11.09.2011

Enttäuschungen - nicht nur beim Eröffnungsgottesdienst

In allem, was geschieht, die Begegnung mit Gott suchen

Von "Tag des Herrn"-Redakteurin Dorothee Wanzek

Dank der Klimaanlage, die überraschend am Abend eingeschaltet wurde und dank der hinter den Ankündigungen zurückgebliebenen Zahl der Schlafzimmer-Mitnutzer wachen die meisten ausgeruhter auf als befürchtet. Einige hatten einander am Abend noch gegenseitig daran erinnert, was sie sich gemeinsam zu Beginn der Reise vorgenommen hatten: Alles, was ihnen auf ihrer Pilgerreise widerfahren sollte, als von Gott zugelassen oder von ihm gewollt anzunehmen und die Begegnung mit ihm darin zu suchen. Jugendpfarrer Stefan Hansch hatte zudem beim Abendgebet an die Situation der Afrikaner erinnert, die derzeit in Flüchtlingslagern auf unbestimmte Zeit unter erheblich widrigeren Umständen untergebracht sind.

Mit Gelassenheit pferchen die 142 Jugendlichen ihr Gepäck auf wenige Quadratmeter. Dann nehmen sie Essensgutscheine in Empfang, die sie in zahlreichen Restaurants der Stadt einlösen können und „üben“ anschließend den Weg zur Kirche, in der sie ab morgen an vormittäglichen Katechesen teilnehmen soll. Eine Pilgergruppe aus dem Eichsfeld steht dort gerade wartend herum. Direkt neben der Kirche ist die Metrostation, die uns auf ziemlich direktem Weg in die Innenstadt führt. Bis zur abendlichen offiziellen Eröffnung des Weltjugendtages auf der Plaza de Cibeles bewegt man sich in Kleingruppen frei durch die Stadt und trifft überall auf junge Menschen aus aller Welt, die unschwer als Pilger erkenntlich sind, viele fröhlich und unbeschwert, manche deutlich angespannt.

Hitze, wenig Schlaf und Menschengedränge lassen auch bei manchem von uns die Nerven blank liegen. Einem Jugendlichen gibt es den Rest, als ihm sein gesamtes Bargeld und der Fotoapparat abhanden kommen, als er seine Tasche kurz unbeaufsichtigt gelassen hatte. Unter den freiwilligen Helfern, die in hellgrüne T-Shirts gekleidet an vielen Ecken und Enden hilfreiche Dienste leisten, finden sich ein Sanitäter und ein Arzt, die sich eine Stunde lang liebevoll um ihn kümmern und ihm gut zureden. „Was dir geschehen ist, hat irgendeinen Sinn für dich. Versuche, ihn herauszufinden“, sagen sie unter anderem. Die herbeigerufene Polizei meint, der Junge habe großes Glück gehabt, dass sich die Diebe für seine Dokumente nicht interessiert haben. Anschließend geht es ihm wieder so gut, dass er sich weiter ins Getümmel stürzen kann.

Das Gedränge bei der Eröffnungsmesse ist ihm dann aber doch zu groß. Zwei Stunden lang bei sengender Hitze ohne Schatten fast erdrückt zu werden, dabei aber nur mit großem Glück einen Blick auf die Altarinsel erhaschen zu können: den meisten Magdeburgern ist das zuviel. Diejenigen, die teilgenommen haben, äußern sich anschließend enttäuscht: Schwungvollere Lieder hätten sie sich gewünscht, und die angekündigte Übersetzung aus tragbaren Radios war nicht zu finden. Dennoch: Der Verdruss hält sich in Grenzen. Auch, als wir erst anderthalb Stunden nach dem vereinbarten Termin wieder in unser Sportzentrum eingelassen werden. Geordnet und ruhig klappt es diesmal auch, das gesamte Gepäck wieder aus der Dusche in die Halle zu befördern und dort auszubreiten. In das Abendgebet schließen wir die Mitarbeiter im Koordinationsbüro des Weltjugendtagsbüros ein. Den Informationen zufolge bewegt man sich auch dort eng an seinen Grenzen.