19.07.2017

Sommerserie 2017

Es war einmal vor 1000 Jahren

Die diesjährige Tag des Herrn-Sommerserie stellt Ausflugsziele in der Region vor. Den Auftakt machen in Teil 1 Kloster und Kaiserpfalz in Memleben. Hier hatten die Ottonen vor 1000 Jahren eines der Zentren ihrer Macht.


Reste der Klosterkirche aus dem 13. Jahrhundert. | Fotos: Matthias Holluba


Memleben ist kein Ort an dem man einfach zufällig vorbei kommt. Hier hält kein ICE. Die Hochgeschwindigkeitszüge rasen ein Stück entfernt in 50 Metern Höhe auf einer zweieinhalb Kilometer langen Brücke über das Unstruttal hinweg. Memleben hat nicht einmal einen Bahnhof. Es liegt auch an keiner Bundesstraße und bis zur nächsten Autobahnauffahrt sind es 25 Kilometer. Fast möchte man sagen: Memleben liegt am Ende der Welt.

1991 Bewerbung als Bundeshauptstadt
Trotzdem hat sich der Ort mit seinen rund 650 Einwohnern 1991 als Sitz der Bundeshauptstadt beworben. Ein Scherz? Ja, aber mit ernstem Hintergrund, denn Memleben hat einschlägige Erfahrungen als Regierungsitz. Es war schon einmal so etwas Ähnliches wie Bundeshauptstadt. Vor 1000 Jahren, während der Herrschaft der Ottonen, war hier eines der Zentren ihrer Macht. In Memleben gab es eine Kaiserpfalz und ein von den Ottonen gestiftetes Benediktinerkloster, das zu einem der vier wichtigsten Klöster im entstehenden Heiligen Römischen Reich deutscher Nation wurde.
Memleben liegt in einer Region, die schon sehr früh besiedelt gewesen ist. Ganz in der Nähe wurde die etwa 4000 Jahre alte Himmelsscheibe von Nebra gefunden. Archäologische Funde weisen eine Besiedelung seit der späten Bronzezeit nach. Memleben selbst wurde erstmals urkundlich im Jahr 780 erwähnt.
Wo genau sich die Pfalz der Ottonen-Herrscher befand, ist heute noch nicht eindeutig geklärt. Ein möglicher Ort ist die spätere Burg Wendelstein direkt an der Unstrut, nur wenige Kilometer von Memleben entfernt. Nachgewiesen ist jedenfalls –zum Beispiel durch hier ausgestellte Urkunden –, dass sich die Ottonen-Herrscher in der Pfalz Memleben regelmäßig aufhielten. Die Bedeutung diese Pfalz wuchs noch, weil hier zwei der Ottonen-Herrscher starben: König Heinrich I. im Jahr 936 und sein Sohn Kaiser Otto der I. im Jahr 973. Der Tod der beiden Vorfahren, die in Quedlinburg beziehungsweise Magdeburg beigesetzt wurden, veranlasste Otto II. zur Stiftung des Klosters in Memleben. Angesichts der im Mittelalter verbreiteten Furcht vor der ewigen Verdammnis sollten die Mönche für das Seelenheil der Vorfahren beten. Otto II. ließ auch eine monumantale Kirche errichten, die in ihrer Größe mit dem Magdeburger Dom zu jener Zeit vergleichbar war. Heute sind nur noch wenige Reste erhalten. Möglicherweise sollte diese Kirche die Grablege für Otto II. werden. Dieser starb dann aber in Rom und wurde im Petersdom beigesetzt. Das Kloster Memleben wurde unabhängig davon zu einem der vier bedeutendsten Klöster im Reich.
Doch diese Stellung währte nicht lange. Heinrich II. (gestorben 1024), der aus einer Nebenlinie der Ottonen stammt, strich alle Privilegien. Im 13. Jahrundert errichtet man noch eine kleinere Klosterkirche, von der heute ebenfalls nur noch Reste vorhanden sind, abgesehen von der im Originalzustand erhaltenen Krypta. Der Niedergang des Klosters begann mit Bauernkrieg und Reformation. Die endgültige Aufhebung erfolgte 1548. Die Güter wurden der gerade neu gegründeten Landesschule Pforta geschenkt.

Eine der Ausstellungen im ehemaligen Kloster in Memleben beschäftigt sich mit dem Leben der Benediktiner. Dieser Raum verdeutlicht den Wechsel von Gebets- und Arbeitszeiten im Klosteralltag entsprechend dem benediktinischen Motto „Ora et labora – bete und arbeite“.

Zu DDR-Zeiten Kuh- und Schweineställe
Zu DDR-Zeiten diente das Gelände einem Volkseigenen Gut mit Schweinezucht und Kuhställen. Das hatte erhebliche bauliche Veränderungen zur Folge. Nach der Deutschen Einheit und mit der Gründung der Straße der Romanik begann die Rettung der Anlage. Heute sorgt sich eine Stiftung um Kloster und Kaiserpfalz.
Der Besucher kann neben den Resten des Klosters und der beiden Kirchen einen neu angelegten Klostergarten sowie mehrere Ausstellungen besichtigen. So gibt es ausführliche Informationen über das Leben in einem Benediktinerkloster, über die Klöster als Schreibwerkstätten oder über die mittelalterliche Frömmigkeit am Beispiel der Sorge der Kaiser um ihr Seelenheil, die auch den Besucher einlädt, sich darüber Gedanken zu machen. Im Rahmen des Projektes „Belebtes Kloster“ gibt es regelmäßig Veranstaltungen. Im Sommer sind meist für ein paar Tage auch Benediktiner aus Münsterschwarzach in Memleben zu Gast. Im nächsten Jahr ist eine Sonderausstellung „Wissen und Macht – Der heilige Benedikt und die Ottonen“ geplant.

Im 10. Jahrhundert wurde in Memleben eine Monumentalkirche errichtet, die in ihrer Größe mit dem Magdeburger Dom zu ottonischer Zeit vergleichbar war. Sie war wahrscheinlich als Grablege für einen der Ottonen-Herrscher gedacht. Heute stehen nur noch wenige Mauerreste, der Grundriss ist mit Pflastersteinen nachgebildet.

Hinweise: Memleben und Umgebung
Das Museum ist in den Sommermonaten täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Nähere Infos – auch zu Führungen und Veranstaltungen – auf der Website www.kloster-memleben.de. Im Rahmen des Projektes „Belebtes Kloster“ geben vom 26. bis 30. Juli Benediktiner aus Münsterschwarzach in Memleben Einblick in das Klosterleben. Weitere lohnende Ausflugsziele in der Nähe: Erlebnistierpark Memleben, Arche Nebra, eine der weltgrößten Modellbahnanlagen in Wiehe und Burg Wendelstein.

Von Matthias Holluba