Langsam aber sicher wird es hoch akut. Das Faschingsfieber geht um und steckt immer mehr Närrinnen und Narren an.
Zugleich wappnet sich die Fraktion der Faschingsmuffel gegen die zunehmende Ansteckungsgefahr. Wie auch immer man zum Karneval steht, die fünfte Jahreszeit kündigt sich unübersehbar an. Und so dürften auch in vielen Pfarreien die Fünf- bis Elferräte mitten in den Vorbereitungen stecken.
Ebenso werden die Nichtfaschingsfans vielleicht insgeheim darüber grollen, dass so manche Mitchristen hauptsächlich zur Faschingszeit in der Gemeinde aktiv werden, sich aber selten für einen Familiengottesdienst oder ein Bibelgespräch stark machen. Ohne Frage ein Spannungsfeld unterschiedlicher Interessen und auch Talente!
Dennoch hat der Fasching zweifellos eine christliche, ja katholische Tradition, als eine Zeit der überschäumenden Lebensfreude und des Genießens aller Gottesgaben, bevor die vierzig Tage der Fastenzeit zurück zur ernst(er)en Seite des Lebens rufen. Ein schöner Brauch, der nicht zuletzt auch deutlich macht, dass wir Christen beileibe nicht die Spielverderber der Lebenslust sind und sein wollen.
Berechtigt ist aber auch der Wunsch, es mögen doch über das ganze Jahr möglichst viele Gemeindemitglieder auch gemeinsam die Freude an Gottes Lob und Gottes Wort miteinander teilen. Unser Kunststück wäre, die Balance zu gewinnen, jedem Part seinen Platz zu geben: der Hoch-Zeit des Faschings ebenso, wie anderen frohen Festen und Feiern, nicht zuletzt den liturgischen, dem alltäglichen Schritt für Schritt wie dem Innehalten und dabei zu respektieren, dass die karnevalistische wie die besinnliche Ader eines jeden Menschen unterschiedlich ausgeprägt sind.
Aber Lebensfreude und ein dankbares, ebenso wie ein verantwortungsbewusstes Genießen all dessen, was Gott uns zum Leben schenkt, steht uns Christen allemal gut zu Gesicht. Ich wünsche jedenfalls allen Närrinnen und Narren, dass sie die kommenden Wochen auskosten können. Allen, die den Fasching weniger mögen (so wie ich zugegeben auch), dass sie sich vielleicht anstecken lassen oder sich zumindest über die Freude der anderen freuen können. Den einen wie den anderen wünsche aber auch, immer wieder die tiefe Freude an Gott und seiner Gemeinde zu entdecken, die unser Leben durchdringen möchte.
Angela Degenhardt, Gemeindereferentin in Sangerhausen
PS: Lassen Sie sich nicht vom ersten Blick täuschen: Faschingsfans mischen sehr wohl an vielen Stellen im Gemeindeleben mit.