16.06.2017

Frauenwallfahrt nach Helfta

Sich trauen, Brücken zu bauen

Menschen ins Gespräch bringen, Gegensätze überwinden und Neues möglich machen – darum ging es bei der Frauenwallfahrt. Dazu waren knapp 400 Frauen und auch einige Männer nach Helfta gekommen.


Während des Vaterunsers und zum Friedensgruß fassten sich die Frauen bei den Händen – Zeichen der Brücke untereinander. | Fotos: Eckhard Pohl


„Wenn Frauen sich trauen, Brücken zu bauen“ hatte das Vorbereitungsteam um Schwester Rita Breuer FMA am 10. Juni die Frauenwallfahrt ins Kloster Helfta überschrieben. Und mit Äbtissin Caritas Pirckheimer eine Frau besonders in den Mittelpunkt gestellt, die dies in den Wirren der Reformationszeit engagiert getan hat.
Zu Beginn der Wallfahrtsmesse wurde für alle gebetet, die sich schwer tun, Brücken zu bauen zu ihren Mitmenschen. Das Brückenbauen griff dann auch Propst Reinhard Hentschel aus Halle unter verschiedenen Gesichtspunkten in seiner Predigt auf: „Die Kirche tut es zu wenig“, beklage Papst Franziskus. Der Papst selbst aber mühe sich als der „pontifex maximus“, der oberste Brückenbauer, unermüdlich, Brücken über zahlreiche Abgründe zu bauen, und stoße dabei nicht nur auf Zustimmung.

Eine heidnische Frau baut Jesus eine Brücke
Jesus begegnet einer heidnischen Frau, die ihn um Heilung für ihre Tochter bittet, nahm der Propst mit einem weiteren Beispiel Bezug auf den zuvor gehörten Abschnitt aus dem Markus-Evangelium. Nachdem die Frau von Jesus abgewiesen wird, weil sie „nicht zu den Kindern Israels“ gehöre, ist sie es, die Jesus geschickt eine Brücke baut mit ihrem Wort: „Auch für die Hunde unter dem Tisch fällt etwas ab von dem Brot, das die Kinder essen.“ (Mk 7,28) Und Jesus „geht“ über diese Brücke und heilt ihre Tochter.Die Klarissin Caritas Pirckheimer, so Hentschel, habe in den Wirren der Reformationszeit als Äbtissin in Nürnberg Brücken gebaut und im Dialog mit Philipp Melanchthon die Auflösung ihres Klosters verhindert.
Brücken zu bauen war auch das Thema der Angebote im Zwischenprogramm und in der Abschlussandacht: Um die Brücke zwischen den Konfessionen geht es bei der Ausstellung „Reformationsgedenken im Kloster Helfta“, um die Brücke zwischen den Religionen in der Ausstellung „Welt-Frieden - Welt-Ethos“, beide sind derzeit in Helfta zu sehen. Anita Schunke vom Flüchtlingsfrauenhaus in Halle sprach vom Brückenbau zu den Fremden. Die Wallfahrtskollekte von gut 1300 Euro kommt ihrer Arbeit zugute.
Im Wallfahrtsgottesdienst am Morgen war die neue Geistliche Leiterin des Diözesanverbandes der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands, Rebekka Gewandt, mit einem Segen in ihr Amt eingeführt worden. (Mehr in einer der nächsten Ausgaben) Frauenseelsorgerin Schwester Rita Breuer wird im Herbst das Bistum verlassen und eine neue Aufgabe in ihrem Orden übernehmen. Sie wurde von den Frauen sehr herzlich verabschiedet.

Schwester Rita Breuer führte die Frauen durch die Wallfahrt und wurde am Ende herzlich verabschiedet.

Zur Person: Caritas Pirckheimer
Caritas Pirckheimer (1467-1532) ist ab 1503 Äbtissin des Klarissenklosters in Nürnberg. Als gebildete Frau steht sie im Briefwechsel mit Humanisten wie Erasmus von Rotterdam oder dem Maler Albrecht Dürer. Sie baut Brücken zwischen Glauben und Wissen.
1525 bekennt sich Nürnberg zur Reformation. Das Kloster soll aufgelöst werden. Pirckheimer weigert sich, evangelisch zu werden. Philipp Melanchthon, Luthers Vertrauter, soll sie überzeugen. Doch Pirckheimer „schlägt“ ihn mit seinen eigenen Waffen: Ausgehend von Luthers Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ argumentiert sie: Das Gewissen eines Menschen darf von niemandem gebeugt werden und bei aller Auseinandersetzung dürfe die Liebe nicht verletzt werden. Jegliche Gewalt sei abzulehnen. Melanchthon gibt ihr Recht, das Kloster kann fortbestehen. Allerdings dürfen die Klarissen keine Novizinnen mehr aufnehmen.

Von Eckhard Pohl