19.10.2017

Anstoss 42/2017

Entrümpelung

In unserer Gemeinde ist vor einigen Wochen ein beliebter alter Pfarrer gestorben. Er war ein Bücherwurm. Jetzt sind die Angehörigen und wir damit beschäftigt, seine umfangreiche Bibliothek aufzulösen. Keine leichte Aufgabe, wenn einer sein Leben lang gesammelt hat.


Dabei fällt mir auf, auch ich bin ein Jäger und Sammler. Auch bei mir stapeln sich die Bücher und warten vergeblich darauf, gelesen zu werden. Also nehme ich mir am Nachmittag kurzerhand meine Regale vor. Ein paar Bücher wandern ohne große Probleme in den Karton. Aber bald hänge ich fest. Ich bringe es nicht übers Herz, mich von meinen geliebten Schätzen zu trennen, selbst wenn ich noch nie einen Blick hineingeworfen habe.
Wenn es schon ein Problem ist, sich von unnötigem Ballast zu trennen, der in unseren Regalen verstaubt, um wie viel schwerer muss es sein, sich von dem Ballast zu trennen, den wir innerlich mit uns herumschleppen. Statt uns zu trennen, häufen wir in atemberaubender Geschwindigkeit immer noch mehr an.
An diesem Wochenende ist in vielen Städten und Gemeinden in Deutschland wieder verkaufsoffener Sonntag. Ein Tag – so die Werbung – an dem man nach einem entspannten Sonntagsfrühstück gemütlich Shoppen und durch die Einkaufsmeilen flanieren kann.
Einkaufen, einrichten und einräumen – darum dreht sich die Welt. Loslassen ist nicht vorgesehen. Und so füllt sich unser Leben immer weiter an, ohne dass wir Gebrauch machen könnten von all den Dingen, mit denen wir uns umgeben. Kein Wunder, dass es auch innerlich nicht gelingt, loszulassen.
Wie wäre es zur Abwechslung mit einem geschlossenen Sonntag. Ein Tag, an dem man sich nach einem entspannten Sonntagsfrühstück (und natürlich dem Gottesdienst) gemütlich den Kleiderschrank, das Bücherregal oder die Garage vornimmt und überlegt, was man loslassen kann. Genauso könnte man sich den Groll und die Zänkereien vornehmen, die einem das Herz schwer machen und überlegen, wie man das eine oder andere loslassen kann. Jesus weist seine Jünger an, sich ohne Ballast auf den Weg zu machen (Matthäus 10,9-10). Ich gehe davon aus, dass er auch da im Blick hat, was unser Leben heil macht.

Pfarrer Marko Dutzschke, Cottbus