08.02.2018

Fachtag zur Erstkommunionvorbereitung mit Bischof Timmerevers

Die ganze Familie mit im Boot

Neuere Studien bestätigen: Nachhaltig wirkt Erstkommunionvorbereitung nur, wenn auch die Eltern einbezogen werden. Wie kann das gelingen? Darum geht es am 3. März bei einem Fachtag mit Bischof Timmerevers.


Geraer Kinder auf dem Weg zur Erstkommunion. | Foto: privat

 

Seit vier Jahren verbringen Erstkommunionkinder und ihre Eltern in der Geraer St.-Elisabeth-Gemeinde einen Samstagvormittag pro Monat im Gemeindezentrum. Die gleichen Themen, denen sich die Kinder spielerisch und kreativ nähern, bewegen zur gleichen Zeit auch die Eltern.
„Das Modell hat sich bewährt“, sagt Pfarrer Klaus Schreiter, allein schon aus praktischen Erwägungen: Da die meisten Eltern  ihre Kinder ohnehin zur Erstkommunionkatechese fahren müssen, liege es nahe, die Zeit mit ihnen zu nutzen. Gerade die Eltern, die vorher einen eher lockeren Bezug zur Gemeinde hatten, knüpfen während der Vorbereitungszeit Kontakte untereinander, die häufig über die Erstkommunionfeier hinaus tragen. Eine Frucht des neuen Vorbereitungs-Stils, über die sich der Pfarrer besonders freut: Glaube wird immer mehr zum Gesprächsthema,  in der Elternrunde, aber auch in den Familien. Speziell gefördert wird das seit vergangenem Jahr durch die Mitwirkung einer Ehe-, Familien- und Lebensberaterin bei den Elterntreffen. Mit ihren Impulsen regt sie an, über den eigenen Glauben auch mit nicht-katholischen Familienmitgliedern ins Gespräch zu kommen. Davon profitieren alle, bestätigt auch Gemeindereferentin Maria Ihl, die für die Kinder-Katechesen verantwortlich ist.
Die Kinder seien mit größerem Eifer und größerer Verbindlichkeit dabei als zu den Zeiten, als die Eltern-Beteiligung sich auf wenige Elternabende beschränkte. Einige Eltern aus vorausgegangenen Kursen spricht sie im folgenden Jahr an, sich bei den Kinder-Katechesen mit einzubringen, in diesem Jahr auch in einer weiteren Gemeinde der künftigen Geraer Großpfarrei. „Auch dies fördert die Sprachfähigkeit über eigene Erfahrungen mit dem Glauben“, hat Pfarrer Schreiters beobachtet. Eltern trauten sich, eigene Fragen in die gemeinsamen Vormittage einzubringen. Wenn sie mit den Glaubensfragen ihrer Kinder konfrontiert seien, trauten sie sich in wachsendem Maße eigene Antworten zu, anstatt die Kompetenz dafür allein beim Pfarrer und der Gemeindereferentin zu suchen. „Sie bringen das zur Sprache, was sie verstanden haben“, freut er sich. Anfängliche Befürchtungen, das neue Vorbereitungs-Konzept binde zusätzliche Kräfte, hat sich nach Maria Ihls Ansicht nicht bestätigt. Der Aufwand sei für alle Beteiligten überschaubar, die zusätzlichen Vorbereitungstreffen mit den Eltern empfindet sie als angenehm, zumal sich dort häufig angeregte Gespräche entwickelten. Einen Höhepunkt der Vorbereitungszeit sieht sie jedes Jahr in der gemeinsamen Fahrt mit allen Erstkommunionkindern. Sie beginnt an einem Donnerstagnachmittag, am Sonntag kommen die Eltern hinzu und feiern den Gottesdienst mit.
Längst nicht alle Pfarreien des Bistums haben bei ihrer Erstkommunionvorbereitung die kompletten Familien im Blick, bedauert Regina Schulze, Gemeindereferentin im Oberen Elbtal. Als Bistumsreferentin für Kinderseelsorge hatte sie schon vor zehn Jahren für Erstkommunionvorbereitung in Form von Familienkatechese geworben. Dass sich seither so wenig bewegt hat, findet sie „schon manchmal etwas frustrierend“. Wenn die Hauptamtlichen in einer Pfarrei dazu bereit seien, laufe es, sonst eben nicht. Der Fachtag in Hohenstein-Ernstthal könnte einen neuen Schub geben, erhofft sie sich.
Je nach Größe des Pfarreigebiets und Zahl der Kinder könne man die Vorbereitung modifizieren. Eine Arbeitsgruppe aus erfahrenen Katecheten hat unterschiedliche Erfahrungen zusammengetragen und gibt sie beim Fachtag an Interessierte weiter.
Regina Schulze macht seit Jahren mit den Erstkommunion-Familienkatechesen immer wieder dieselbe Erfahrung: Wenn die Eltern erfahren, dass sie sich selbst beteiligen sollen, stößt dies auf geteiltes Echo. Am Ende ist die Skepsis Begeisterung gewichen und sie hört jedes Mal: „Schade, dass die schöne Zeit schon vorbei ist!“

Zur Sache: Fachtag „Kommunion auf dem Weg“
Haupt- und ehrenamtliche Katecheten, die in der Erstkommunionvorbereitung mitarbeiten oder dies künftig tun wollen, lädt die Kinder- und Familienpastoral des Bistums am 3. März von 9 bis 16.30 Uhr ins Betlehemstift Hohenstein-Ernstthal ein. Die Teilnehmer erwarten Impulse und praktische Übungen für eine Katechese, die die komplette Familie im Blick hat. Darüber hinaus haben sie Gelegenheit, sich über bisherige Erfahrungen auszutauschen. Anmeldung bis 19. Februar, Telefon 03 51/3 36 47 04; E-Mail familienpastoral@ordinariat-dresden.de

Von Dorothee Wanzek