29.11.2017

Wer spendet die Firmung?

Früher firmte der Bischof

... heute ist es in vielen Bistümern ein Domkapitular oder sonst jemand Höheres aus der kirchlichen Hierarchie. Warum ist das so? Ist das sinnvoll? Ist es wünschenswert? Gibt es Alternativen? Eine Anregung zur Diskussion.


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Durch einen Bischof gefirmt zu werden (hier der Münsteraner Bischof Felix Genn), ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Foto: kna


Die Firmung ist bekanntlich ein schwieriges Sakrament. Was bedeutet sie eigentlich? Was wird in ihr zusätzlich verliehen, was es bei der Taufe noch nicht gab? Dogmatiker tun sich schwer mit der Antwort. Denn „das neue Leben aus dem Geist“ wird bereits in der Taufe geschenkt. Kommt in der Firmung eine Portion Geist obendrauf? Und soll deshalb ein Bischof firmen, weil er mehr Geist verleihen kann? Pastoraltheologen dagegen nennen die Firmung oft „Sakrament der Mündigkeit“, weil sie die freie Zustimmung von selbst denkenden Jugendlichen zu dem ist, was die Eltern in der Taufe stellvertretend entschieden haben und was in der Erstkommunion routinemäßig weitergeführt wurde.


Vertraute Gruppe, persönliche Feier

Was die Firmung ist und was sie soll – davon hängt ab, wie auf das Sakrament vorbereitet und wie es gefeiert wird. Denn wo das freie Ja des Firmlings zu Gott und zur Kirche im Mittelpunkt steht, da geht es um individuelle Entscheidungen. Es geht um ein neues Kennenlernen der Kirchengemeinde, um neue Motivation, sich in der Jugendarbeit oder im Eine-Welt-Kreis zu engagieren, um eine persönliche Auseinandersetzung mit dem Glauben. Kleine, vertraute Gruppen helfen dabei, und natürlich soll die Firmung dann auch in der eigenen Pfarrkirche gespendet werden. Oder – bei größeren Pfarrverbünden – in der eigenen Gemeindekirche. Wegen der Vertrautheit und der Nähe. Persönlich soll die Firmung sein, individuell, das Gegenteil von groß und anonym.

Dieser Ansatz führt pastoral dazu, dass heute häufig gefirmt wird, oft jährlich in jeder Pfarrei und in jeder Gemeindekirche mit einer eigenen Feier. Und am liebsten am Samstag oder Sonntag, weil die Firmung ein Familienfest ist, zu dem auch auswärtige Gäste anreisen. Klar, dass das Bischof und Weihbischof terminlich nicht allein schaffen können. Daher sind es zumeist rein praktische Gründe, die dazu führen, dass in vielen Bistümern die Zahl der Firmspender ausgeweitet wurde auf Domkapitulare und andere höherrangige Würdenträger.

Pädagogisch und pastoral ist dieser Ansatz verständlich. Blickt man aber in die Geschichte der Firmung, erkennt man, dass Pädagogik so gar nicht hinter dem Sakrament steckte. Die Firmung ist theologisch engstens verbunden mit der Taufe – bei Erwachsenen wurde (und wird) sie stets gemeinsam gespendet. Dabei taufte der Priester mit Wasser, anschließend legte der Bischof die Hände auf und salbte mit Chrisam; der Bischof, um die Verbundenheit mit der Gesamtkirche und mit den Aposteln zu verdeutlichen.

Mit zunehmender Größe der Gemeinden und Zahl der Täuflinge entwickelte sich beides auseinander: die Wassertaufe durch den Priester (oder Diakon) und die Handauflegung und Salbung durch den Bischof. Confirmatio, Bestätigung, so heißt das Sakrament: Bestätigung der Taufe durch den Bischof als Repräsentant der Gesamtkirche – nicht des Firmlings als nun selbstverantwortlicher junger Erwachsener.

Deshalb ist nach wie vor der (Weih-)Bischof der ordentliche Spender der Firmung; außerordentliche Spender dürfen nur „bei wirklichem Bedarf und aus besonderen Gründen“, wie es in der Einleitung zum Firmordo heißt, beauftragt werden. „Besondere Gründe“, die vielerorts zur Regel geworden sind.


Wenigstens einmal den Bischof kennenlernen

Eugen Daigeler, Pfarradministrator in Stadtlauringen im Bistum Würzburg, hat dies in der Zeitschrift „Gottesdienst“ kürzlich kritisiert. Eine Feier jeder einzelnen Gemeinde und die Überschaubarkeit der Gruppen in allen Ehren, aber, so fragt er: „Ist nicht die Firmung gerade ein hervorragender Anlass, die Kirche als eine die Ortspfarrei übersteigende Wirklichkeit zu erfahren und womöglich auch als zahlenmäßig stärkere Gemeinschaft?“ Und: „Wenigstens hier“, sollten die jungen Christen dem Bischof begegnen als „Repräsentant der Gesamtkirche“. Zudem habe etwa ein Domkapitular reine innerkirchliche Bedeutung. „Wer weiß schon, was das ist? Da könnte die Firmung dann auch gleich der Pfarrer machen.“

Ist Kirche mehr als meine Gemeinde vor Ort? Ist Firmung mehr als mein individuelles Bekenntnis zum Glauben, das ich gemeinsam mit Freunden aus meinem Jahrgang ablege? Wenn man die Tradition ernst nimmt, dass die Firmung eine bischöfliche Bestätigung und Festigung der Taufe ist, eine vollkommenere Bindung an die Kirche als Gesamtheit, wie das Zweite Vatikanische Konzil betont, kann man zumindest über Alternativen zur gängigen Praxis nachdenken.

Etwa über seltenere, aber größere Feiern in zentral gelegenen Kirchen eines Dekanats. Warum soll beispielsweise nur die Dompfarrei ihre Firmung in der Domkirche feiern? Können nicht auch andere Firmlinge der Stadt und des Umlandes dort in einer größeren Gruppe ihren Bischof treffen? Wo begegnet ein durchschnittlicher Katholik sonst seinem Bischof? Kann es zudem nicht gerade heute und gerade in Diasporaregionen hilfreich sein, sich bei der Firmung als mehr als ein versprengtes Minigrüppchen zu erleben? Und wäre es nicht gut, wahrzunehmen, dass man als Katholik zu einem größeren Ganzen gehört?

Was ist und was soll die Firmung? Eine Frage mit praktischen Konsequenzen.


Zur Sache: Was sagt das Kirchenrecht?

„Der ordentliche Spender der Firmung ist der Bischof; gültig spendet dieses Sakrament auch der Priester, der mit dieser Befugnis ... ausgestattet ist.“ (c. 882)

„Der Diözesanbischof hat die Firmung persönlich zu spenden oder dafür zu sorgen, dass sie durch einen anderen Bischof gespendet wird. Wenn eine Notlage es erfordert, kann er einem oder mehreren Priestern diese Befugnis verleihen.“ (c. 884 §1)

 

Von Susanne Haverkamp