Kirchenclowns können auch große Fragen anstoßen

Frieda und ihre Suche nach Gott

Deutschlandweit gibt es etwa 40 Kirchenclowns. Zwei von ihnen – Clown Leo aus Halle und Clown Frieda aus Erfurt – stellt der folgende Artikel vor:

Clownin Frieda gehört zu den rund 40 Kirchenclowns in Deurtschland. Fotos: kna

Halle / Erfurt. Die Schuhe sind mindestens drei Nummern zu groß, die Hose ist viel zu weit und außerdem zu kurz geraten, und das Gesicht ziert eine rote Pappnase. Die Sonntagskleidung von Steffen Schulz würden die meisten nur zu Karneval oder Fastnacht anziehen. Steffen Schulz geht aber so arbeiten, in der Kirche. Als „Clown Leo“ gestaltet er Gottesdienste und tritt vor Gemeinden auf. Seine Tätigkeit als Kirchenclown ist für ihn eine „Ausdrucksform des Glaubens“.
„Glauben ist die Heiterkeit, die von Gott kommt“, zitiert der 41-Jährige eine Aussage von Papst Johannes XXIII. Das Lachen gehört für Schulz zur Heiterkeit dazu, „auch wenn man sich mit einem ernsthaften Thema auseinandersetzt“. Wie etwa der Schöpfungsgeschichte, die Schulz gern mal in einen Gottesdienst einbettet. Als „Clown Leo“ erzählt und erlebt er dann mit allerlei Komik und Musik die ersten sieben Tage auf der Welt.

Konfessionsverbindende Auftritte
Ein anderes Stück aus Schulz‘ Repertoire ist die Inszenierung der Matthäuspassion. Dann ist es ein Spiel ganz ohne Worte, nur mit Mimik und Gestik, begleitet von Oboe und Cello. Das weiße Gesicht mit der roten Nase darf da nicht fehlen. Seine Spielweise ist dann „nicht interpretativ“, wie Steffen Schulz sagt. Seine Clownsfigur sei „dicht an den Figuren. Da bin ich empathisch.“

Clown Leo bei einem Gottesdienst.

Derzeit gibt es deutschlandweit rund 40 Kirchenclowns. Die meisten von ihnen seien professionelle Clowns, sagt Schulz. Mit ihrem Programm treten sie häufig im kirchlichen Rahmen auf und vermitteln christliche Tugenden, weiß der 41-Jährige. „Clown Leo“ ist ein Pionier der Kirchenclowns. Seit elf Jahren inszeniert der Hallenser Bibelstücke mit roter Plastiknase.
Sowohl katholische wie auch evangelische Andachten und Gottesdienste gestaltet er als Clown mit. „Das ist das Schöne bei uns. Wir sind sehr konfessionsverbindend“, sagt Schulz, selbst Protestant. Die Clownsfigur sei zeit-, raum- und geschlechtslos und somit „nicht einzuteilen“. Daher kommen auch Clowninnen recht oft vor.
Eine von ihnen ist Katrin Nolte. Seit 2006 tritt die Erfurterin als „Clown Frieda“ vor allem im Kinderkrankenhaus in Gera auf, zunehmend aber auch vor Kirchengemeinden. „Es ist spannend, christliche Inhalte zu vermitteln“, sagt die 37-Jährige über ihre Arbeit. Oft ist sie im Altarraum mit einem großen, gelben Ball zu sehen und tritt mit ihren Zuschauern in Kontakt. Ihren zu kurz geratenen Rock halten lustig bemalte Hosenträger.

Brückenbauer zwischen zwei Welten
Im Vergleich zu ihren Aufführungen im Krankenhaus sind die Kirchenstücke nicht improvisiert, sondern einstudiert. In dem Werk „Nur ein bisschen warten“ macht sich Frieda auf die Suche nach Gott und bezieht damit auch das „Publikum“, also die Kirchgänger, ein. Ein Clown sei ein „Brückenbauer“, der zwischen zwei Welten vermittle, sagt Nolte. „Die komplizierten Fragen beantwortet der Clown für sich ganz einfach.“
Eine Form der Missionierung seien die Clownsstücke aber nicht, sagt Steffen Schulz. Ohnehin sei ein Clown aus seiner clownesken Philosophie völlig frei von jeglicher Didaktik und dem Ehrgeiz, etwas weiterzutragen und das Publikum zu belehren. „In dem Moment, in dem ein Clown spielt, entsteht alles für den Moment“, sagt Schulz. Dennoch, ganz ohne Anspruch geht es nicht: „Als Christ will ich von der Frohen Botschaft erzählen“, sagt der Familienvater. „Mit der Clownerie habe ich für mich die Möglichkeit dazu gefunden.“
Kirchenclowns sind noch recht unbekannt, aber sie sind gefragt. Immer mehr Kirchengemeinden oder Geistliche „buchen“ die Freiberufler für Feiern oder als Element des Gottesdienstes. Eine „Neuerscheinung“ sind sie aber keinesfalls. Ihre Geschichte reicht zurück bis ins Mittelalter. Damals schon wurden die Passion und andere Bibelgeschichten in den Gotteshäusern niederschwellig inszeniert, damit das einfache Kirchvolk die Heilige Schrift verstand.
„Wir haben anscheinend den Witz verlernt und sind überrascht, dass es Kirchenclowns gibt“, sagt Schulz. Dabei sind „Clowns nicht nur Schenkelklopfer, sondern auch traurige Gestalten, ebenso wie Menschen“. Ohnehin sei ein Clown nicht jemand, der lange auf einer Gefühlsebene bleibt, sondern von einem Gefühlsmoment zum nächsten geht, erklärt Schulz. Das kann ein Element der Seelsorge sein: Aus einer tiefen Traurigkeit kann sich schnell eine Fröhlichkeit ergeben. „Das kann denjenigen, die traurig sind und zuschauen, vielleicht weiterhelfen.“

Markus Nowak