27.07.2017

Flüchtlingsarbeit der Bistümer und Caritasverbände

Noch stärker vernetzen

Verantwortliche in der Flüchtlingsarbeit der Bistümer und Caritasverbände diskutierten Möglichkeiten der Begleitung kirchlicher Ehrenamtlicher und der interdiözesanen Kooperation.


Kirchliche Verantwortliche in der Migrationsarbeit trafen sich in Magdeburg. Foto: Caritas

 

Um die Hilfen für geflüchtete Menschen und Zugewanderte und ihre Unterstützer zu optimieren, trafen sich Migrations- und Flüchtlingsbeauftragte/-koordinatoren aus verschiedenen Bistümern und Caritasverbänden am 5. Juli in Magdeburg. Zugleich ging es bei dem Fachaustausch darum, die interdiözesane Kooperation zu fördern und zu eruieren, wie notwendig zukünftige fachliche Begegnungen sind.
Die Vertreter der Diözesan-Caritasverbände Hildesheim, Dresden-Meißen, Görlitz, Berlin, Magdeburg und der (Erz-)Bischöflichen Ordinariate Berlin und Erfurt zeichneten ein vielfältiges Bild ihres Engagements und der einzelnen regionalen Herausforderungen in der Flüchtlingsarbeit, so die Koordinatorin für die Flüchtlingshilfe beim Diözesan-Caritasverband Magdeburg, Vere-na Redemann, die zum Fachaustausch eingeladen hatte. So sei etwa schnell deutlich geworden, dass die Koordination der kirchlichen Flüchtlingsarbeit zum Teil bei den Ordinariaten und zum Teil bei den Diözesan-Caritasverbänden angesiedelt ist und weitere Akteure eigenständig agieren. Eine fachlich koordinierte Netzwerkarbeit zwischen kirchlichen, politischen und gesellschaftlichen Akteuren ist noch lange keine Selbstverständlichkeit und in den einzelnen Diözesen sehr unterschiedlich ausgeprägt. Dass eine qualifizierte Netzwerkarbeit notwendig ist, um nachhaltig Hilfs- und Begleitsysteme zu etablieren, darüber waren sich alle Teilnehmer  einig. Voraussetzung dafür ist eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Ordinariaten und Caritasverbänden und  der Zugang zu Gemeinden, Ehrenamtlichen und anderen Hilfsorganisationen. Besonderen Bedarf für einen Austausch signalisierten die Teilnehmer zum Umgang mit dem Thema Fremdenfeindlichkeit und zu Tendenzen des Rechtspopulismus in kirchlichen Strukturen, so Redemann.
Die Erfahrungen aus den verschiedenen Diözesen unterstrichen die Notwendigkeit, Ehrenamtlichen Bildungsmöglichkeiten anzubieten, um interreligiöse und interkulturelle Kenntnisse zu erweitern und Möglichkeiten zu bieten, den eigenen Glauben im Flüchtlingskontext zu reflektieren. Empfohlen wurde, in den Gemeinden einen offenen Dialog über Ängste und Vorurteile zu führen. Dies sei wichtig, um sich klar zu werden, in welcher Weise sich eine christliche Gemeinde den anstehenden Herausforderungen in der Migrationsarbeit stellen kann und sollte. Manche Gemeinden widmen sich dieser Auseinandersetzung intensiv, manche auch gar nicht, so die Erfahrungen der Teilnehmer.

Migrationsarbeit zeitnah und effizient gestaltet
Die Teilnehmer bescheinigten den Verantwortlichen im Bistum Magdeburg, zeitnah und effizient eine sehr gute strukturelle Vernetzung in der Migrationsarbeit aufgebaut und somit eine Voraussetzung für ein bereichsübergreifendes soziales Engagement von Kirche und Caritas geschaffen zu haben. Beispielhaft seien etwa die Etablierung eines Bistumsstabs in der akuten Zeit der Flüchtlingskrise, die Ausrichtung und Verwaltung des diözesanen Flüchtlingsfonds und die gemeinsame Entwicklung und Umsetzung von Bildungsangeboten im Bereich der seelsorgerischen Begleitung in Kooperation von Katholischer Erwachsenenbildung, Bistum und Landesnetzwerk der Migrantenorganisationen sowie Qualifizierungsangebote im Bereich der Vormundschaftsführung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.
Wünschenswert für alle Teilnehmer des Fachaustauschs wäre die Erarbeitung eines Baukastens für interreligiöse Gottesdienste. Hier wäre zu überlegen, ob dieses Anliegen an die Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz heranzutragen ist, um ein einheitliches Basismaterial zu entwickeln. Individuelle und regionalspezifische Ergänzungen könnten dann in den jeweiligen Bistümern erfolgen. Die Idee und das Vorgehen wollen alle zunächst in ihren Bistümern beraten.
Katharina Vahnenbruck, Referentin des Sonderbeauftragten für Flüchtlingsfragen der Deutschen Bischofskonferenz, lobte das regionale Vernetzungstreffen. Solche Initiativen würden noch viel mehr benötigt. 2016 hatten die deutschen Bischöfe Leitsätze für das Engagement für Flüchtlinge veröffentlicht. Ziel ist, die Strukturen des Engagements bedarfsgerecht weiter zu entwickeln, Engagierten eine ethische Orientierung zu geben, professionelle Begleitung und (im-)materielle Unterstützung anzubieten und ihnen Wertschätzung entgegenzubringen. Dieses Ziel kann jedoch nur erreicht werden, wenn es Möglichkeiten des Austauschs und der damit verbundenen fachlichen Reflexion und Weiterentwicklung gibt. Das Bistum Magdeburg habe sich in diesem Handlungsbereich bereits verdient gemacht.

Ziel sind gemeinsame Handlungsempfehlungen
Die am Fachaustausch in Magdeburg beteiligten Beauftragten und Koordinatoren der Flüchtlingsarbeit wollen sich Anfang 2018 erneut treffen. Sie empfanden das Arbeitstreffen als eine fachliche Bereicherung, die für die eigenen Arbeitsaufträge gute Denkanstöße brachte. Perspektivisch soll eine gemeinsame Position/Handlungsempfehlung erarbeitet werden, die verdeutlicht, welche Chancen und Herausforderungen aus der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit resultieren und welche zukunftsfähigen Engagementbereiche für die jeweiligen Bistümer tragfähig sein können. Verena Redemann: „Die Praxis zeigt bereits jetzt, Netzwerkarbeit über die Bistumsgrenzen ist wichtig, schafft notwendige Reflexionsräume und weitet die eigenen fachlichen Horizonte.“ red/schw/tdh