuz bei Wien begrüßen, die in Neuzelle wieder zisterziensisches Leben einziehen lassen wollen. Der Bischof dankte den Mönchen, besonders Abt Maximilian Heim, der dies maßgeblich ermöglicht hat. Die Gründung des Klosters soll erst nächstes Jahr geschehen. „Eine Vorhut ist schon angekommen – ich nenne sie mal die Kundschafter. Wie sie hier Gott bezeugen können, durch ihr Gebet, ihre Präsenz, ihre Offenheit den Menschen gegenüber, die Fragen nach dem Mehrwert im Leben haben“, sagte Bischof Ipolt. Abt Maximilian Heim erwiderte darauf: „Es ist für mich sehr bewegend gewesen, dass Pfarrer Ansgar Florian, als wir zum ersten Mal hierher gekommen sind, gesagt hat ,Es ist wie eine Gebetserhörung‘. Ich empfinde es auch so. Und ich bin Bischof Wolfgang dankbar, dass er sich hat nicht abweisen lassen in dem Bemühen für diese Klosterwiederbesiedlung. Ich bin der festen Überzeugung, dass es der Wille Gottes ist, dass nun wieder täglich in dieser wunderbaren Kirche das Stundengebet durch Mönche gebetet wird.“
Die Medienpräsenz am Wallfahrtstag war höher als sonst. Ein Kamera-Team des rbb (Rundfunk Berlin-Brandenburg) begleitete die Mönche bereits seit Samstagvormittag. Dass die Neubürger von Neuzelle gefragte Gesprächspartner für Journalisten sind, bedauerten einige Wallfahrer, die gern mit den Mönchen gesprochen hätten. Am Abend erschien bereits ein Bericht im rbb. Und, wie zu hören war, wird es nicht der letzte über das Geistliche Zentrum Neuzelle und seine neuen Bewohner sein. Im nächsten Jahr soll das Kloster gegründet werden und die Wallfahrt ist eine Etappe dabei.

Abt Maximilian redet mit Caritasdirektor Mones, seiner Tochter und dem Journalisten Benjamin Lassiwe (links).

Meinung: Immer wieder gern
Wozu der Aufwand? Die viele Vorbereitung, die in einer Bistumswallfahrt steckt! Und die Kosten! Muss das sein? Braucht es im Zeitalter von Internet solche Groß-Veranstaltungen? Können die Gläubigen nicht in ihren Wohnorten in die Messe gehen wie sonst? Und erst die Umwelt – der CO2-Ausstoß, multipliziert mit Fahrzeugen und Kilometern.
Nein, nein und nochmals nein! Gäbe es Wallfahrten nicht schon seit den 1950-er Jahren nach Neuzelle, sie müssten erfunden werden. Einen Ort im Bistum zu haben, ein Geistliches Zentrum, an dem sich die diözesane Gemeinde an einem Tag im Jahr trifft, um geistlich aufzutanken, miteinander ins Gespräch zu kommen – nun auch mit Zisterziensern, das halte ich für wichtig und lasse es mir nicht „madig-machen“.

Von Raphael Schmidt

Abt Maximilian zieht am Tag des Herrn-Stand die Gewinner der Verlosung von Benno-Büchern. Foto: Heinz Kretschmer