Für Propst Hartmut Gremler, den neuen Bischöflichen Kommissarius für das Eichsfeld, war es der erste Neujahrsempfang in diesem Amt. In Heiligenstadt traf er sich mit Vertretern aus Gesellschaft, Politik und Kirche.
Heiligenstadt (jak). Er selbst, so Propst Harmut Gremler, und die überwiegende Zahl seiner Gäste seien in einer Position, Entscheidungen zu treffen. Damit seien immer Risiken verbunden. Diese Risiken und die möglichen Nebenwirkungen sollten immer die Entscheidungen mit beeinflussen. Denn, so Gremler, die Nebenwirkungen haben immer andere auszubaden.
„Vorsicht Macht, Vorsicht Unwahrheit …“
Gremler sprach bei seinem ersten Neujahrsempfang als Bischöflicher Kommissarius für das Eichsfeld vor Vertretern aus Kirche und Gesellschaft im Heiligenstädter Marcel-Callo-Haus. Mit Blick auf die gerade zu Ende gegangene Weihnachtszeit und ihre Botschaft entwarf er eine Reihe von Eckpunkten, die für das Jahr 2012 wichtig werden können. Eckpunkte, die er mit einem „Vorsicht“ versah: „Vorsicht Macht“, „Vorsicht Unwahrheit“, „Vorsicht Urteil“ und „Vorsicht Größe“. Das Neue Testament – „27 gefährliche Schriften“, so der Propst – könnte helfen, die Herausforderungen zu bestehen und nicht den vielfältigen Versuchungen zu erliegen. „Gott kam in unsere Welt“, so Gremler weiter, „um die Menschen gesund und heil zu machen.“ Ein Heil, das den ganzen Menschen meint. Weiter stellte Gremler heraus, dass Kirche und Gesellschaft heute gleichermaßen an einem Wendepunkt stünden, so wie es der Vorsitzende des Zentralrates der Deutschen Katholiken, Alois Glück, in seiner Einladung für den 98.Deutschen Katholikentag in Mannheim formulierte. In diesem Jahr habe man im Eichsfeld zudem die Chance, zu überlegen, was der Besuch von Papst Benedikt am 23. September vergangenen Jahres nachhaltig bewirken könne, meinte der neue Bischöfliche Kommissarius. „Ich denke da zuerst an unsere Pfarrgemeinden.“
Die Ansprachen und Predigten des Papstes, die er während seines Besuches in Berlin, Erfurt, Etzelsbach und in Freiburg hielt, sollten nicht einzeln, sondern nebeneinander gelesen werden, forderte Matthias Kopp, seit 2008 Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz. Kopp, der an den Vorbereitungen des Papstbesuches aktiv beteiligt war und beim Empfang den Festvortrag hielt, stellte heraus, dass der Besuch von Papst Benedikt ein historisches Ereignis bleiben werde. Insgesamt 54 Stunden wurde im Deutschen Fernsehen live berichtet, fünf Stunden davon aus Etzelsbach. Die Einschaltqoute lag bei durchschnittlich 13,5 bis 15 Prozent – ein Traumergebnis, so Kopp.
Eichsfeld, das Ende der Welt?
Insgesamt 71 800 Zeitungsartikel sind erschienen, rund 23 000 davon nahmen Bezug auf den Eichsfelder Teil der Reise. Und, so der Pressesprecher, „Etzelsbach hatte etwas.“ Selbst Kurienvertreter seien sich einig darüber, dass die dortige Marienvesper für sie das „dichteste Ereignis“ des ganzen Jahres gewesen sei. Dabei hatten manche im Vorfeld des Besuches so ihre Zweifel, berichtete Kopp. Beispielsweise der Sicherheitschef des Vatikan, der bei einer Vorbereitungsvisite im Eichsfeld meinte, am Ende der Welt angekommen zu sein. Nach Abflug des Papstes, so Kopp, sagte er dann allerdings: „Hier war es besonders schön.“ Kopp machte den Vertretern des Eichsfeldes zudem Mut für die Zukunft. Der Papstbesuch habe ganz bewusst ihrer Region gegolten. „Er kam nach Etzelsbach und eben nicht ins Sauerland, nicht in das Allgäu und nicht in die Lüneburger Heide“, sagte Kopp. Die Reise sei Dank für das Christsein unter zwei Diktaturen und Ermutigung für das Kommende gewesen.
Der Eichsfelder Landrat Werner Henning dankte in seinen Worten dem neuen Propst für die Fortsetzung der Tradition des Neujahrsempfangs, die von seinem Vorgänger, Propst Heinz-Josef Durstewitz, begründet wurde.